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Corona-Pandemie Wie Nahrungsergänzungsmittel in Zeiten von Corona boomen

Die Coronakrise steigert die Furcht vor Erkrankung – und die Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln. Davon profitiert der deutsche Mittelstand.
12.04.2020 - 15:54 Uhr Kommentieren
In der Krise greifen die Deutschen vermehrt zu Nahrungsergänzungsmitteln. Quelle: dpa
Pillen und Tabletten

In der Krise greifen die Deutschen vermehrt zu Nahrungsergänzungsmitteln.

(Foto: dpa)

Wuppertal Die Corona-Pandemie bringt reihenweise Unternehmen in Nöte, weil Geschäfte geschlossen sind oder die Produktion gestoppt werden musste. Anders sieht es hingegen bei Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln aus – sie profitieren vom gesteigerten Verbraucherinteresse an gesunder Ernährung, Vitaminpräparaten und Immunvorsorge.

Douglas-Chefin Tina Müller, die Mitte März europaweit 2400 Filialen ihrer Parfümeriekette geschlossen hat und herbe Umsatzverluste verzeichnet, nannte Nahrungsergänzungsmittel im Interview mit dem Handelsblatt als einen Hoffnungswert für ihr Unternehmen: Die Kunden säßen nun „erzwungenermaßen zu Hause“ und hätten „mehr denn je großes Interesse“ an Pflegeprodukten und insbesondere an Nahrungsergänzungsmitteln.

Bayer-Chef Werner Baumann sagte dem Handelsblatt, dass die Nachfrage „bei bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln, die die Gesundheit unterstützen, derzeit drei- bis fünfmal so hoch wie üblich“ sei.

In Deutschland sind es vor allem mittelständische oder familiengeführte Hersteller, die eine Vielzahl solcher Präparate auf den Markt bringen. So hat Frank Spiegel, Gründer und Geschäftsführer der Düsseldorfer Nahrungsergänzungsmarke „Nature Love“, bereits Ende Februar eine zum Teil „kurzzeitig und sprunghaft“ steigende Nachfrage nach seinen Produkten beobachtet.

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    Spiegel, dessen Produkte online im eigenen Shop oder zum Beispiel in Drogerien wie dm und Rossmann vertrieben werden, sagte dem Handelsblatt: „Bei einigen Produkten wie Vitamin C und Zink hat sich die Nachfrage vervierfacht.“ Nun sprechen die Produkte von Nature Love – gentechnikfrei, ohne Aromen, Farb-, Konservierungs- sowie Süßstoffe – ohnehin eine sehr gesundheitsbewusste Klientel an. Doch das Unternehmen, das im Jahr etwa 20 Millionen Euro Umsatz macht, spüre nun quasi jede neue Maßnahme, die die Politik verkündet.

    Kurzfristige Lieferverzögerungen bei Orthomol

    Das Präparat „Orthomol Immun“ des gleichnamigen nordrhein-westfälischen Familienunternehmens war zum Beispiel bereits Mitte März auf einschlägigen Online-Portalen in den USA ausverkauft. Auch in vielen Regalen deutscher Apotheken, in denen die typisch blauen Pappschachteln des Nahrungsergänzungsmittels verkauft werden, lichteten sich die Reihen.

    Details will Orthomol-Chef Nils Glagau, Sohn des Gründers und zuletzt bekannt aus der Investorensendung „Höhle der Löwen“, nicht nennen. Wie bei vielen Mittelständlern will er wohl nicht als Profiteur der Pandemie-Krise dastehen, in der so viele Unternehmen existenziell bedroht sind. Es heißt daher nur: Seit der Gründung von Orthomol, das nach stetigem Wachstum mittlerweile einen dreistelligen Jahresumsatz erzielt und nach wie vor am Stammsitz im rheinischen Langenfeld produziert, habe man in der typischen Erkältungssaison immer wieder Nachfragepeaks beobachtet. So auch in der aktuellen Situation.

