Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Coronakrise Media-Saturn-Mutter Ceconomy plant deutlichen Stellenabbau

Media Markt und Saturn sollen künftig straffer geführt werden. So will der Konzern jedes Jahr 180 Millionen Euro sparen. Der Umbau aber ist teuer.
05.08.2020 Update: 05.08.2020 - 15:46 Uhr Kommentieren
Viele Märkte von Media Markt setzen in der Coronakrise ein besonderes Sicherheitskonzept um. Quelle: Reuters
Media Markt in Coronazeiten

Viele Märkte von Media Markt setzen in der Coronakrise ein besonderes Sicherheitskonzept um.

(Foto: Reuters)

München Europas größter Elektronikhändler plant einen massiven Stellenabbau. Es könnten bald bis zu 3.500 Jobs wegfallen, teilte Ceconomy am Mittwoch mit. Die endgültige Entscheidung darüber will die börsennotierte Muttergesellschaft von Media Markt und Saturn nächste Woche fällen.

Es seien vor allem Arbeitsplätze im europäischen Ausland betroffen, heißt es in der Mitteilung. Denn die Landesgesellschaften werden an Macht verlieren, wenn Vorstandschef Berhard Düttmann seine Pläne umsetzt. Er wolle den Konzern zentralisieren und „standardisierte, effiziente Prozesse und Abläufe für die Verwaltungsfunktionen“ in den einzelnen Ländern einführen.

Auch die Marktleiter vor Ort sollen künftig nicht mehr so eigenständig wie bisher agieren. Stattdessen will sie Düttmann einer zentralen Führung unterstellen. So sollen die Leute von Verwaltungsaufgaben entlastet werden und sich stärker auf die Kunden konzentrieren können.

Damit nicht genug: Dittmann schrumpft auch das Filialnetz des Unternehmens mit seinen rund 55.000 Beschäftigten. „Angesichts rückläufiger Kundenfrequenzen infolge der Covid-19-Pandemie prüft der Konzern, europaweit in begrenztem Umfang defizitäre Stores zu schließen.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Mit dem Umbau will Düttmann die Kosten um jährlich 100 Millionen Euro senken. Dem stehen zunächst einmal aber Ausgaben von 180 Millionen Euro für die Restrukturierung entgegen.

    Online-Geschäft von Media Markt und Saturn wächst

    Es ist nicht weiter überraschend, dass einige der Elektronikmärkte bald für immer ihre Türen schließen. Media Markt und Saturn sind bislang zwar vergleichsweise gut durch die Corona-Pandemie gekommen. So lag der Umsatz im Mai um drei Prozent über dem Vorjahr. Im Juni kletterten die Verkäufe sogar um zwölf Prozent. Doch die Gewichte haben sich verschoben.

    Der Verkauf übers Internet ist in den letzten Monaten noch deutlich wichtiger geworden als zuvor. So wuchs das Online-Geschäft im abgelaufenen, dritten Quartal des Geschäftsjahrs eigenen Angaben zufolge um rund 145 Prozent. Es stand Ceconomy zufolge für 35 Prozent des Gesamtumsatzes.

    Vor allem aber hätten die Konsumenten im Mai und Juni weiter stark im Netz eingekauft, auch als die Märkte wieder eröffnet hatten.

    „Die Pandemie hat definitiv als Beschleuniger für unser Online-Geschäft gewirkt“ sagte Vorstandschef Düttmann im Juli. „Die Märkte werden weiterhin eine wichtige Rolle in unserer Omni-Channel-Strategie spielen, aber wir müssen und werden uns an das veränderte Kundenverhalten anpassen.“
    Obwohl die Kunden nach dem ersten Corona-Schock herzhaft einkauften, hinterließ die Seuche dennoch tiefe Spuren in den jüngsten Quartalszahlen der Kette. Der Umsatz lag zwischen April und Juni mit 4,1 Milliarden Euro um zehn Prozent unter dem Vorjahr. Das sei ausschließlich auf die mit Covid-19 zusammenhängenden Marktschließungen im April zurückzuführen, betonte das Unternehmen im Juli. Im April seien insgesamt 881 der 1025 Märkte des Konzerns in Europa geschlossen gewesen.

    Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) erreichte im dritten Quartal auch dank der nach Ausbruch der Krise eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen das Vorjahresniveau. Im Juli habe sich der Aufwärtstrend fortgesetzt.

    Abspaltung von Metro konnte die Hoffnungen nicht erfüllen

    Vor drei Jahren ist die Abspaltung der Metro mit großen Hoffnungen gestartet. Doch seitdem kommt Ceconomy nicht zur Ruhe. Hatte Metro-Chef Olaf Koch damals noch von „zwei dynamischen, in ihren Branchen bestens positionierten Unternehmen“ gesprochen, legte die Teilung schon bald schonungslos die Schwächen der Ceconomy offen, deren Geschäft im Wesentlichen auf dem stationären Handel der Ketten Media Markt und Saturn beruhte.

    Doch genau diesen Umsatz verlor das Unternehmen immer mehr an Onlinekonkurrenten wie Amazon. Der eigene E-Commerce – viel zu spät gestartet – konnte diesen Aderlass zunächst kaum kompensieren.

    Das große Problem des Marktführers: Die beiden Einzelunternehmen Media-Markt und Saturn waren nie richtig zusammengewachsen, hatten zahlreiche Doppelfunktionen und komplett getrennten Einkauf und Logistik. Die Börsenholding Ceconomy darüber schuf nur weitere Komplexität und Kosten.

    Dazu kam: Die Marktleiter hielten traditionell einen kleinen Anteil an ihrem Markt und hatten damit große Freiheiten bei der Sortiments- und Preisgestaltung. Was als Anreiz für besonders viel Kundennähe gedacht war, wurde zum Hemmschuh in einer digitalen Welt. Innovationen ließen sich nur langsam durchsetzen, zentral gesteuerte Preis- und Sortimentsaktionen waren nicht möglich.

    Nach drei Gewinnwarnungen in Folge musste Pieter Haas im Oktober 2018 gehen. Ihm folgte im März der ehemalige A.T.U.-Chef Jörn Werner, der aber nach acht Monaten und einem verlorenen Machtkampf gegen Ferran Reverter, den Chef der operativen Einheit Media-Saturn Holding, das Unternehmen wieder verlassen musste. Nun soll der ehemalige Aufsichtsrat Bernhard Düttmann gemeinsam mit Reverter den Turnaround beim angeschlagenen Elektronikhändler schaffen.

    Die Börse ist indes seit Monaten skeptisch und nahm die bevorstehende Restrukturierung auch am Dienstag reserviert auf. Der Aktienkurs legte um rund ein Prozent auf etwa 3,20 Euro zu. Seit Jahresanfang haben die Papiere 40 Prozent an Wert verloren.

    Mehr: Ceconomy fasst nach Ladenschließungen schnell wieder Tritt

    Startseite
    0 Kommentare zu "Coronakrise: Media-Saturn-Mutter Ceconomy plant deutlichen Stellenabbau"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%