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Chinesischer Onlinehändler Alibaba-Rivale JD.com steht wegen Arbeitsbedingungen in der Kritik

Die Arbeitsbedingungen in Chinas Tech-Konzernen gelten als hart. Mit besonders harschen Ansagen sorgt nun Alibaba-Konkurrent JD.com für Empörung.
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Der Onlinehändler will offenbar Angestellte feuern, die sich „nicht genug anstrengen“. Quelle: Reuters
Arbeiter in einem Logistikzentrum von JD.com

Der Onlinehändler will offenbar Angestellte feuern, die sich „nicht genug anstrengen“.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf, PekingDer chinesische Online-Händler JD.com sorgt mit seiner harten Linie gegenüber den eigenen Mitarbeitern für Empörung. Wie die „Financial Times“ berichtet, streicht der Alibaba-Rivale testweise den Mindestlohn für seine Kurierfahrer. Zudem sollten Angestellte entlassen werden, die „nicht hart genug arbeiten“, selbst wenn es um gesundheitliche oder familiäre Problemen gehe.

Laut „FT“ kursiert in dem sozialen Netzwerk Sina Weibo eine interne E-Mail von JD.com. Den Eintrag haben bereits mehr als 120 Millionen Nutzer gelesen. Darin heißt es: Wer sich nicht anstrenge, müsse gefeuert werden, „egal wie hoch oder niedrig seine Position ist, egal ob langjähriger Angestellter oder Auszubildender“.

Über einen offiziellen Account hatte JD zunächst mitgeteilt, die E-Mail sei „aus dem Zusammenhang gerissen“ worden. Man nehme die Gesundheit der Mitarbeiter sehr ernst. Später wurde der Kommentar wieder gelöscht.

Bereits am Sonntag hatte der Konzern mitgeteilt, dass Kurierfahrer in einigen Regionen vorerst keinen garantierten Mindestlohn mehr erhalten. Man setze stattdessen auf ein „anreizbasiertes“ Vergütungssystem, bei dem die Fahrer je nach ausgelieferten Paketen bezahlt werden. Der Vorfall verschärft die Diskussion über schlechte Arbeitsbedingungen in chinesischen Tech-Konzernen. Angesichts rückläufiger Finanzierung und einem langsameren Wachstum der Konsumausgaben haben viele Unternehmen ihre Personalausgaben zurückgefahren.

So gab JD.com im Februar bekannt, etwa zehn Prozent seiner Topmanager noch im laufenden Jahr entlassen zu wollen. Diese Nachricht veröffentlichte der Online-Händler zeitgleich mit einer allgemeinen Kündigungswelle chinesischer Tech-Unternehmen.

Der Mitfahrdienst Didi Chuxing teilte mit, 15 Prozent seiner Belegschaft zu kündigen. Außerdem berichteten mehrere chinesische Medien von Massenentlassungen beim Gaming-Giganten NetEase, der offenbar 40 Prozent der Mitarbeiter in der Öffentlichkeitsarbeit gefeuert hätte.

Diese Umstände heizen Kampagnen gegen überlange Arbeitszeiten an. Selbst, wenn diese E-Mail nach Angaben des Online-Händlers JD.com falsch interpretiert worden seien, hat der Zwischenfall kein Alleinstellungsmerkmal. Denn JD.com kämpft schon länger gegen Negativschlagzeilen.

Vergangenen November hatte die FT aufgedeckt, dass JD.com in seinen Warenlagern Berufsschüler unter dem gesetzlichen Mindestlohn und mitunter über 18 Stunden am Tag hatte arbeiten lassen. Die zuständigen Fachhochschulen argumentierten damals, die Schüler hätten freiwillig gearbeitet.

Hinzu kommt der Skandal rund um den CEO Richard Liu: Im Juli 2018 hatte er im Handelsblatt-Interview eine Offensive in Deutschland und Europa angekündigt. Seine Festnahme im vergangenen August nach Vergewaltigungsvorwürfen in den USA und der darauf folgende Kursrutsch an der Börse haben diese Expansionspläne allerdings erheblich verzögert. Erst im Dezember erklärten die US-Behörden, dass keine Anklage gegen Liu erhoben wird.

Im März fuhr das Unternehmen mit einem Quartalsumsatz von 22 Milliarden US-Dollar das langsamste Jahreswachstum seit seinem Börsengang in 2014 ein.

Gründer Richard Liu war es gelungen, seine 2004 gegründete Firma JD.com innerhalb weniger Jahre zum zweitwichtigsten Spieler hinter Alibaba im umkämpften chinesischen E-Commerce-Markt zu etablieren. Seit langem treibt er auch die internationale Expansion voran.

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