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Coronakrise Lufthansa-Vorstand zeigt sich offener für Staatshilfe als bisher

Das Hilfsangebot soll aus einer Beteiligung mit und ohne Stimmrechte bestehen. In einem Brief des Managements heißt es, man rechne mit einem baldigen Abschluss der Verhandlungen.
03.05.2020 Update: 03.05.2020 - 17:49 Uhr 2 Kommentare
Corona: Lufthansa-Vorstand Spohr zeigt sich offener für Staatshilfe als bisher Quelle: Reuters
Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Der Dax-Konzern erwägt, Staatshilfe in Anspruch zu nehmen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Es dürfte so kommen wie erwartet: Sollte der Staat der wegen der Coronakrise angeschlagenen Lufthansa helfen, wird es ohne Mitspracherechte wohl nicht gehen. Wie aus verhandlungsnahen Kreisen am Wochenende zu hören war, besteht das Hilfsangebot der Bundesregierung aus einer Mischung aus stiller Beteiligung ohne Stimmrechte, einer Beteiligung mit Stimmrechten und Krediten der staatlichen Förderbank KfW.

Das sei der aktuelle Stand, heißt es im Umfeld der Verhandlungen. Als Erstes hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über das Paket berichtet.

In einem Brief des Lufthansa-Vorstands vom Sonntag an die Mitarbeiter heißt es, man rechne mit „einem baldigen Abschluss“ der Verhandlungen über die Staatshilfe. Der Brief liegt dem Handelsblatt vor. „Die Unterstützung durch den deutschen Staat wäre für uns ein entscheidender Schritt für unsere Zukunftsfähigkeit“, heißt es darin.

Damit scheint sich die Haltung des Managements um Lufthansa-Chef Carsten Spohr klarer für eine Staatshilfe zu positionieren, auch wenn weiter alternative Lösungen geprüft werden, wie etwa der Antrag auf ein Schutzschirmverfahren. Dieses bietet einen befristeten Schutz vor Gläubigeransprüchen und die Chance, Verträge etwa mit Arbeitnehmervertretern, aber auch Lieferanten wie Airbus und Boeing neu zu verhandeln.

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    Am Dienstag findet die Hauptversammlung von Lufthansa statt. Traditionell kommt vorher der Aufsichtsrat zusammen. Dort dürften die Staatshilfen ein großes Thema sein.

    Lufthansa verfügte zuletzt zwar noch über Liquiditätsreserven von über vier Milliarden Euro. Da das Unternehmen den Flugverkehr aber so gut wie eingestellt hat, gleichzeitig aber viele Kosten weiterlaufen und Verbindlichkeiten bedient werden wollen, schwindet die Reserve rasant. Alleine im nur noch rudimentär vorhandenen operativen Geschäft verliert das Unternehmen pro Stunde eine Million Euro an Finanzmitteln.

    Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ deutlich gemacht, dass man einen Konzern nur sehr schwer steuern könne, wenn mehrere Regierungen Einfluss aufs operative Geschäft nehmen wollten.

    Gespräche mit Schweiz weit fortgeschritten

    Wie kompliziert ein Rettungspaket angesichts der komplexen Struktur des Unternehmens ist, zeigte sich in den zurückliegenden Tagen. Die Lufthansa-Gruppe hat Flugbetriebe in Deutschland, der Schweiz, in Österreich und in Belgien. Überall wird mit den Regierungen über Hilfen verhandelt, überall werden teils harte Bedingungen gestellt.

    Am weitesten sind die Gespräche in der Schweiz. Dort sollen die Tochter Swiss und die Schwestergesellschaft Edelweiss umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro Hilfe in Form von Krediten bekommen, für die zum Teil der Staat bürgt. Eine Beteiligung an den beiden Airlines oder auch der Muttergesellschaft Lufthansa ist dort bislang nicht vorgesehen.

