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Ceconomy Media-Saturn-Mutter beschließt Sparprogramm und streicht 500 Stellen

Der neue Vorstandschef will die Kosten schnell und radikal senken. Das trifft vor allem die Zentrale in Ingolstadt. Auch ein Vorstand muss gehen.
Update: 29.04.2019 - 21:33 Uhr Kommentieren
Ceconomy Sparprogramm: Media-Saturn-Mutter streicht 500 Stellen Quelle: dpa
Ceconomy

Die Media-Saturn-Mutter will massiv sparen.

(Foto: dpa)

MünchenVor 40 Jahren wurde in München der erste Media-Markt eröffnet. Doch nach Feiern ist in der Zentrale in Ingolstadt niemandem zumute. Im Gegenteil: Dem Unternehmen Ceconomy, in dem Media-Markt und Saturn zusammengefasst sind, steht eine weitreichende Umstrukturierung bevor.

Am Montagabend hat der neue Konzernchef Jörn Werner ein umfassendes Sparprogramm verkündet. Nach Handelsblatt-Informationen sollen dabei rund 500 Stellen wegfallen. Ziel sei es, „Prozesse und Strukturen in der gesamten Organisation zu straffen“, teilte das börsennotierte Unternehmen mit.

„So können wir uns stärker als bisher auf die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren und legen den Grundstein, um in Zukunft nachhaltig und profitabel wachsen zu können“, sagte Vorstandschef Werner. Der Manager will die Kosten um jährlich 110 bis 130 Millionen Euro senken.

Die Einsparungen sollen bereits im nächsten Geschäftsjahr (zum 30. September) voll wirksam werden. Im derzeit laufenden Geschäftsjahr würde das Programm allerdings erst einmal mit Kosten von bis zu 170 Millionen Euro zu Buche schlagen.

„Aufgrund der erheblichen Einsparungen gehen wir davon aus, dass sich die Aufwendungen für das Programm in weniger als eineinhalb Jahren vollständig amortisiert haben. Wir werden unsere Ertragskraft deutlich stärken“, ergänzte Karin Sonnenmoser, die neue Finanzchefin von Ceconomy. Sie trat ihr Amt ebenso wie Werner erst Anfang März an.

Gespart werden soll der Mitteilung zufolge vor allem in der Zentrale der Dachgesellschaft Ceconomy in Düsseldorf sowie im Hauptquartier von Media-Saturn in Ingolstadt. Auch die in Ingolstadt ansässige deutsche Landesorganisation werde gestrafft. Zudem bündelt das neue Duo an der Spitze Funktionen von den Länderorganisationen und den einzelnen Märkten in der Holding in Bayern.

Streaming-Dienst Juke wird geschlossen

Von Randbereichen trennt sich Media-Saturn. Der Streaming-Dienst und Spotify-Konkurrent Juke werde geschlossen, das Geschäft zur Vermarktung von Kundendaten eingestellt. Die Shopping-Plattform iBood und die Beteiligung an der Re-Commerce Plattform Flip4New stehen zur Disposition.

Werner bringt aus seinem früheren Job als Chef der Werkstattkette A.T.U. Erfahrung in der Restrukturierung angeschlagener Unternehmen mit. Das Kernproblem sind die vielen Doppelstrukturen bei den Töchtern Media Markt und Saturn, die von der IT über die Buchhaltung und die Logistik bis zum Einkauf zu stark unabhängig voneinander gearbeitet haben.

Dadurch sind auch Fehlentwicklungen zu spät erkannt worden - was nicht zuletzt auch einer der Gründe für die Folge von drei Gewinnwarnungen im vergangenen Jahr war. In Folge dessen musste das gesamte Top-Management gehen.

Jahrzehntelang war die dezentrale Organisation des Unternehmens der Garant für den Erfolg. Die einzelnen Filialen wurden unternehmerisch geführt von einem selbstbewussten Geschäftsführer, der mit einem Minderheitsanteil beteiligt war und große Freiheiten bei der Sortimentsgestaltung und der Preissetzung hatte.

So konnten die kleinen Lokalfürsten flexibel auf Kundenwünsche und Konkurrenz vor Ort reagieren.

Das Management hat jedoch tatenlos zugesehen, wie sich dieser Vorteil in einen Nachteil verwandelte. Mit dem Aufkommen des Onlinehandels war auf einmal eine straffe zentrale Führung gefragt. Letztlich hätte Ceconomy nach Einschätzung von Experten nicht nur früher auf den Onlinehandel umsteuern müssen, sondern auch die Flächen reduzieren und Filialen schließen müssen. Doch das hat die starke Stellung der lokalen Geschäftsführer lange verhindert.

Um die Gruppe vor dem Untergang zu retten, greift der neue Chef nun mit dem Holzhammer durch. Wie er künftig wieder mehr Kunden in die Läden locken will, das ließ Werner am Dienstagabend allerdings offen.

Rechts- und Compliance-Vorstand muss gehen

Zuletzt gab es immerhin ermutigende Signale. Im wichtigen Weihnachtsquartal ist der Umsatz um 1,7 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro geklettert. Europas größte Elektronikkette unterhält rund 1000 Läden, davon 430 in Deutschland und beschäftigt 59.000 Mitarbeiter. In der Zentrale zittern viele davon jetzt um ihre Jobs.

Einer weiß indes schon, dass er gehen muss: Der Rechts- und Compliance-Vorstand von Ceconomy, Dieter Haag Molkenteller. Er werde den Konzern Ende Mai verlassen, teilte die Firma mit.

Dies ist nicht die einzige Personalie. Der Chef von Großaktionär Freenet, Christoph Vilanek, zieht in den Aufsichtsrat ein. Der Manager hatte den bisherigen Vorstand in den vergangenen Monaten immer wieder heftig kritisiert. Dafür räume Peter Küpfer seinen Platz in dem Kontrollgremium, teilte Ceconomy mit.

Die Verantwortung aber liegt bei Jörn Werner. Der habe „mehrfach bewiesen, dass er auch in herausfordernden Situationen Geschäftsmodelle erfolgreich transformieren und nachhaltiges Wachstum schaffen kann“, hat ihm Aufsichtsratschef Jürgen Fitschen zu seiner Berufung auf den Chefposten mit auf den Weg gegeben. Jetzt ist es an Werner, zu zeigen, dass das stimmt.

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