Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Coronakrise Homeoffice-Boom treibt Kunden in Elektromärkte: „Wer es sich leisten kann, kauft herzhaft ein“

Konsumenten geben mehr Geld für Technik aus. Die Marktforscher der GfK rechnen mit einem guten Geschäft bis Dezember. Doch dann ist erstmal Schluss.
13.07.2020 - 10:01 Uhr Kommentieren
Mit Wiedereröffnung der Geschäfte schnellten die Umsätze der Branche im Mai und Juni nach oben. Quelle: dpa
Schlangen vor einer Saturn-Filiale

Mit Wiedereröffnung der Geschäfte schnellten die Umsätze der Branche im Mai und Juni nach oben.

(Foto: dpa)

Stuttgart, München Deutschland spart. An Reisen, an Restaurantbesuchen, an Mode. Aber nicht an modernster Technik. „Wenn die Konsumenten nur einen kleinen Teil des Budgets umschichten, hat das schon einen enormen Effekt“, sagt Norbert Herzog vom Marktforscher GfK in Nürnberg. Gefriertruhen und Kühlschränke, vor allem aber Computer, Webcams und Drucker seien in der Coronakrise gefragt.

So ist der Umsatz mit sogenannten technischen Gebrauchsgütern hierzulande zwischen Januar und Ende Mai um vier Prozent gestiegen. Die GfK versteht darunter das gesamte Sortiment eines Elektromarktes – vom Smartphone bis zur Mikrowelle. Das Plus ist bemerkenswert. Denn der Zeitraum umfasst jene Phase, in der die Unsicherheit wegen der Coronakrise am größten war.

Die Branche profitierte der GfK zufolge im Frühjahr zunächst massiv davon, dass sich die Leute aus der Not heraus ihr Homeoffice eingerichtet haben. Ein Trend, der anhält: Obwohl viele Arbeitnehmer inzwischen zumindest tageweise wieder in ihre Firmen zurückkehren, seien Notebooks und Büroequipment nach wie vor gefragt, sagt Marktforscher Herzog.

Damit aber nicht genug: Im März und April hätten sich viele Konsumenten mit größeren Anschaffungen noch zurückgehalten. Als die Geschäfte aber wieder öffnen durften, hätten sie bei Hausgeräten und Fernsehern sowie bei Spiele-Computern und Konsolen umso häufiger zugegriffen – zumindest all jene, die ihren Job behalten haben. „Wir sehen eine stärkere Polarisierung der Gesellschaft: Wer es sich leisten kann, der kauft herzhaft ein“, sagt Herzog.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die GfK wertet die Daten von 400.000 Läden aus der ganzen Welt aus, nur Nordamerika erfassen die Franken nicht. Dabei zeigt sich: PCs und Notebooks sowie Büroequipment sind wegen der Coronakrise auch in Asien oder Lateinamerika sehr gefragt.

    Andere Wünsche müssen hingegen vielfach hintenanstehen. Und nicht überall haben die Konsumenten so viel Geld wie in Deutschland: „Ob die Menschen kaufen oder nicht, hängt stark davon ab, wie die Wirtschaft und der Sozialstaat beim Eintritt in die Krise dastanden“, so Herzog.

    Grafik

    Die Daten der GfK decken sich mit den Zahlen des deutschen Elektrohändlerverbunds Euronics. Im April seien die Umsätze in den Läden stabil geblieben, heißt es bei der Einkaufsgenossenschaft.

    „Mit Wiedereröffnung der Geschäfte schnellten die Umsätze im Mai um 19,6 und im Juni um 23 Prozent nach oben“, sagt Benedict Kober, Sprecher des Vorstands der Euronics Deutschland eG. Im Onlinehandel kletterten demnach die Einnahmen sogar um 150 bis 300 Prozent.

    2021 könnte ein schwieriges Jahr werden

    Die Aussichten seien gut: „Das zweite Halbjahr wird erfolgreich werden“, zeigt sich Kober optimistisch. Eine konkrete Prognose, wie sich der Außenumsatz von zuletzt 3,4 Milliarden Euro im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende September) entwickeln wird, wollte er allerdings nicht wagen. Kober rechnet jedenfalls damit, dass seine Branche gut durch die Krise kommt.

    Der Grund dafür: „Durch Corona wird sich der Trend zum ‚Social Cocooning‘ verstärken. In das eigene Zuhause wird von den Kunden in Krisensituationen investiert“, sagt der Manager. Das befeuere die Nachfrage nach Unterhaltungselektronik, PCs und auch Haushaltsgeräten. „Homeoffice und Homeschooling werden nicht wieder zurückgehen“, glaubt Kober.

    Die Nachfrage nach Druckern und Webcams sei extrem stark gestiegen. Zudem stehen auch üblicherweise eher wenig beachtete Kategorien auf den Einkaufslisten wie zum Beispiel Fieberthermometer oder Haar- und Bartschneider.

    Als die Läden in Deutschland geschlossen waren, seien die Online-Umsätze der stationären Händler dreistellig gewachsen, hat die GfK ermittelt. Damit seien die Ladenbesitzer und Ketten vor Ort im Netz dynamischer unterwegs gewesen als reine Internethändler.

    Die GfK führt das einerseits darauf zurück, dass viele Kunden ihren Anbietern auch in der Krise treu bleiben wollten. Andererseits hätten viele Filialen Internet-Bestellungen lokal ausliefern können, als Onlineshops mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen hatten.

    Die GfK rechnet damit, dass sich das Geschäft mit IT fürs Homeoffice in Deutschland auf dem hohen Niveau stabilisiert. Und auch für alle anderen technischen Gebrauchsgüter erwarten die Marktforscher 2020 trotz Wirtschaftskrise zumindest Umsätze auf dem Niveau des Vorjahrs.

    2021 könnte dann aber ein schwieriges Jahr werden. Weil dann die Mehrwertsteuer wieder auf das alte Niveau steige, würden die Kunden vermutlich in der Adventszeit in großem Stil einkaufen. „Da wird es noch einmal einen kräftigen Schub geben“, glaubt GfK-Manager Herzog. Der Januar dürfte dann eher ruhig werden in den Läden.

    Mehr: Kauflaune der Verbraucher kehrt nur langsam zurück

    Startseite
    Mehr zu: Coronakrise - Homeoffice-Boom treibt Kunden in Elektromärkte: „Wer es sich leisten kann, kauft herzhaft ein“
    0 Kommentare zu "Coronakrise: Homeoffice-Boom treibt Kunden in Elektromärkte: „Wer es sich leisten kann, kauft herzhaft ein“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%