    Bedingung ist allerdings, dass das Geld nicht ins Ausland, also etwa nach Deutschland fließt. Es muss letztlich der schweizerischen Luftfahrtinfrastruktur dienen, so ist es festgelegt.

    Ganz anders dagegen ist die Situation in Österreich und Belgien. In Wien hatte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz vor wenigen Tagen staatliche Hilfen für den Lufthansa-Ableger Austrian Airlines (AUA) ohne Gegenleistung mit deutlichen Worten ausgeschlossen.

    „Eine Hilfe ohne Vorteile für den Standort Österreich, ohne eine Beteiligung an der Lufthansa, einfach nur so, die wird es nicht geben“, sagte Kurz gegenüber österreichischen Medien nach einem Gespräch unter anderem mit Lufthansa-Chef Spohr. Kurz zuvor hatte das Management der AUA offiziell einen Antrag über Staatshilfen in Höhe von 767 Millionen Euro eingereicht.

    Auch in Belgien ist eine Beteiligung an der Lufthansa als Forderung im Gegenzug für Finanzhilfen im Gespräch, berichten dortige Medien. Lufthansa fliegt in dem Land mit der Airline Brussels. Der Ableger soll angeblich 290 Millionen Euro als Liquiditätshilfe bekommen. Mindestbedingung sei ein konkreter Wachstumsplan für Brussels, heißt es in mehreren Berichten.

    „Bei einer Teilverstaatlichung der Lufthansa könnte es teurer werden zu fliegen“

    Gemeint seien damit Langstreckenziele, die fest zugesagt werden müssten, ebenso Investitionen. Um das zu kontrollieren, soll eine Art Vetorecht des Staates gefordert worden sein, etwa über eine Beteiligung des belgischen Staates direkt an Lufthansa.

    Wachsende Sorge

    Für das Management der „Hansa“ ist das schere Kost. Zwar schickte die Lufthansa-Spitze am vergangenen Freitag unterstützt von den beiden Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (Piloten) und Verdi eine Art Dankesnote an die Bundesregierung für die grundsätzliche Bereitschaft, ein Rettungspaket zu schnüren.

    In dem Schreiben wird auch nicht dezidiert auf die Nachteile eines direkten Staatseinstiegs abgehoben. Schließlich sind es nicht zuletzt viele der Arbeitnehmervertreter, die Sympathie für einen solchen Schritt haben, in der Hoffnung, dass dann viele Jobs erhalten bleiben werden.

    Doch in dem Brief kommt die wachsende Sorge aller Unterzeichner zum Ausdruck, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns durch zu harte Bedingungen für Staatshilfen leiden könnte. „Über die akute Sicherung der Solvenz der Deutschen Lufthansa und ihrer Tochtergesellschaften hinaus, hat für uns die Zukunftsfähigkeit der Lufthansa Group für die Zeit nach der Krise allerhöchste Priorität“, heißt es.

    Und weiter: Sowohl die Wettbewerbs- als auch die Investitionsfähigkeit der Lufthansa müssten erhalten bleiben. So könne das gemeinsame Ziel von Arbeitgeber und Gewerkschaften erreicht werden: Nachhaltiger Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen in den Unternehmen der Lufthansa Group.

    Für das Management um CEO Spohr gibt es wohl zwei Punkte in dem Rettungsangebot, mit denen es hadert. Nach Informationen aus verhandlungsnahen Kreisen soll das Rettungspaket neben einem Bürgschaftskredit von bis zu 3,5 Milliarden Euro zum einen aus einer stillen Beteiligung mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro  bestehen.

    Die damit verbundene Bedingung einer garantierten Dividende von neun Prozent ist nicht ohne. Der Konzern erzielte im vergangenen Geschäftsjahr ein Ergebnis auf das eingesetzte Kapital (ROCE) von 6,6 Prozent. Im margenschwachen Luftfahrtgeschäft dürfte die geforderte Rendite schwer zu erwirtschaften sein, vor allem wenn man viel Geld in die Erneuerung der Flotte stecken muss.

