Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Coronavirus - Leeres Einkaufszentrum

21.12.2020, Hessen, Frankfurt/Main: Nahezu menschenleer ist ein Einkaufszentrum in der Frankfurter Innenstadt (MyZeil) wegen des Lockdowns. Die meisten Geschäfte haben geschlossen in dieser normalerweise sehr umsatzträchtigen Woche. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

(Foto: dpa)

Corona-Pandemie Händler kritisieren verlängerten Lockdown – und bekommen Schützenhilfe von ihren Vermietern

Unternehmen fühlen sich zunehmend alleingelassen. Versprochene Hilfen bleiben bisher weitgehend aus – und eine Perspektive für die Wiedereröffnung fehlt.
06.01.2021 - 11:01 Uhr 5 Kommentare

Düsseldorf, München, Hamburg Mit Enttäuschung und Verärgerung haben Händler und Gastronomen auf die Verlängerung des Lockdowns infolge der Corona-Pandemie reagiert. Sie kritisieren, dass die Politik ihnen keine Perspektive für eine Wiederöffnung gibt und dass die versprochenen Hilfen weitgehend auf sich warten lassen. „Eine in den Augen der Politiker kleine oder unbedeutende Branche trägt neben den Schülern die Lasten der Pandemie“, klagt Helmut Hagner, Chef der Unternehmensgruppe Frey im bayerischen Cham. Sein Familienunternehmen in sechster Generation betreibt vier Modegeschäfte und drei Einrichtungshäuser.

Der Unternehmer fühlt sich von den Politikern alleingelassen. „Mit uns redet keiner“, ärgert sich Hagner. Es sei frustrierend, dass weder die Vertreter des Handelsverbands noch die der IHK mit ihren Argumenten Gehör fänden. Damit nicht genug: „Gerade in Bayern bekommt man von Abgeordneten nicht mal mehr eine Antwort auf Anfragen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten sich am Dienstag darauf geeinigt, die Schließung der Gastronomie und eines Großteils des Einzelhandels zunächst bis Ende Januar zu verlängern. Ob danach wieder geöffnet werden darf, entscheidet sich frühestens beim nächsten Treffen am 25. Januar.

„Den Lockdown einfach nur zu verlängern und keinerlei Perspektiven oder Pläne für eine Wiedereröffnung der Geschäfte zu präsentieren ist zu wenig“, klagt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands (HDE). „Die geschlossenen Handelsunternehmen brauchen jetzt klare Aussagen, unter welchen Bedingungen sie wann ihren Betrieb wieder aufnehmen können“, fordert er.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Unterstützung bekommen die Händler und Gastronomen in ihren Forderungen auch von ihren Vermietern. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses, dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, kritisiert, dass im Rahmen der Beratungen keine ausreichenden Konzepte für Wege aus dem Lockdown beschlossen wurden. „Wir können uns nicht immer nur von einem Bund-Länder-Gipfel zum nächsten hangeln, sondern brauchen endlich ein handfestes Konzept“, fordert Mattner. Die Unternehmen könnten mit ihren durchdachten und erprobten Hygienekonzepten ein Stück Normalität bieten, betont er. „Der Lebensmitteleinzelhandel beweist dies jeden Tag.“

    Selbst Abholung ist in drei Ländern verboten

    Verschärft wird die Lage vieler Händler dadurch, dass in einigen Bundesländern sogar das sogenannte Click & Collect verboten ist. Bei diesem Verfahren werden auf der Website des Händlers gekaufte Waren am Geschäft abgeholt, wie beim Take-away in Restaurants. Bayern, Thüringen und Sachsen erlauben das nicht. Baden-Württemberg hat das Verbot an diesem Mittwoch aufgehoben.

    „Teilweise ist es nur noch surreal, wenn alte Menschen bei den Apotheken um die Gratismaske in Schlangen anstehen und wir nicht mal kontaktlos eine Hose oder Bettwäsche übergeben dürfen“, schimpft Modehändler Hagner. „Die Politik ist so weit weg von Unternehmen und deren Problemen.“

    Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbunds, in dem unter anderem 160.000 Händler organisiert sind, fordert deshalb, Click & Collect bundesweit freizugeben. Das Abholen von telefonisch oder online bestellter Ware im Laden sei derzeit die einzige Möglichkeit, Kunden lokal zu versorgen.

    Grafik

    Die lokalen Händler fühlten sich da zu Recht benachteiligt gegenüber den großen Onlineriesen. Das Ungleichgewicht werde durch den Lockdown weiter verstärkt. Zumal die Verpackungsflut weitaus geringer ausfalle, als wenn die Post oder andere Logistiker liefern müssen, erklärt Veltmann.

    Viele stationäre Händler versuchen, den Umsatzausfall durch Onlinehandel zumindest zum Teil zu kompensieren. Die Parfümerie-Kette Douglas beispielsweise fühlt sich durch die Erfahrungen aus den ersten beiden Lockdown-Phasen gut auf die Verlängerung des jetzigen Lockdowns vorbereitet. „Mit unserem starken E-Commerce sind wir im Gegensatz zu vielen anderen Händlern in der Lage, relevante Teile der Nachfrage aus den Filialen über unsere Onlineplattform zu bedienen“, sagte eine Unternehmenssprecherin.