    Es habe bei einigen beliebten Produkten kurzfristige Lieferverzögerungen gegeben, „die wir nun nach und nach aufholen“. Grundsätzlich aber „erleben wir als Familienunternehmen gerade einen besonderen Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und ein großes gemeinsames Engagement, mit dem wir der besonderen Situation aktuell begegnen“.

    Auch beim Kölner Familienunternehmen Klosterfrau Healthcare, dessen Heilmittelexpertise zurückreicht bis zur Gründung 1826 durch Klosterfrau Maria Clementine Martin, spürt man den Bedarf. Helmut Fabry, Vorsitzender der Geschäftsführung, bestätigte dem Handelsblatt „eine gestiegene Nachfrage seitens unserer Kunden“ im März: „Dieser Effekt war vollkommen untypisch für die Jahreszeit und kann mit Sicherheit als Folge der Corona-Virus-Epidemie angesehen werden.“

    Die Nachfrage habe einen größeren Teil des Sortiments betroffen. „Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine verzeichneten die höchste Steigerung der Nachfrage, teilweise im dreistelligen Prozentbereich.“

    Fabry stellt allerdings auch klar: „Unserer Meinung nach handelt es sich größtenteils um einen vorübergehenden Effekt, das heißt um vorgezogene Käufe und nicht um ,echte‘ Umsatzzuwächse.“ Der Effekt werde voraussichtlich durch niedrigere Umsätze im Folgequartal ausgeglichen. Bislang habe das Unternehmen, bei dem etwa 1000 Mitarbeiter beschäftigt sind, auch alle Bestellungen bedienen können. Lieferschwierigkeiten seien nicht aufgetreten. „Sie können aber für den weiteren Jahresverlauf für den Fall nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Vorlieferanten bedingt durch die Corona-Virus-Epidemie ihre Produktion einstellen müssen.“

    Der Nutzen mancher Präparate ist umstritten

    Nature-Love-Gründer Spiegel spricht ebenfalls von einer „großen Kehrseite“ des plötzlichen Booms. „Wenn die leergeräumten Lager nicht wieder aufgefüllt werden können, verpufft die erhöhte Nachfrage.“ Die Rohstoffe für seine Produkte würden knapp, teilweise auch Dienstleistungen. „Außerdem gibt es Unsicherheit über die zukünftige Nachfrageentwicklung. Wenn wir große Bestellungen tätigen, aber die Nachfrage in Zukunft schnell wieder abflacht, sitzen wir auf einem großen Lagerbestand, der viel Kapital erfordert und bindet.“

    Ob es nun um Spurenelemente, Vitamine, pflanzliche Heilmittel oder Präparate für orthomolekulare Ernährung geht: Es stört die Kunden offenbar nicht, dass der Nutzen mancher Mittel zumindest umstritten ist. Und so hat das Bundeslandwirtschaftsministerium bereits vor irreführenden Versprechungen gewarnt, dass Nahrungsergänzungsmittel einer Infektion mit dem Coronavirus vorbeugen sollen. „Es gibt kein Nahrungsergänzungsmittel, dass eine Infektion mit dem Virus verhindern kann“, hieß es.

    „Mit dem Gefühl der Ohnmacht mag die Hoffnung, dass etwas hilft, vielleicht einen psychologischen Effekt haben“, meint auch Irmgard Zierden, Expertin für Naturheilverfahren und Ernährung aus Köln. Sie warne ebenfalls vor „Einnahme ohne Sinn und Verstand“, das sei zumindest Geldverschwendung.

    Zink und Vitamin D nennt Zierden wiederum „sinnvoll für eine grundsätzliche Infektionsprofilaxe – und damit auch zur Stärkung des Immunsystems gegen Viren aller Art. Aber bei Dosierung und Zusammensetzung sollte man sich auf jeden Fall beraten lassen.“
    Mehr: Mit welchen Konsequenten Verbraucherschützer unseriösen Geschäftemachern mit Gesundheitsprodukten in Zeiten der Coronakrise drohen.

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