Ceconomy Was der neue Großaktionär Freenet mit der Media-Markt-Saturn-Mutter vorhat

Analysten waren verwundert über den Einstieg von Freenet bei Ceconomy. Nun verrät der Mobilfunker, was er sich von der Beteiligung verspricht.
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Freenet bei Media Markt: Das erwartet der neue Großaktionär Quelle: dpa
Freenet setzt auf Vertrieb im Markt

Der Mobilfunker will von seiner Beteiligung an der Media-Markt-Mutter Ceconomy profitieren.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist ein Schritt, der viele Fragen aufgeworfen hat. Ausgerechnet der Mobilfunkanbieter Freenet hat sich als Großaktionär bei Ceconomy, dem Mutterkonzern von Media Markt und Saturn, eingekauft. Stolze 277 Millionen Euro ließ sich Freenet die 9,1 prozentige Beteiligung kosten.

Doch was nützt Freenet die Beteiligung? Bei vielen Analysten hat der Schritt Kopfschütteln ausgelöst. Nicht nur, weil der Kaufpreis mit 8,50 Euro pro Aktie deutlich über dem Aktienkurs lag. Der strategische und finanzielle Nutzen der Transaktion halte sich für Freenet in Grenzen, was Fragen über die Kapitaldisziplin aufwerfe, kritisierte Commerzbank-Analystin Heike Pauls.

Rickmann von Platen, CCO der Freenet AG, jedoch erwartet deutliche Vorteile aus der Verbindung und verteidigt die Entscheidung gegenüber dem Handelsblatt. „Wir sind seit 25 Jahren enge Partner von Media-Saturn. Als Gesellschafter von Ceconomy wollen wir unsere Zusammenarbeit vertiefen.“

Seit einem Vierteljahrhundert verkauft die Tochter Mobilcom-Debitel bereits Mobilfunkverträge in den Geschäften der Elektronik-Kette. Die auffälligen Verkaufsstände gehören mittlerweile zum Bild in viele Filialen von Media Markt und Saturn.

Für Freenet ist das einer der wichtigsten Vertriebskanäle, auf den das Unternehmen kaum verzichten kann. Goldman-Sachs-Experte Joshua Mills vermutet deshalb, dass die Kooperation unter Druck stehen könnte und sich Freenet womöglich bei seinem wichtigsten Handelspartner absichern wolle.

Nun bietet sich die Möglichkeit, diesen Vertriebsweg noch intensiver und für weitere Produkte zu nutzen. Genau dieser Ansatz soll die Basis für die künftige Ausrichtung als Gesellschafter von Ceconomy werden, bestätigt Platen. „Wir wollen die Vermarktung von Zusatzdienstleistungen forcieren“, kündigt er an. „Das Internet der Dinge bietet die Basis für neue Dienstleistungen, die noch nicht ausgeschöpft werden.“

Damit könnte Freenet weiter in das wachsende Geschäft mit vernetzen Haushaltsgeräten expandieren. Media Markt und Saturn verkaufen bereits Staubsauger-Roboter, computergesteuerte Thermostate und smarte Kühlschränke. Doch noch mangelt es an der passenden Steuerung und Vernetzung der Geräte. Freenet könnte etwa Sim-Karten bereitstellen, damit die Geräte auch unabhängig vom Zugang zu einem WLAN mit dem Internet verbunden sind.

Allerdings bleibt der Mobilfunkanbieter noch vage, wenn es um konkrete Beispiele geht. „Auch perspektivisch versprechen wir uns im Rahmen unserer Kooperation wichtige Impulse – sowohl für unser Mobilfunkgeschäft als auch für das TV- und Digital-Lifestyle-Business“, sagt von Platen.

Das passt in die Gesamtstrategie: Freenet lotet Möglichkeiten aus, das bestehende Geschäft zu erweitern. Der Mobilfunkanbieter hat kein eigenes Netz, sondern mietet Leitungen bei den Netzbetreibern Vodafone und Deutsche Telekom. Das Unternehmen war zuletzt auch in das Geschäft mit Fernsehübertragungen über Antenne und das Internet eingestiegen.

Eindeutig profitiert hat zumindest Ceconomy vom Einstieg des neuen Großaktionärs. Der Elektronikhändler bekommt Geld, das er dringend gebrauchen kann. Das sehen auch die Anleger so: War der Kurs vor dem Deal auf nur noch knapp über sieben Euro abgerutscht, hat er nun einen deutlichen Sprung nach oben gemacht und notierte in der Spitze bei 7,80 Euro.

Ceconomy bekommt so finanziellen Spielraum, um wie angekündigt bei der europäischen Konsolidierung weiter mitspielen zu können. Gerade erst hat Ceconomy 258 Millionen Euro ausgegeben, um sich am russischen Marktführer M.Video zu beteiligen – und nebenher sein verlustreiches Russlandgeschäft neu zu regeln.

Nun gibt es bereits Hinweise darauf, dass Ceconomy über einen Einstieg bei der türkischen Kette Teknosa verhandelt. Eine Bestätigung dafür gibt es bisher nicht.

Aber Ceconomy-Chef Pieter Haas hatte im Interview mit dem Handelsblatt kürzlich einen deutlichen Hinweis gegeben: „Der russische Markt gehört zusammen mit dem türkischen Markt zu den Ländern in Europa, die mit das höchste Wachstum zeigen, sowohl in den Läden als auch online“, sagte er. Beides seien Märkte mit einer großen Bevölkerung, die technisch affin sei und die eine noch stärkere Dynamik zeigten als westeuropäische Märkte.

Da wäre ein Ausbau des Engagements in der Türkei nur logisch. Das Geld dafür ist nun auch da.

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