Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Coronakrise Wasserstraßen: Kraftwerken und Stahlkochern droht Versorgungsengpass

Deutschen Binnenschiffen geht wegen der strengen osteuropäischen Quarantäne-Vorschriften die Besatzung aus. Der Branchenverband fordert Hilfe.
21.03.2020 - 16:04 Uhr Kommentieren
Der Binnenschifffahrt könnte bald das Personal ausgehen. Quelle: dpa
Frachtschiff auf dem Rhein

Der Binnenschifffahrt könnte bald das Personal ausgehen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In Deutschland müssen sich voraussichtlich Kraftwerke, Stahlhütten und Chemieunternehmen wegen der Corona-Epidemie auf Lieferengpässe einstellen. Der Grund: Der Binnenschifffahrt, die für einen Großteil der Versorgung verantwortlich ist, droht das Personal auszugehen.

Anlass zur Sorge geben die strengen Einreise- und Quarantänebestimmungen in den meisten Ländern Osteuropas, die für ausländische Besatzungsmitglieder die Arbeit auf deutschen Schiffen erheblich erschweren. Denn Bordmitglieder, die während ihrer Freischicht in ihr Heimatland reisen, laufen Gefahr, keine Ausreisegenehmigung mehr zu erhalten – oder bei der Heimreise in eine 14-tägige Quarantäne zu geraten. 

„Wir werden in den kommenden Tagen massive Probleme bekommen, die Schiffe in Fahrt zu halten, weil uns schlicht das Personal für den Schiffsbetrieb fehlt“, warnt Martin Staats, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). „Das kann gravierende Auswirkungen auf die Rohstoffversorgung für die Großindustrie und damit auf den Wirtschaftsstandort Deutschland haben.“

Immerhin besitzen nach Angaben des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) 21,2 Prozent der Bordmitglieder auf deutschen Binnenschiffen keine deutsche Staatsangehörigkeit, viele von ihnen stammen aus dem Osten Europas.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Eben dort aber verschärften die Länder Polen, Tschechien, Ungarn, Serbien, Slowakei, Kroatien und Ukraine ihre Ein- und Ausreisebestimmungen sowie die Quarantänevorschriften. „Wir haben jetzt unsere Besatzungen gebeten, während der Freischichten in Deutschland zu bleiben“, sagt Julia Dettmer, Sprecherin der Bremer Binnenschiff-Reederei B. Dettmer.

    Von der Binnenschifffahrt hängt einiges ab

    Gerade für ihre Mitarbeiter aus Polen und der Ukraine bedeutet das jedoch: Ein Besuch bei der eigenen Familie dürfte über Wochen oder Monate unmöglich bleiben. Hinzu kommt die Furcht vor einer Corona-Ansteckung der Crews untereinander, die sich beispielsweise bei der Bremer Reederei alle zwei Wochen abwechseln. „In unserem Pandemieplan haben wir festgelegt“, sagt Julia Dettmer, „dass die Übergänge kontaktlos zu erfolgen haben.“ 

    Die scharfen Grenzkontrollen bereiten auch der Tanker-, Schüttgut- und Containerreederei Deymann im emsländischen Haren Kopfzerbrechen, die auf ihren 35 Binnenschiffen 236 Leute beschäftigt, „Die Hälfte unserer Mitarbeiter stammt von außerhalb Deutschlands“, berichtet Ralph van Beek, bei Deymann verantwortlich für den Personaleinsatz. „Noch bieten viele von ihnen Mehrarbeit an, weil sie nicht daheim in Quarantäne kommen wollen“, sagt er. „Die Bereitschaft dürfte aber abhängig sein von der Dauer der Krise.“ Die Politik müsse Lösungen finden, um den Grenzübertritt für Crewmitglieder zu beschleunigen – etwa durch rasche Schnelltests. „Die Schiffsbesatzungen sind systemrelevant“, sagt van Beek.

    Von der Binnenschifffahrt hängt in Deutschland einiges ab. Zwar trägt sie mit rund 200 Millionen Tonnen jährlichem Frachtvolumen nur zu etwa sieben Prozent des deutschen Warenverkehrs bei, einige Branchen aber sind massiv abhängig von den Transporten auf Rhein, Main, Mosel, Donau oder Elbe.

    Für Unternehmen wie Thyssen-Krupp ist eine funktionierende Binnenschifffahrt unverzichtbar. Was es für den Stahlhersteller bedeutet, wenn Vormaterialien wie Kohle und Eisenerz nicht mehr über den Rhein angeliefert werden können, zeigte sich beim letzten Niedrigwasser im Jahr 2018: Damals musste der Konzern seine Produktion drosseln und eine Gewinnwarnung herausgeben, weil nicht mehr genügend Rohstoffe zur Verfügung standen.

    Rund 60.000 Tonnen Rohstoffe werden täglich am Standort in Duisburg angeliefert. Geht das nicht über den Rhein, muss der Konzern unweigerlich auf die Schiene oder den Lkw-Transport ausweichen.

    Denn Anlagen wie beispielsweise die Kokerei komplett anzuhalten, ist aus technischen Gründen keine Option – auch wenn derzeit die Nachfrage nach Stahl wegen der Produktionsstopps der Autokonzerne rapide absinkt.

    Acht Millionen Tonnen Nahrungsmittel per Schiff
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Coronakrise - Wasserstraßen: Kraftwerken und Stahlkochern droht Versorgungsengpass
    0 Kommentare zu "Coronakrise: Wasserstraßen: Kraftwerken und Stahlkochern droht Versorgungsengpass"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%