Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Coronakrise Bittere Zeiten für Lufthanseaten: Aus von Germanwings dürfte erst der Anfang sein

Für die Mitarbeiter der Lufthansa ist die aktuelle Restrukturierung eine schlechte Nachricht. Denn auch jenseits der großen deutschen Airline werden die Jobs in der Branche rar.
08.04.2020 - 15:04 Uhr Kommentieren
Für das fliegende Personal in der Lufthansa-Gruppe brechen wegen der Coronakrise schwierige Zeiten an. Quelle: dpa
Lufthansa-Stewardess

Für das fliegende Personal in der Lufthansa-Gruppe brechen wegen der Coronakrise schwierige Zeiten an.

(Foto: dpa)

Frankfurt Europas größte Fluggesellschaft prescht vor: Als erste der großen Airlines hat Lufthansa am Dienstagabend eine umfassende Restrukturierung bekanntgegeben.

Über 40 der rund 760 Flugzeuge werden in der Gruppe aus der Flotte genommen, der Ableger Germanwings wird komplett eingestellt. „Das heißt, dass die Sitz-Kapazität 20 Prozent kleiner sein wird“, rechnet Bernstein-Analyst Daniel Röska vor. Lufthansa stelle seine führende Position beim Krisenmanagement einmal mehr unter Beweis, lobt der Experte das Management.

Was Investoren und Anleger erfreut, ist für die rund 140.000 Mitarbeiter des Unternehmens indes eine bittere Nachricht. 90.000 Lufthanseaten sind bereits in Kurzarbeit. Viele dürften sich nun die Frage stellen, wie es um die eigene Jobsicherheit nach dem Ende der Coronakrise bestellt ist.

Zumal eines klar ist: Das Management dürfte bald weitere Maßnahmen verkünden. Die Lufthansa-Spitze hat in der Mitteilung am Dienstagabend sehr deutlich von einem „ersten Restrukturierungspaket“ gesprochen, das nun beschlossen worden sei.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Entsprechend alarmiert sind die Gewerkschaften. „Das Management hat offenbar die aktuelle Lage genutzt, die Umstrukturierung des Konzerns auf dem Rücken der Mitarbeiter voranzutreiben. Diese Vorgehensweise verunsichert nun Tausende Mitarbeiter bei Germanwings und der gesamten Lufthansa-Gruppe“, erklärt Markus Wahl, der Präsident der Vereinigung Cockpit.

    Ufo bietet Gespräche an

    Die Gewerkschaft erwarte vom Management, die eigenen Ankündigungen ernst zu nehmen und allen Mitarbeitern eine Zukunft im Unternehmen zu ermöglichen. Auch bei der Kabinen-Gewerkschaft Ufo will man nun versuchen, das Beste für die Mitarbeiter herauszuholen. Den Flugbetrieb von Germanwings werde man wohl nicht retten können, nun gehe es darum, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Die Ufo stehe für entsprechende Gespräche zur Verfügung.

    Doch die dürften nicht einfach werden. Denn die gesamte Branche steht vor einem gewaltigen Umbruch. Viele Fluggesellschaften dürften in den nächsten Wochen und Monaten dem Beispiel von Lufthansa folgen und ihre Kapazitäten massiv zusammenstreichen. Die Airline-Manager stellen sich auf eine längere Durststrecke ein.

    Bei der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines etwa geht man davon aus, dass selbst im kommenden Jahr die Nachfrage noch schwach sein wird. Das „Vor-Corona-Niveau“ werde wohl frühestens 2023 wieder erreicht, heißt es.

    Eine Einschätzung, die Branchenexperten wie Gerald Wissel vom Beratungsunternehmen Airborne Consulting teilen. Er glaubt, dass Covid-19 der Beginn einer neuen Abschwungphase in der Luftfahrt sein könnte. In den vergangenen 40 Jahren sei ein Zehn-Jahres-Zyklus bei der Profitabilität bei den Fluggesellschaften zu beobachten gewesen.

    Über etwa vier bis fünf Jahre steige die Ertragskraft, danach sinke sie wieder. „2020 wird mit einer negativen Profitabilität für die Fluggesellschaften gerechnet, die aller Wahrscheinlichkeit nach noch geringer sein wird als nach den Terroranschlägen im September 2001“, sagt der Experte. „Damit beginnt 2020 der nächste Zehn-Jahres Zyklus, der erst nach zwei bis drei Jahren zu einer positiven Profitabilität führen dürfte – mit dem Höhepunkt dann etwa im Jahr 2025.“

    Jobwechsel in der Luftfahrt kaum noch möglich

    Das bedeutet: Jobs in der Luftfahrt werden mindestens für drei Jahre rar werden, wenn nicht sogar noch länger. Das erschwert den Wechsel zu anderen Unternehmen. Wer immer die Chance hat, seine Arbeitsstelle zu behalten, dürfte sie nutzen und zu Kompromissen bereit sein.

    Für die Gewerkschaften ist das eine äußerst schwierige Situation. Denn sie müssen in den Gesprächen mehr denn je die Balance finden zwischen jenen, die einen – zum Teil gut bezahlten – Job haben und diesen verteidigen wollen, und jenen, die ihre Ausbildung etwa zum Piloten gerade erst begonnen haben.

    Gerade bei den Spartengewerkschaften ist in der Vergangenheit schon häufiger intern die Debatte entbrannt, ob man sich eher als Bewahrer von Besitzständen versteht oder die Interessen aller, also auch der „Neulinge“, vertritt.

    Hinzu kommt: Die Mittel, die eigenen Ziele durchzusetzen, sind zumindest vorerst begrenzt. Denn ein Streikaufruf würde angesichts weitgehend stillgelegter Flotten verpuffen.

    Allerdings steht auch das Lufthansa-Management vor Herausforderungen. Denn einfach durchzumarschieren und die eigenen Pläne für den Umbau des Konzerns durchzudrücken wird nicht funktionieren. Man braucht die Mitarbeiter, gerade wenn es darum geht, den Flugverkehr sukzessive wieder hochzufahren.

    Konzernchef Carsten Spohr hat in der Vergangenheit wieder und wieder betont, wie wichtig die Mitarbeiter für die „Corporate Identity“ von Lufthansa sind. Die entscheidende Frage ist also, inwieweit es allen Beteiligten bei Lufthansa nun gelingt, alte Fehden zu vergessen, das eine oder andere Partikularinteresse beiseitezulegen und Lufthansa für den Neustart fit zu machen. Zumindest die Chancen dafür waren niemals so groß wie in der aktuellen Coronakrise.

    Mehr: Lufthansa schrumpft die eigene Flotte.

    Startseite
    Mehr zu: Coronakrise - Bittere Zeiten für Lufthanseaten: Aus von Germanwings dürfte erst der Anfang sein
    0 Kommentare zu "Coronakrise: Bittere Zeiten für Lufthanseaten: Aus von Germanwings dürfte erst der Anfang sein"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%