Coca-Cola-Flaschen

Restaurants oder Cafés sollen auf dem neuen Marktplatz ihre Bestellungen bei teilnehmenden Getränkehändlern in ihrer Nähe platzieren können.

(Foto: dpa)

Coca-Cola formt Allianz Zweikampf um den digitalen Getränkehandel

Gastwirte bestellen Getränke oft noch über Telefon und Fax. Coca-Cola und zwei Brauer wollen das ändern. Doch sie haben einen mächtigen Gegenspieler.
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DüsseldorfDrei Schwergewichte der Getränkeindustrie haben sich zusammengetan, um einen der letzten weißen Flecken in der Digitalisierung ihrer Branche zu schließen. Coca-Cola, Bitburger und Krombacher haben dazu das Joint-Venture Kollex gegründet. Das Unternehmen soll eine Onlineplattform aufbauen, über die der Großhandel zwischen Getränkeherstellern und Gastronomie abgewickelt werden kann.

Dabei geht es um einen lukrativen Markt. Nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens GfK wird allein im Großhandel mit Getränken ein jährlicher Umsatz von fast 20 Milliarden Euro in Deutschland erzielt. Doch weder Gastronomie noch die meisten Getränkegroßhändler haben die Mittel, dieses Geschäft digital abzuwickeln. Deshalb läuft ein großer Teil des Umsatzes bisher über Telefon oder Fax.

„Wir wollen eine neutrale Plattform aufbauen, die den Händlern den Schritt in die digitale Welt erleichtern soll“, sagte Kollex-Chef Udo Kießlich dem Handelsblatt. Der E-Commerce-Fachmann war zuvor Geschäftsführer bei Allyouneed Fresh, dem Lebensmittellieferdienst der Deutschen Post. Kießlich soll bis Ende 2018 in Pilotprojekten die Plattform entwickeln. Der bundesweite Start ist für das erste Halbjahr 2019 geplant.

Es wird ein Marktplatz sein, über den Restaurants oder Cafés ihre Bestellungen bei teilnehmenden Getränkehändlern in ihrer Nähe platzieren können. Diese übernehmen dann auch die Auslieferung. Damit spart sich Kollex die Investitionen in Lager und Lieferlogistik. Im Prinzip funktioniert das Unternehmen damit ähnlich wie der Fahrdienst Uber, der Kunden mit selbstständigen Fahrern zusammenbringt.

Im Frühjahr gab es die ersten Gespräche zwischen den drei Getränkeriesen, im Sommer dann wurde die Planung konkreter. Kollex hat als Sitz des Unternehmens Berlin gewählt, weil dort die notwendigen Digitalexperten eher verfügbar sind als in der Provinz. Bis Ende des Jahres sollen etwa 25 bis 30 feste Mitarbeiter das Team von Kießlich verstärken.

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Damit entwickelt sich ein Zweikampf um den digitalen Großhandel mit Getränken. Denn gerade erst haben sich die Schweizer Coop-Gruppe und der Familienkonzern Oetker zusammengefunden, um ebenfalls eine solche Onlineplattform aufzubauen.

Genehmigungen der Kartellwächter stehen noch aus

Dazu tritt Oetker als weiterer Aktionär in die Team Beverage AG ein. In diesem Unternehmen hat sich die Coop-Tochter Transgourmet mit dem deutschen Getränkegroßhändler Nordmann und der Paulaner Brauerei Gruppe zusammengeschlossen. In diesen Verbund soll jetzt das Großhandelsgeschäft der Oetker-Tochter Radeberger integriert werden. Dadurch soll der bereits bestehende Marktplatz unter dem Namen Gastivo weiter ausgebaut werden.

„Transgourmet ist vor einem Jahr mit Team Beverage in den Getränkemarkt eingestiegen, um den Wunsch der Kunden nach mehr Leistung und weniger Ansprechpartnern zu erfüllen“, sagt Frank Seipelt, Vorsitzender der Geschäftsführung von Transgourmet Deutschland. Um diese Herausforderung erfolgreich zu bewältigen, sei ein weiterer qualitativer und quantitativer Ausbau der Plattform notwendig. Dafür bringt jetzt Oetker zusätzliche Ressourcen ein.