    Gleichwohl sei die Situation auch für die Douglas-Filialen äußerst schwierig, betont sie. „Wie jeder andere betroffene Händler hoffen wir daher, dass die von Bund und Ländern ergriffenen Maßnahmen rasch Wirkung zeigen und wir unsere Filialen zeitnah wieder öffnen können.“

    Viele Modehändler fürchten um die Existenz

    Besonders schwierig ist die Situation im Textilhandel. Während viele Onlinehändler jetzt schon die neue Frühjahrskollektion anbieten, muss der stationäre Handel noch Berge von Altware abverkaufen. „Da ist bei vielen Händlern die Liquidität in Gefahr“, weiß Heinrich Quast, der ein Modekaufhaus im niedersächsischen Harsefeld betreibt. Auch ihm fehlt deshalb eine „positive und Mut machende Perspektive“ aus der Politik, die Maßnahmen seien ein „Stimmungskiller“.

    Daniel Terberger, geschäftsführender Gesellschafter des Modedienstleisters und Einkaufsverbunds Katag, der mehr als 350 mittelständische Modehändler beliefert, findet deshalb harte Worte für die Maßnahmen der Politik: „Es ist für einen Unternehmer irritierend, wenn man nichts tun, nichts beeinflussen kann und zugleich beten muss, dass in Berlin nicht nur der Wille, sondern auch das Verständnis für unsere Not da ist.“ Er könne diese Einschränkungen der Grundrechte nur nachvollziehen, wenn es Entschädigungen gebe.

    Für ein bereits bezahltes Modeteil von 100 Euro könne er heute froh sein, wenn es für 20 Euro gekauft würde, daher brauche man eine Kompensation für die Herbst- und Winterwaren von 70 Prozent, um die Ungleichbehandlung des stationären Handels gegenüber dem reinen Onlinehandel wettzumachen. „Die Einzelhändler brauchen Cash“, insistiert er. Er rechnet damit, dass das Minus im stationären Modehandel für 2020 bei minus 30 Prozent liegt.

    Nach dem ersten Lockdown rechnete er damit, dass ein Fünftel der Unternehmen um ihre Zukunft bangen würden, mit dem zweiten verlängerten Lockdown sieht er eher 30 bis 40 Prozent in seiner Branche gefährdet. Aktuell beobachtet Terberger, wie verzweifelt die Einzelhändler versuchen, ihre Waren über die Plattformen von Zalando und Amazon loszuwerden. „Um jeden Preis“, fügt er an.

    Umfragen zufolge fürchten gar zwei Drittel der Innenstadthändler um ihre Existenz – zumal die versprochenen finanziellen Hilfen nur schleppend anlaufen oder ganz ausbleiben. Die aktuell verfügbaren und angekündigten Überbrückungshilfen seien für den Einzelhandel nicht passend, kritisiert HDE-Geschäftsführer Genth. „Wenn die Politik den Non-Food-Handel schließt, dann muss sie auch die entstehenden wirtschaftlichen Schäden abfedern“, fordert er.

    Beispielhaft zeigt sich das Problem beim Traditionshändler Schäffer in Osnabrück, der sich auf edles Geschirr und Gläser, Küchenutensilien und Spielzeug spezialisiert hat. Tobias Schonebeck, den geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens, ärgert, dass die November- und Dezemberhilfen explizit nicht für den Handel vorgesehen waren, sondern für Gastronomie und andere Branchen. Es gebe zwar die Überbrückungshilfen für den Handel. Die aber würden einen bestimmten Umsatzrückgang voraussetzen, damit überhaupt ein Antrag gestellt werden kann.

    Versprochene Finanzhilfen kommen nicht an

    „Das heißt dann leider, dass Engagement zu wirtschaftlichen Nachteilen führt, wenn man Umsatzschwellen überschreitet“, erklärt Schonebeck. Mit 25 Prozent Umsatzrückgang liege er wirtschaftlich schlechter als mit 30 Prozent, da er dann keine Hilfen erhalte. „Das kann politisch doch nicht gewollt und sinnvoll sein“, klagt der Unternehmer.

