Cloud-Sparte treibt Gewinn Online-Handel spielt für Amazon-Gewinn nur Nebenrolle

Die Amazon-Aktie strebt nach guten Quartalszahlen auf die 1000-Dollar-Marke zu. Das ist weniger dem Verkauf von Büchern oder spektakulären Drohnen zu verdanken als einer langweiligen Sparte im Hintergrund.
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Das sind Jeff Bezos Pläne bis Ende 2018

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San FranciscoWer kennt den alten Witz noch? „Siemens ist eine Bank mit angehängtem Elektroladen.“ Nun, die Zeiten sind vorbei. Aber in Seattle findet der Joke seine Fortsetzung: Amazon.com ist ein Technologiegigant mit angehängtem Tante Emma-Laden. Das war einmal anders.

Die Zahlen zum ersten Quartal des Technologiegiganten kann man lesen wie ein Buch. Richtig spannend wird es, wenn man das Kapitel AWS aufschlägt. AWS ist die Sparte für Cloud Computing. Hier kaufen sich Unternehmen Speicher, Computerleistung und Software von der Stange und bezahlen sie so, wie sie ihre Strom- oder Wasserrechnung begleichen. Ein Geschäft unter dem Radar der Öffentlichkeit. Doch der Laden brummt und verdient unverschämt viel Geld. Nachbörslich kletterte die Amazon-Aktie um 3,88 Prozent auf 954 Dollar und nimmt somit die 1000-Dollar-Marke ins Visier.

Amazon weist für das Quartal ein operatives Ergebnis von gewaltigen 1,01 Milliarden Dollar aus. Das Unternehmen verkauft CDs und Bücher, hat eigene Frachtflugzeuge angemietet um FedEx oder DHL auszubooten, baut einen Frachtflughafen, lässt Drohnen Pakete abwerfen, betreibt eine Video- und Musikplattform, stellt Computer-Tablets her und stellt den Kunden den persönlichen Assistenten Alexa in die Wohnzimmer, um ihnen jeden Kaufwunsch von den Lippen abzulesen. AWS, das farblose Geschäft mit Bits und Bites, hat ein analoges Highlight: einen 30-Tonnen-Lkw, mit dem man Terabyte von Daten vom eigenen Firmen-Rechenzentrum zu Amazons Cloudspeichern fahren und abladen kann.

Das Cloud Computing liefert einen Beitrag zum operativen Ergebnis von 890 Millionen Dollar bei gerade mal 3,66 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus zum Vorjahr von 43 Prozent.

Das heißt: Der ganze Amazon-Zirkus mit 35,7 Milliarden Dollar Umsatz, einem Plus von 23 Prozent zum Vorjahr, verdient operativ 1,01 Milliarden Dollar. Nimmt man die Cloud heraus, die nur zehn Prozent des Umsatzes beisteuert, verschwinden gleichzeitig fast 90 Prozent des operativen Gewinns. Das sagt viel darüber aus, wo das Potenzial liegt. Auch zum Nettogewinn von 724 Millionen Dollar im Quartal gegenüber 513 Millionen Dollar im Vorjahr trägt AWS seinen Teil bei. Die abnehmende Erratik der Gewinnausweise des Konzerns liegt am ausgleichenden Anteil der wiederkehrenden Umsätze aus dem Businessgeschäft.

Einkaufen ohne Kassen und Warteschlangen
Die neue Amazon-Idee
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Nie mehr Schlange stehen, sondern mit dem vollen Einkaufswagen einfach aus dem Laden laufen: Das verspricht eine neue Idee des Onlineriesen Amazon – ein Supermarkt in Seattle mit dem Namen „Amazon Go“.

