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Clemens Maier 20 Prozent mehr Umsatz: Ravensburger-Chef verkündet Puzzle-Boom in der Pandemie

Der Spieleverlag kann kaum die Händlernachfrage bedienen. Das ist kein Zufall: Clemens Maier transformiert das Familienunternehmen erfolgreich.
01.12.2020 - 20:49 Uhr Kommentieren
Die Maschinen laufen seit dem Frühjahr auf Volldampf. Quelle: Ravensburger AG
Puzzleproduktion von Ravensburger

Die Maschinen laufen seit dem Frühjahr auf Volldampf.

(Foto: Ravensburger AG)

München Einfach mal abschalten: Schon vor Corona hat Clemens Maiers Unternehmen Jahr für Jahr mehr Puzzles verkauft. So gut wie im Krisenjahr 2020 lief es aber noch nie: „Wir hätten nicht gedacht, dass es sich so entwickeln würde“, sagte der Chef und Gesellschafter des Spieleverlags Ravensburger dem Handelsblatt: „Puzzeln ist zur Mode geworden.“

Der Familienunternehmer, Urenkel des Firmengründers Otto Maier, schätzt, dass sein Umsatz mit Puzzles dieses Jahr um rund ein Fünftel steigen wird. Das schwäbische Unternehmen sieht sich als Nummer eins im Geschäft.

Da auch Brettspiele stark gefragt sind, stößt Ravensburger inzwischen an Grenzen. „Wir haben die Produktion so hochgefahren, wie dies unter den entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen möglich ist“, sagt Maier. „Trotzdem gibt es Bereiche, in denen die Nachfrage die Kapazitäten übersteigt.“ Das 137 Jahre alte Unternehmen fertigt größtenteils in eigenen Fabriken, am Stammsitz in Ravensburg sowie in Tschechien.

Zusammensitzen und puzzeln, für immer mehr Menschen ist das in diesem schwierigen Jahr Alternative zu Smartphone und Fernseher. Und nicht nur in Deutschland. Im Frühjahr berichtete die US-Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ über die Puzzles aus Oberschwaben. Die „New York Times“ erläuterte ausführlich, wie die Geduldsspiele von Ravensburger entstehen. Der australische Premier Scott Morrison erklärte sie während der Ausgangsbeschränkungen mit einem Augenzwinkern sogar als systemrelevant.

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    Und auch bei Puzzles gibt es Marktentwicklungen zu beobachten. Besonders beliebt seien dieses Jahr einfarbige, sogenannte Krypt-Puzzles. Die Spieler müssen die Teile dabei allein anhand ihrer Form zusammensetzen. Auch Spiele mit Fotos der Kunden würden immer beliebter. Das ist nicht neu, kommt aber immer besser an. „Personalisierte Produkte sind extrem gefragt“, stellt Maier fest.

    Der Vorstandschef setzt auch im Coronakrisenjahr den Wachstumskurs bei Ravensburger fort. Unter der Führung des 48-Jährigen trifft das Unternehmen mit seinen Spielen und Kinderbüchern schon länger den Zeitgeist. So sind die Erlöse 2019 um knapp sieben Prozent auf etwa 524 Millionen Euro geklettert.

    Der Vorstandschef und Gesellschafter von Ravensburger steuert auf ein weiteres Rekordjahr zu. Quelle: Verena Müller/laif
    Clemens Maier

    Der Vorstandschef und Gesellschafter von Ravensburger steuert auf ein weiteres Rekordjahr zu.

    (Foto: Verena Müller/laif)

    Vor dreieinhalb Jahren ist der Volkswirt an die Spitze des traditionsreichen Familienkonzerns gerückt. Der Unternehmer ist dem beschaulichen Ravensburg tief verbunden. Doch er kennt viel von der Welt, davon profitierte er in den vergangen Jahren auch bei der Firmenexpansion.

    Zu Beginn der Karriere zog es ihn zunächst für ein Jahr zum Diogenes Verlag nach Zürich. Anschließend studierte er in London, arbeitete dort für den Kinderkanal Nickelodeon. Später schloss er sich einem Risikokapitalgeber in New York an, wechselte danach zu Bertelsmann. Dort holte er sich bei einem Managementprogramm den nötigen Schliff, der ihn in eine Vorstandsassistenz bei Random House führte.