Ob die Projekte in dieser Form realisiert werden können, steht jedoch noch unter Kartellvorbehalt. Sowohl Coca-Cola und seine Partner als auch das Team Beverage haben ihre Zusammenarbeit bei den Wettbewerbshütern angemeldet und warten auf die Genehmigung.

Das größte Problem für die Digitalisierung des Großhandels mit Lebensmitteln ist aber gar nicht das fehlende Angebot, sondern die mangelnde technische Ausstattung insbesondere bei den kleineren Gastronomiebetrieben. Der Großhändler Metro beispielsweise bietet seinen Kunden seit kurzem an, ihnen kostenlos eine Homepage einzurichten. Ein großer Teil der Gastronomen verfügt nicht mal über eine eigene E-Mail. Damit fehlen oft jegliche Schnittstellen für einen digitalen Anschluss an den Großhandel.

Dieser Schwierigkeit ist sich auch Kollex-Chef Kießlich bewusst. „Der digitale Reifegrad bei den Gastronomen ist sehr unterschiedlich“, umschreibt er es freundlich. Doch der Markt sei so groß, dass auch mit den Kunden, die bereits offener für dieses Thema sind, ein nennenswerter Umsatz möglich sei.

Zusatzdienste sollen Gastronomen überzeugen

Treiber der Entwicklung sind auch die zunehmenden Angebote für Onlinehandel mit Lebensmitteln für die Endkunden. Nach anfänglichem Zögern setzen sich Anbieter wie Amazon Fresh oder Start-ups wie das holländische Picnic immer mehr bei den Konsumenten durch. Auch im Getränkehandel feiern Start-ups wie beispielsweise Flaschenpost aus Münster erste Erfolge.

Dadurch erkennen auch mehr und mehr Händler und Gastronomen den Wert solcher digitalen Dienstleistungen. „In unseren Märkten ändern sich die Spielregeln gerade rasant“, bestätigt Niels Lorenz, Mitglied der Gruppenleitung der Dr. August Oetker KG und Sprecher der Geschäftsführung der Radeberger Gruppe. „Heute gilt es, nicht mehr nur Getränke, eine einzelne Dienstleistung oder auf ein einzelnes Segment begrenzte Leistungen anzubieten, sondern smarte Problemlösungen, die möglichst alles abdecken.“

Genau damit will auch Kollex die Kunden überzeugen. „Heute geht mit der Bestellung sehr viel Zeit und Energie verloren“, sagt Kießlich. „Wir können die Prozesse bei den Kunden deutlich beschleunigen und vereinfachen.“ Die neue Plattform soll gleich mehrsprachig sein und sowohl für Smartphone und Tablets als auch über alle gängigen Web-Browser verfügbar sein.

Ergänzt werden soll das ganze durch Zusatzservices. So ist in der Planung beispielsweise ein Wetteralarm, der den Gastronomen schon mehrere Tage vor einer Hitzewelle ermahnt, seine Getränkevorräte aufzufüllen.

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  • Schöne neue Welt.

    So ein Fax bzw. Telefonanruf stürzt eher selten ab. Von den Kosten mal ganz abgesehen und der Schulung von Personal zur Bedienung dieser IT Lösung. Dazu kommen die Probleme der Vernetzung und die Abhängigkeiten.
    Für die neue Lösung braucht man einen PC oder Smartphone und muss mit der Technik umgehen können. Und wenn mal wieder ein Virus oder sonstiges Problem das System lahm legt, kostet das alles wieder Zeit und Nerven.
    Also man den Computer erfand, sollte der Mensch eigentlich entlastet werden. 1950 hat er 40 Stunden mit einer Schreibmaschine gearbeitet. Und 2018 arbeitet er immer noch 40 Stunden. In meinen Augen hat die ganze Technik nix gebracht.

    Ich stelle sogar die verwegende These, dass der Planet nicht ungehen sollte, falls Morgen alle Smartphones und Handys gleichzeitig kaputt gehen sollten.
    Beim Bäcker gäbe es weiterhin Brötchen und Wasser kommt bestimmt auch noch aus dem Wasserhahn.

    VG

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