Sensoren erkenne die gewählten Produkte
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In Seattle im US-Bundesstaat Washington präsentierte der Konzern am Montag den Prototyp eines Supermarkts, in dem Kunden alles mitnehmen können, ohne eine Kasse zu passieren. Die in dem rund 170 Quadratmeter großen Laden eingebaute Technologie „erkennt automatisch, wenn Produkte aus den Regalen genommen werden“, erklärte das Unternehmen. Sensoren ermöglichen es dem Kunden also, die gewünschten Produkte auszusuchen und dann mit einer App über ihre Amazon-Konten abzurechnen

Der Kassenzettel wird nachgereicht
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Nur beim Betreten des Ladens muss das Smartphone am Eingang gescannt werden. Beim Verlassen des Geschäfts werde der Einkauf dann über einen virtuellen Warenkorb abgebucht. „Wenn du mit dem Einkaufen fertig bist, kannst du das Geschäft einfach verlassen“, erklärte das Unternehmen. Anschließend werde das Amazon-Konto des Kunden mit dem entsprechenden Betrag belastet und ein Kassenzettel verschickt. Angeboten werden Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch, Fertiggerichte und Kochboxen mit Zutaten für bestimmte Gerichte.

Hier darf nicht jeder rein
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Allerdings darf nicht jeder in den neuen Supermarkt. Vorerst können nur Angestellte des Konzerns, der in Seattle seinen Hauptsitz hat, Amazon Go nutzen.

Ab 2017 für alle Kunden geöffnet
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Anfang 2017 soll der Laden, der auch frische Menüs anbietet, dann für alle anderen Kunden geöffnet werden. Ob weitere Filialen geplant sind, war zunächst unklar.

Amazon erobert die analoge Welt
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Amazon bietet in den USA und London bereits den Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh an. Dabei handelt es sich um eine für 15 Dollar pro Monat erhältliche Zusatzoption für Abonnenten des jährlich 99 Dollar kostenden Prime-Service. Zudem betreibt Amazon in Seattle seit dem vergangenen Jahr bereits einen Buchladen; weitere Standorte in anderen Städten sind angekündigt. Laut „Wall Street Journal“ will der Konzern außerdem in den nächsten Wochen testweise zwei Drive-in-Läden eröffnen, ebenfalls in Seattle.

Druck für die traditionellen Kaufhausketten
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Sollte sich der Onlinekonzern dazu entscheiden, im großen Stil ins Supermarktgeschäft einzusteigen, würde dies erheblichen Druck auf traditionelle Lebensmittelhändler und Kaufhausketten wie Wal-Mart ausüben. Bislang kaufen die meisten Verbraucher die Dinge des täglichen Bedarfs bei solchen Anbietern ein.

Amazon-Gründer und CEO Jeff Bezos ist nicht auf ein paar schnelle Milliarden aus. Er nimmt lieber langsame Multimilliarden mit. Sonst hätte er AWS längst als eigene Einheit an die Börse gebracht. Die Investoren würden ihm das Papier zu jedem Preis aus der Hand reißen: ein Technologieunternehmen mit 42 Prozent Umsatzwachstum im Jahresvergleich und gleichzeitig operativ schwarzen und stark wachsenden Ergebnissen. Wann hat es das schon mal gegeben, seit Google an die Börse gegangen ist?

Zuletzt mussten sich die Investoren mit so etwas wie Snap abspeisen lassen, ein typisches Silicon-Valley-Gewächs mit mehr Verlust als Umsatz im Geschäftsjahr. Am 10. Mai wird Snap erstmals als börsennotiertes Unternehmen Ergebnisse vorlegen und die Wall Street zittert bereits. Oder „Unicorns“, wertvolle und seltene Einhörner wie Uber: Trotz aller Skandale und Probleme geistern noch immer Zahlen durch die Welt, die von einer Bewertung von bis zu 70 Milliarden Dollar ausgehen. Dabei hat der Taxikonkurrent laut Bloomberg gerade einen Nettoverlust von 2,8 Milliarden Dollar in 2016 bei 6,5 Milliarden Dollar Umsatz vermelden müssen. Was wäre dann AWS wert?

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