    2005 kam er nach Deutschland zurück und trat in das von seiner Familie geführte Unternehmen ein. Erst leitete Maier drei Jahre lang die spanische Unternehmenstochter, dann arbeitete er im Spieleverlag. Sein Gesellenstück lieferte er 2012 mit der von ihm eingefädelten Übernahme des US-Spieleentwicklers Wonder Forge ab. Die Meisterprüfung folgte 2014: Überraschend übernahm Ravensburger den schwedischen Holzspielzeughersteller Brio. Bereits zwei Drittel der Spielwarenumsätze erzielt Maier inzwischen im Ausland. Der Kinder- und Jugendbuchverlag beschränkt sich auf den deutschsprachigen Raum.

    Sein Erbe will er nicht nur verwalten. Eine evolutionäre Entwicklung des im Jahr 1883 gegründeten Betriebs sei ihm zu langsam, erläutert der freundlich und zurückhaltend auftretende Vater dreier Kinder. Er spricht lieber von Transformation hin zu einem wahrhaft globalen Unternehmen.

    So hat er sich mit den Jahren an zahlreichen Start-ups beteiligt, zuletzt diesen Herbst an Lingokids. Die junge Firma aus Madrid betreibt eine Plattform für frühkindliches digitales Lernen. Mit den Spaniern will Maier nun Lernspielangebote entwickeln.

    Der Spielwarenbranche geht es glänzend

    So wie Ravensburger geht es derzeit vielen Spieleherstellern überraschend gut. „Eltern und Kinder haben momentan mehr Zeit füreinander“, erläutert Steffen Kahnt, Geschäftsführer des Handelsverbands Spielwaren. Coronazeit sei Familienzeit.

    Neben den zur Alleinunterhaltung geeigneten Puzzles sind auch Dauerbrenner unter den Gesellschaftsspielen wie „Uno“ oder „Die Siedler von Catan“ gefragt. Marktforschern der NPD Group zufolge sind zudem die sogenannten Exit-Games beliebt, also Spiele, in denen gemeinsam Rätsel zu lösen sind.

    NPD zufolge waren Spiele und Puzzles dieses Jahr bisher die Kategorie im Spielwarenhandel, die am stärksten gewachsen ist. Viele Kunden hätten diese als Freizeitbeschäftigung für sich wiederentdeckt, sagt Analyst Joachim Stempfle. Der größte Profiteur hierzulande sei im Jahresverlauf Ravensburger-Konkurrent Kosmos gewesen.

    Die Händler rechnen damit, dass der Spielzeugumsatz in Deutschland 2020 um acht Prozent auf 3,7 Milliarden Euro steigen wird. Im Vorjahr sind die Erlöse lediglich um drei Prozent geklettert. „Die Spielwarenindustrie kommt richtig gut durch die Krise“, bilanziert Ulrich Brobeil, Geschäftsführer des Verbands der Spielwarenindustrie.

    Selbstverständlich ist das gute Geschäft in den Spielzeugshops in Deutschland nicht. In keinem anderen der großen europäischen Länder würden die Umsätze dieses Jahr so stark steigen, so Marktforscher Stempfle von der NPD Group.

    Das wichtige Weihnachtsgeschäft hat gerade erst begonnen, daher ist Ravensburger-Chef Maier zurückhaltend mit einer Prognose fürs gesamte Jahr. Alles andere als ein neuer Rekordumsatz wäre aber überraschend.

    Denn es sind nicht nur die Spiele, die den Händlern aus den Händen gerissen werden. Der digitale Stift „Tiptoi“ von Ravensburger rangierte im Oktober auf Platz sieben der meistverkauften Spielwaren in Deutschland. Die Hitliste dominiert, wie schon seit Jahren, Weltmarktführer Lego mit sieben Artikeln in den Top Ten. Die Nummer eins in den Geschäften: ein Sportwagenmodell der Technic-Serie, ein Lamborghini zum Verkaufspreis von 270 Euro.

    Ins Jahr 2021 blickt Maier trotz des derzeit guten Geschäfts zurückhaltend. Denn natürlich würden die Leute irgendwann wieder mehr Zeit draußen und auch mit Freunden verbringen und die Spiele dann zur Seite legen: „Das nächste Jahr wird spannend. Denn wir wissen ja nicht, ob der Aufwärtstrend bei Spielen und Puzzeln sich fortsetzt.“

    Mehr: Die Deutschen spielen, der Rest der Welt spart – So kommt Simba-Dickie durch die Coronakrise.

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