Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Circ Chef von E-Scooter-Firma sagt Pleiten in der Branche voraus

Circ-Chef Lukasz Gadwoski sieht nur Platz für wenige Anbieter. Bis dahin werden es auf Deutschlands Straßen aber erst einmal mehr Roller.
Kommentieren
Ein wichtiger Faktor zum Erfolg sind möglichst viele Roller auf der Straße. Quelle: dpa
E-Scooter von Circ in Berlin

Ein wichtiger Faktor zum Erfolg sind möglichst viele Roller auf der Straße.

(Foto: dpa)

Berlin Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis auf den Bürgersteigen von Berlin mehr Sharing-Fahrzeuge stehen als Menschen gehen. Zu den mindestens fünf Fahrrad-Sharing-Anbietern und zwei Elektro-Moped-Systemen kommen seit wenigen Wochen gleich vier Anbieter von elektrischen Tretrollern.

Lukasz Gadowski, Mehrfachgründer und derzeit Chef des deutschen Roller-Anbieters Circ, prophezeit jetzt ein Sterben der Anbieter. „Es gibt viel Wettbewerb. Dabei muss die Branche erst noch beweisen, dass die Roller ein Geschäft sind. Das geht nicht, wenn 20 Anbieter miteinander konkurrieren“, sagte er am Donnerstag auf der Berliner Tech-Konferenz TOA.

Gadowski hat das junge Unternehmen im August 2018 gegründet. Zuerst startete das Angebot im Ausland, wo die Behörden die Roller früher zugelassen hatten. Seit drei Wochen stehen Hunderte Circ-Roller auch in Deutschland an der Straße – neben Angeboten von Konkurrenten wie Tier aus Deutschland und Lime aus den USA.

Derzeit fließt viel Investorengeld in solche Mikromobilitäts-Angebote – im Fall von Circ zuletzt 55 Millionen Euro. Die Roller sind für Anbieter attraktiv, weil sie billiger im Einkauf sind als etwa Pedelecs, die Uber in Berlin anbietet, oder gar elektrische Mopeds und Carsharing-Autos.

Doch wenn Gadowski, der als Mitgründer des sozialen Netzes StudiVZ bekannt geworden ist, recht behält, dürfte einiges von diesem Geld verloren sein, wenn Anbieter ausscheiden. Denn er sagt eine ähnliche Entwicklung wie bei den sozialen Netzen voraus: Viele Spieler vom Anfang würden wieder verschwinden.

Grafik

Allerdings seien E-Scooter kein Markt, auf dem ein fast komplettes Monopol wie bei Facebook entstehen wird. In jeder Stadt sei Platz für ein bis drei Anbieter. „Für die Nutzer ist es unangenehm, mehrere Apps von verschiedenen Anbietern zu nutzen – und Apps, die die Angebote aggregieren, funktionieren nicht wirklich“, sagte Gadwoski.

Das Problem: Gadowski meint, ein wichtiger Faktor zum Erfolg seien möglichst viele Roller auf der Straße. „Wer immer gleich einen Roller von ein und demselben Anbieter findet, lädt sich keine andere App herunter“, sagt er. Kurzfristig werden es also eher mehr als weniger Roller, die die Bürgersteige verstopfen.

Dafür könnten sie technisch besser werden. Die erste Generation, die im Ausland fährt, sei bereits nach einem Monat Nutzungsdauer schrottreif, sagte Gadowski. Seine eigenen Geräte sollen mindestens ein halbes Jahr halten. „Genau wissen wir es nicht, denn so lange arbeiten wir noch nicht“, sagte er.

Unfälle als Gefahr fürs Image

Das stützt eine These des gemeinsamen Mobilitätsunternehmens von BMW und Daimler, Free Now. Es könne ein Vorteil sein, nicht ganz früh dabei zu sein, sondern von den Fehlern der anderen zu lernen, sagte Free-Now-Deutschlandchef Alexander Mönche Anfang der Woche.

Die Free-Now-Roller sind derzeit unter der Marke Hive im großen Stil erst in einigen Städten außerhalb Deutschlands unterwegs – während Circ und Tier schnell in viele, auch mittelgroße deutsche Städte drängen.

Grafik

Eine Gefahr für das Image der neuen Anbieter sind Unfälle. Gadowski sagte, das Risiko auf dem Tretroller sei nicht größer als beim Fahrrad – und eigentlicher Verursacher schwerer Unfälle sei das Auto. Bei tödlichen Unfällen mit solchen Rollern waren die Nutzer meist von Autos überfahren worden.

Daher werde die Stadt umso sicherer, je mehr Menschen umsteigen. Mittelfristig würden die Städte ihre Infrastruktur etwa mit eigenen Fahrstreifen anpassen. Bis dahin soll neue Helmtechnik helfen: Gadowski schwärmte für das schwedische Unternehmen Hövding, das einen Fahrrad-Airbag anbietet – der allerdings ausdrücklich nicht für Roller geeignet ist. Er selbst nutze keinen Helm, sondern ein Stirnband aus Schaumstoff, sagte der Unternehmer.

Mehr: Obwohl die Kritik wächst, erobern E-Scooter Deutschlands Straßen – besonders die von Tier Mobility. Die drei Gründer drücken aufs Tempo.

Startseite

Mehr zu: Circ - Chef von E-Scooter-Firma sagt Pleiten in der Branche voraus

0 Kommentare zu "Circ: Chef von E-Scooter-Firma sagt Pleiten in der Branche voraus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote