Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Corona Wie das Virus unsere Mobilität beeinträchtigt

Airlines, Flughäfen und Bahnbetreiber leiden unter dem Coronavirus. Passagiere bleiben weg, das Personal will vor Infektionen geschützt werden.
29.02.2020 - 08:05 Uhr Kommentieren
In Krisenregionen werden Züge regelmäßig desinfiziert. Quelle: dpa
Warnung in öffentlichen Verkehrsmitteln

In Krisenregionen werden Züge regelmäßig desinfiziert.

(Foto: dpa)

Frankfurt Noch dominiert in den Zügen in Deutschland überwiegend Gelassenheit. Wer plötzlich mal husten muss, erntet vielleicht böse Blicke. Auch gibt es auf Twitter Berichte über einzelne Fahrgäste, die hustende oder schniefende Mitfahrer verbal auf verletzende Art und Weise attackieren. Doch bislang ist so etwas die Ausnahme. Der Verkehr in den Bahnen und Bussen im Fern- und im Nahverkehr laufe wie gewohnt, heißt es bei den Anbietern und den jeweiligen Verbänden. Auch eine sinkende Nachfrage spüre man bisher nicht, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Letzteres könnte sich allerdings bald ändern. Immer mehr Firmen ordnen wegen der raschen Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit Covid-19 – auch als Coronavirus bekannt – einen vorläufigen Verzicht von Geschäftsreisen an. Der Ausfall großer Messen bedeutet zusätzliche Nachfragedellen.

Treffen dürfte das in erster Linie die Fluggesellschaften und die Deutsche Bahn. Die Airlines leiden schon jetzt unter den seit Wochen gestrichenen Verbindungen auf das chinesische Festland. Allein die Lufthansa hat deswegen die Kapazität von umgerechnet bis zu 23 Langstrecken-Flugzeugen aus dem Markt genommen. Nun werden die Airlines wohl auch noch die Zurückhaltung der Geschäftskunden zu spüren bekommen. Dabei sind gerade diese Vielflieger besonders wichtig für die Fluggesellschaften, denn sie buchen häufig höherwertige Tickets.

Offizielle Zahlen über die Nachfrageentwicklung gibt es vonseiten der Fluggesellschaften bisher kaum. Allerdings gibt es Indikatoren. Die Lufthansa etwa kündigte am Freitagabend an, die Kapazität auf den Kurzstrecken um bis zu 25 Prozent abzusenken und Kurzarbeit zu prüfen. Viele Kurzstrecken sind klassische Geschäftsverbindungen. Die zur Lufthansa-Gruppe gehörende belgische Brussels Airlines wiederum will die Zahl ihrer Flüge nach Italien reduzieren. In den kommenden zwei Wochen werden demnach rund 30 Prozent der Verbindungen nach Mailand Linate, Mailand Malpensa, Rom, Venedig und Bologna entfallen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Als Grund nannte die Airline eine stark gesunkene Nachfrage nach Flügen auf diesen Strecken. Norditalien ist in Europa die Region mit den meisten Infizierten und Opfern. Norditalien ist aber auch das Wirtschaftszentrum des Landes. Es liegt also nahe, dass vor allem Geschäftsreisende auf Flugreisen dorthin verzichten.

    Fast noch wichtiger ist aber der zweite Teil der Begründung für die Maßnahme. So ist die Rede von stark rückläufigen Buchungen zu fast allen europäischen Zielen infolge des Coronavirus-Ausbruchs.

    Flughäfen erwarten weniger Passagiere

    Ähnliches ist vom britischen Billig-Anbieter Easyjet zu hören. Der kündigte am Freitagvormittag Sparmaßnahmen an und verweist auf die Nachfrageschwäche in Richtung Italien – fügt aber hinzu: „Auch in anderen europäischen Märkten stellt die Airline eine abgeschwächte Nachfrage fest.“

    Die Sparpläne und Flugstreichungen der Airlines haben wiederum Auswirkungen auf die Flughäfen. So berichtet der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport von einer massiv eingebrochenen Nachfrage sowohl auf Passagier- als auch auf Frachtseite auf den Strecken von und nach Asien. Das Unternehmen hat deshalb seinerseits einen Sparkurs gestartet.

    Auch bei der Bahn dürfte sich das Virus früher oder später in der Nachfrage bemerkbar machen. Bei allen operativen Problemen des Unternehmens – auf vielen innerdeutschen Strecken ist die Schiene für Geschäftsreisende längst zu einer Alternative zum Flugzeug geworden.

    Wie schnell Corona den Zugbetrieb massiv beeinträchtigen kann, musste der Bahn-Rivale Vlexx Mitte der Woche erfahren. Ein Fahrgast, der zuvor in Italien war und sich vor der Reise beim Arzt grünes Licht für die Zugfahrt geholt hatte, fühlte sich plötzlich schlecht und alarmierte das Zugpersonal. Der Zug wurde für zwei Stunden in Idar-Oberstein unter Quarantäne gestellt. Alle Fahrgäste mussten ihre Daten hinterlegen – für mögliche spätere Untersuchungen. Mittlerweile ist klar, dass der Erkrankte kein Corona hat.

    Pandemiepläne werden aktiviert

    Angesichts der steigenden Zahl von Infizierten in Deutschland holen nun alle Verkehrsträger ihre Pläne für den Pandemiefall aus den Schubladen, was weitere Einschränkungen für die Flug- und Fahrgäste haben kann. Bei der Deutschen Bahn etwa wird bei einem entsprechenden Verdacht der betroffene Bereich gesperrt und nach der Fahrt intensiv gereinigt und desinfiziert.

    Das Zugpersonal verteilt dann die sogenannten Aussteigebögen, in die die Fahrgäste ihre Kontaktdaten eintragen müssen. Das Gute: Fahrgäste können ihre Fahrkarten in besonders betroffene Regionen kostenfrei erstatten lassen. Das gilt auch für Fahrten zu Veranstaltungen, die wegen Corona abgesagt werden.

    Umfassende Vorsorgemaßnahmen gibt es auch für den öffentlichen Nahverkehr, der täglich Millionen Fahrgäste befördert. Analog zur Bahn berichten die Betreiber und der Verband VDV bisher von einem normalen Verkehr. Aber auch hier dürfte sich das Aufkommen in den kommenden Tagen und Wochen reduzieren. Denn Mitarbeiter, die Homeoffice machen, müssen nicht pendeln. Wirtschaftlich dürften die Folgen indessen eher überschaubar bleiben, denn die meisten Pendlerkarten werden auf Monats- oder gar Jahresbasis bezahlt.

    Dennoch kann es sein, dass sich die Fahrgäste auch im Nahverkehr auf Einschränkungen einstellen müssen. In den Pandemieplänen für die Nahverkehrsbetreiber stehen Maßnahmen drin wie etwa die Absperrung eines größeren Bereichs hinter der Fahrerkabine. So soll die Ansteckungsgefahr für die Mitarbeiter reduziert werden.

    Auch kann es bei einer weiteren Ausbreitung des Virus sein, dass Fahrgäste nur noch über die hinteren Türen in die Straßenbahn oder in den Bus ein- und aussteigen dürfen. Auch das ist ein Schutz des Fahrers, damit der Betrieb aufrechterhalten werden kann.

    Im Luftverkehr wiederum greifen festgelegte Abläufe, sollte sich ein Verdachtsfall an Bord ergeben. Die Crew meldet diesen den zuständigen Behörden. Das Flugzeug wird gegebenenfalls zu einem ausgewählten Flughafen umgeleitet, an dem die erforderlichen medizinischen Kapazitäten bereitstehen. Das sind in Deutschland die Flughäfen Berlin Brandenburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und München.

    Auf das breit angelegte Fiebermessen bei ankommenden und abreisenden Passagieren wird dagegen verzichtet – auch weil die Körpertemperatur angesichts einer Inkubationszeit von mindestens zwei Wochen kaum aussagefähig ist. Auch bei normalen Werten kann ein Mensch das Virus bereits in sich tragen. Dagegen werden die Mitreisenden bei einem Verdachtsfall gebeten, analog zur Bahn Aussteigebögen auszufüllen. Reisende aus den besonders stark von Corona betroffenen Regionen müssen die Bögen generell ausfüllen, auch wenn es keinen Verdacht an Bord gibt.

    Mehr: Die Ausbreitung des Coronavirus lässt die Aktienkurse sinken. Eine überfällige Korrektur oder der Beginn eines Bärenmarkts?

    Startseite
    Mehr zu: Corona - Wie das Virus unsere Mobilität beeinträchtigt
    0 Kommentare zu "Corona: Wie das Virus unsere Mobilität beeinträchtigt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%