    Zugeständnisse sind schwer einzuhalten

    Zum anderen soll der direkte Einstieg des Staates mit einer Sperrminorität von 25,1 Prozent vorgesehen sein – Volumen rund eine Milliarde Euro. Damit verbunden wäre wohl die Besetzung von zwei Aufsichtsratsposten des Posten.

    Mit dieser Form der Mitsprache der Politik  über den Aufsichtsrat  tut sich das Management der „Hansa“ aber äußerst schwer. Man fürchtet um die unternehmerische Entscheidungsfreiheit etwa bei der Strategie aber auch beim Flugangebot der Gruppe.

    Ähnlich wie in Belgien oder in Österreich dürften dann auch in Deutschland Forderungen nach mehr Verbindungen laut werden, etwa um bestimmte Metropolen wie Berlin attraktiver zu machen – völlig unabhängig davon, ob die Nachfrage auch vorhanden ist.

    Gerade in der Coronakrise sind solche Zusagen aber schwer einzuhalten. Experten gehen davon aus, dass der Luftverkehr über mehrere Jahre erst mal schrumpfen wird.

    Wohl auch deshalb werden im Unternehmen weiterhin andere Möglichkeiten für eine Lösung des Liquiditätsproblems gesucht. Im Mittelpunkt steht dabei das Schutzschirmverfahren, eine Sonderform des Insolvenzverfahrens, allerdings mit dem klaren Ziel, das Unternehmen weiterzuführen.

    Für viele ist das allerdings eine Horrorvorstellung – vor allem für die Mitarbeiter. So könnten zum Beispiel Pensionsansprüche ausgelagert werden und Tarifverträge neu verhandelt werden. Zwar bietet so ein Verfahren auch die Möglichkeit, über neue Verträge eine Art Beschäftigungspakt zu schließen und möglichst viele Lufthanseaten an Bord zu halten.

    Doch einige Gewerkschaftsvertreter sehen einen Schutzschirm als große Gefahr an. So hat die Pilotenvertretung VC am Donnerstag vergangener Woche spontan angeboten, bis Juni 2022 auf einen großen Teil ihres Gehaltes zu verzichten.

    Danach wollen die gut 5000 aktiven Piloten der Gruppe bis zu 45 Prozent ihres Lohnes  hergeben. Rund 350 Millionen Euro sollen so zusammenkommen. Bedingung: der Verzicht auf ein Schutzschirmverfahren.

    Wie eine Lösung der wohl schwersten Krise von Lufthansa am Ende aussehen wird, ist offen. Einfach wird es nicht werden für das Management. Eine Frage ist zum Beispiel, ob das Unternehmen ein Hilfsangebot wie das der deutschen Regierung ausschlagen kann, ohne massive Aktionärsklagen zu riskieren.

    Mehr: Diese staatlichen Hilfen erhalten ausländische Airlines.

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    2 Kommentare zu "Coronakrise : Lufthansa-Vorstand zeigt sich offener für Staatshilfe als bisher"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • auch für die Lufthansa gilt - beiße nicht die Hand die dich füttert (Allgemeinheit). Es gibt viele seltsame Dinge die nicht zu Hilfen der Allgemeinheit passen wie Steuerverschiebung auf Steueroasen, ideologische Vorbehalte wie "lieber lasse ich die Firma pleite gehen als Staatsgeld zu nehmen"... vielleicht ist Staatsgeld nur mit einem Managementwechsel sinnvoll
      PS: wir warten immer noch darauf das die arme Lufthansa uns 1.000 EUR für einen gestrichenen Flug zahlen mag.

    • Ein Schutzschirmverfahren hat den klaren Vorzug, das so dass Unternehmen auch betriebswirtschaftlich auf gesunde Beine gestellt werden kann. - Eine Beteiligung des Staates führt zu zuviel politischen Einfluss und meist auch zu unwirtschaftlichen Entscheidungen.

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