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Corona-Pandemie Das Mallorca-Problem: Was die Reisewarnung für die Tourismusbranche bedeutet

Der bisherige Umsatzausfall der Anbieter von 20 Milliarden Euro dürfte weiter wachsen. Dabei wollen gar nicht alle Reisenden auf den Urlaub verzichten.
17.08.2020 - 14:29 Uhr 1 Kommentar
Mit strengem Abstand genießen Urlauber auf den Balearen ihren Urlaub. Dennoch steigen die Coronazahlen, und Spanien ist wieder zum Risikogebiet erklärt worden. Quelle: imago images/Hans Blossey
Strandleben in Zeiten von Corona

Mit strengem Abstand genießen Urlauber auf den Balearen ihren Urlaub. Dennoch steigen die Coronazahlen, und Spanien ist wieder zum Risikogebiet erklärt worden.

(Foto: imago images/Hans Blossey)

Frankfurt Die deutschen Reiseveranstalter befinden sich in einer schwer durchschaubaren Situation. Einerseits hat die Bundesregierung mit ihrer Reisewarnung für die beliebte Ferieninsel Mallorca die Urlauber aufgeschreckt. Andererseits hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärt, dass die Warnung kein Reiseverbot ist, man also weiter auf die Baleareninsel reisen darf.

Große Anbieter wie Tui haben zwar umgehend angekündigt, Reisen nach Spanien abzusagen und den Kunden eine Umbuchung zu einem anderen Ziel oder eine Stornierung anzubieten. Doch viele Urlauber wollen davon nichts wissen und verweisen auf die Aussagen des Gesundheitsministers.

„Viele Gäste melden sich bei uns und möchten bleiben. Wenn sie im Hotel oder auf einer Finca auf dem Land sind, sind sie weiter entfernt von Party“, berichtet ein Sprecher von Tuifly. Die Gäste vor Ort hätten durchaus einen guten Blick dafür, wie die Lage ist. Bei Tui hätte man sich deshalb klarere Regeln gewünscht.

„Wir bedauern, dass Deutschland nun eine Reisewarnung für ganz Mallorca ausgesprochen hat statt für die Stadt Palma oder regional betroffene Orte der Insel“, sagte ein Sprecher. Schließlich habe das Robert Koch-Institut (RKI) betont, dass Reiserückkehrer beim Infektionsgeschehen in Deutschland keine bedeutende Rolle spielen würden.

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    „Die Reisewarnung schadet Mallorca und verunsichert die Verbraucher“, kritisiert auch Mark Tantz, Geschäftsführer von DER Touristik Deutschland, am Montag. „Es ist wichtig, dass Urlauber Klarheit über ihre Reisemöglichkeiten haben. Dafür ist es notwendig, dass zwischen differenzierten Reisehinweisen und Reisewarnungen ganz klar unterschieden wird.“

    Doch nun ist das Chaos groß – mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen. Die allgemeine Verunsicherung lässt die Hoffnungen der Reiseveranstalter, trotz der Corona-Pandemie wenigstens mit Buchungen innerhalb von Europa noch etwas Geld in die Kassen zu bekommen, schwinden.

    „Sollte die weltweite Reisewarnung über den 31. August bestehen bleiben und jetzt noch Spanien dazukommen, wird der Umsatzausfall, der zwischen März und August schon 20 Milliarden Euro beträgt, weiter steigen“, warnt Torsten Schäfer, Sprecher des Reiseverbandes DRV.

    Individualreisende sind auf die Kulanz der jeweiligen Anbieter, bei denen sie gebucht haben, angewiesen. Quelle: dpa
    Corona-Testzentrum am Flughafen Stuttgart

    Individualreisende sind auf die Kulanz der jeweiligen Anbieter, bei denen sie gebucht haben, angewiesen.

    (Foto: dpa)

    Die Investoren reagierten am Montag umgehend. Die Papiere von Tui verloren am Vormittag an der Londoner Börse 3,3 Prozent. Der Reisekonzern musste erst vor wenigen Tagen erneut die Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen.

    Nachdem das Unternehmen im April über die staatseigene KfW einen Kredit in Höhe von 1,8 Milliarden Euro erhalten hatte, wurden diese Mittel nun um gut eine Milliarde Euro aufgestockt. Allein das zeigt, in welch prekärer Lage die Reisebranche aufgrund der Corona-Pandemie ist.

    Verhalten der Kunden ist unklar

    Die Bundesregierung hatte am Wochenende ganz Spanien mit Ausnahme der Kanaren zum Risikogebiet erklärt und eine entsprechende Reisewarnung ausgesprochen. Der Grund: Seit dem Ende des dortigen Lockdowns am 21. Juni steigen die Infektionszahlen wieder an.

    Am vergangenen Freitag hatte die spanische Regierung einen Wert von 58 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen angegeben, für die Balearen liegt die Zahl sogar bei 77. Das RKI hat die kritische Grenze bei 50 pro 100.000 Einwohner gesetzt.

    Noch seien die genauen wirtschaftlichen Folgen der Reisewarnung nicht zu beziffern, erklärte Schäfer vom DRV. Dazu sei es zu früh, da nicht absehbar sei, wie die Kunden auf die Reisewarnung reagieren werden. „Einige werden reisen, andere stornieren“, sagt Schäfer: „Hier haben wir noch keine Zahlen für die gesamte Branche.“

    Noch fliegen viele Airlines die Baleareninsel zudem ungeachtet der Reisewarnung an. Man bringe weiterhin Urlauber dorthin, heißt es etwa bei Lufthansa. Auch Condor schickt nach wie vor Jets nach Mallorca.

    Neben Pauschalreisenden ist die Baleareninsel auch für viele Individualreisende attraktiv. Sie können trotz der Reisewarnung nicht einfach auf eine kostenlose Stornierung bestehen. Sie sind auf die Kulanz der jeweiligen Anbieter, bei denen sie gebucht haben, angewiesen. Pauschalreisende haben bei einer Reisewarnung dagegen das Recht, kostenlos zu stornieren.

    Das Problem: Keiner kann sagen, wie lange die Situation in Spanien so angespannt bleiben wird. Die Reisewarnung der Bundesregierung ist nicht befristet. „Deshalb können die Reiseveranstalter nur auf Sicht fahren und die Absagen der Reisen sukzessive verlängern“, sagte Schäfer vom DRV: „Das ist ein herber Schlag für die spanische Tourismuswirtschaft und die deutschen Reiseveranstalter, aber auch die Kunden.“

    Bei Tui ist man deshalb sichtlich frustriert und verweist auf die rund 500.000 Urlauber, für die man seit Juli den Start in die Ferien möglich gemacht habe. „Auch in Zeiten von Corona sind Sicherheit und Entspannung keine Gegensätze. Das haben wir seit dem Neustart erfolgreich bewiesen“, so ein Sprecher.

    Mehr: Bundesregierung kritisiert verschleppte Rückerstattung von Flugtickets.

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    1 Kommentar zu "Corona-Pandemie: Das Mallorca-Problem: Was die Reisewarnung für die Tourismusbranche bedeutet"

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    • Ja, die Reisebranche macht es den Kunden auch nicht leicht. Wir hatten eine Buchung für Oktober (9 Tage). Als erstes kam die Hotelumbuchung. War unsererseits noch akzeptabel. Rund 10 Tage später wurde der Flug von 5.30 Uhr auf 18.45 Uhr verlegt, natürlich ohne Preisnachlass ect. - Ergebnis unsererseits Reise gekündigt. Neues Ziel ausgesucht und gebucht - natürlich nicht Malle.

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