    Eine Umsatzsteigerung gehe in dieser Situation häufig mit einer Kostensteigerung einher, da etwa Onlinemarketing verstärkt, die Marge reduziert oder eine kostenintensive regionale Zustelllogistik installiert werde. „Damit verdoppelt sich das Problem, dass mit Engagement und Mehrkosten der Umsatz zulasten des Ertrags gesteigert und dabei die Überbrückungshilfe III gefährdet wird.“

    Zudem sei seine Gastronomie mit Café und Kochschule mit etwa 20 Mitarbeitern Teil des Unternehmens und deswegen als Mischbetrieb von den November-/Dezemberhilfen ausgeschlossen. „Da muss dann das gesamte Handelsunternehmen in einer so schwierigen Zeit mit eigenen Herausforderungen auch noch die Gastronomie mittragen.“

    Doch auch bei reinen Gastronomiebetrieben sieht es zurzeit nicht viel besser aus. Gerade einmal 50.000 Euro Staatshilfe hat beispielswiese die Restaurantkette Alex bislang für 2020 bekommen – und das auch erst in der letzten Woche des Jahres. Dabei macht sie in normalen Jahren gut 110 Millionen Euro Umsatz. „50.000 Euro helfen uns nicht groß. Glücklicherweise haben wir in den vergangenen Jahren sehr gut gewirtschaftet. Doch seit März schmilzt unser Polster stetig zusammen“, sagt Alex-Chef Bernd Riegger dem Handelsblatt.

    Noch immer rechnet der Deutschlandchef des britischen Gastrokonzerns Mitchells & Butlers zumindest für die Schließungen im November und Dezember mit der Höchstförderung von einer Million Euro – doch wann das Geld fließt, ist offen. „Für Gastronomen, die sich jetzt verschulden müssen, können neue Kredite tödlich sein“, warnt er. Schließlich müssten die Gelder auch zurückgezahlt werden.

    Daher rechnet er damit, dass etliche Einzelgastronomen einfach aufgeben und ihre Restaurants und Bars schließen. Schließlich hätten sie gerade die Schließungen im umsatzstärksten Monat Dezember besonders hart getroffen – trotz der angekündigten Staatshilfen von 75 Prozent des Vorjahresumsatzes.

    Auch Modedienstleister Terbeger mahnt schnellere Hilfen an. Nun liege es in der Hand der Politik, sagt er und fragt: „Ist für den Mittelstand noch genug Geld da, nach der Mehrwertsteuersenkung, von der vor allem die Onlinehändler profitierten? Dann ist die Kompensation der entscheidende Faktor unserer Branche.“

    Mehr: Novemberhilfen sollen endlich gezahlt werden – Doch Hürden bleiben

    Startseite
    Mehr zu: Corona-Pandemie - Händler kritisieren verlängerten Lockdown – und bekommen Schützenhilfe von ihren Vermietern
    5 Kommentare zu "Corona-Pandemie: Händler kritisieren verlängerten Lockdown – und bekommen Schützenhilfe von ihren Vermietern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Stationärer Handel und Gastronomie sind aus Sicht der Politik nicht wichtig. Das Problem ist das hier viele einfache Jobs sind für die man nach einem Kahlschlag keinen Ersatz finden wird.
      Vermutlich würde eine Öffnung des Handels und der Gastronomie den Betrieben kaum noch helfen weil die Konsumenten in der Zwischenzeit (1 Jahr) dauerhaft andere Konsumgewohnheiten "erlernt" haben (Kauf bei Amazon, Essen von Hello Fresh...)

    • Es gab zu viele Fehler der Politiker. Vielleicht wäre es besser gewesen die Impfentscheidung hätte jeder privat getroffen - Planwirtschaft funktioniert nie. Leider müssen die schwächsten der Gesellschaft, nämlich die Alten und schwer Vorerkrankten darunter leiden und bezahlen es z.T. mit ihrem Leben.
      Das Fehler in einer Kriese gemacht werden ist normal - schlimm ist nur das aus Fehlern nichts gelern wurde. Interessant ist auch das für den Bund schon vor Jahren Studien unter Beteiligung des RKI erstellt wurden, die den Ablauf einer Pandemie simulieren - nach diesen Studien geht das noch Jahre weiter - man muss sich ja auch nicht impfen lassen ...

    • @Frau Eva Würstle:
      Schon mal Franz Kafka "Das Schloß" gelesen? Da dauert es auch etwas länger bis der Landvermesser messen kann. So ist das halt auch mit dem Impfstoff....
      Hoffentlich bin ich mit diesem Kommentar nicht zu sehr sarkastisch.

    • ...wenn denn ein Impfstoff vorhanden wäre - vielleicht gibt uns Israel was ab:). Ein Skandal weshalb es keinen Untersuchungsausschuss im Europ.Parlament gibt - Demokratiedefizite in der EU sind deutlich erkennbar. Die Ministerpräsidenten verweisen auf die Bundesregierung und die verweist auf die EU und dort im Nirwanah gibt es ja keine Verantwortung. Und dann wundert man sich, wenn die Gegener der EU rasant an Zuwachs erfahren. Merkel und Co. sind die Geburtshelfer und Förderer der AfD.

    • Dabei wäre es doch jetzt so viel einfacher. Risikogruppen sollten sich auf freiwilliger Basis impfen lassen können. Jeder der sich nicht impfen lassen will trägt sein Los selber in der Hand. Eigenverantwortung stärken, der Staat ist nicht für mich verantwortlich und kann das auch nicht lösen. Vor 40 Jahren wäre sicher nicht so ein Theater veranstaltet worden.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%