Cosco Chinesen greifen nach griechischem Bahnnetz

China baut weiter an einer modernen Version der Seidenstraße. Staatskonzern Cosco soll bereits den Hafen von Piräus übernehmen. Nun bietet die Reederei laut einem Bericht auch für das Bahnnetz Griechenlands.
Update: 05.02.2016 - 15:34 Uhr
Griechenland will sein Schienennetz privatisieren. Quelle: Bloomberg
Zug am Bahnhof von Larissa

Griechenland will sein Schienennetz privatisieren.

(Foto: Bloomberg)

Athen/ShanghaiChina will Insidern zufolge Griechenland noch stärker zum Tor für seine Handelsgeschäfte in Europa machen. Die chinesische Reederei Cosco plane eine Offerte für das griechische Bahnnetz Trainose, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Staatskonzern ist bereits der einzig verbliebene Bieter für Griechenlands größten Hafen Piräus und hat erst kürzlich sein Gebot auf knapp 360 Millionen Euro erhöht.

Sollten Bahnnetz und Hafen in die Hände von Cosco gehen, würde der Konzern in den Besitz von Verbindungen zum wichtigen Suez-Kanal und Zugstrecken in die Balkan-Staaten sowie Zentral- und Osteuropa gelangen.

Erst im Dezember war Cosco durch die Fusion mit der China Shipping Group zur weltweiten Nummer vier in der Containerschifffahrt aufgestiegen. Insidern zufolge käme dem Konzern ein Standbein in Europa angesichts der Wirtschaftsabkühlung auf dem Heimatmarkt und eines Überangebots in der Containerbranche sehr gelegen. Zudem passt es zur Strategie der Volksrepublik, eine moderne Version der historischen Seidenstraße aufzubauen.

Im Gegensatz zu der Piräus-Übernahme ist Cosco allerdings beim Werben um das Bahnnetz nicht allein: Den Insidern zufolge ist auch die US-Eisenbahnholding Watco an Trainose interessiert. Zudem soll ein griechisches Unternehmen seine Fühler ausgestreckt haben und nach einem Partner suchen. Seit Anfang Februar können sich Bewerber an die staatliche griechische Privatisierungsagentur wenden. Ohne einen Verkauf von Trainose könnte Griechenland gezwungen sein, Subventionen im Millionenumfang an die Europäische Union zurückzuzahlen.

Alle gegen Tsipras
Geschlossene Geschäfte im ganzen Land
1 von 12

Derart umfangreiche Proteste hat Griechenland seit Ausbruch der Krise nicht gesehen. Kaum ein Wirtschaftsbereich, der nicht bestreikt wird – in seltenem Einvernehmen hatten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände ihre Mitglieder im Vorfeld des großen Streik-Tages gemeinsam zum Protest aufgerufen. Rechtsanwälte und Ärzte legten die Arbeit ebenso nieder wie Lehrer und Staatsdiener.

Kein Zug fährt
2 von 12

Auch die Züge stehen an diesem 4. Februar still. Selbst die gelben Taxis, die sonst das Athener Stadtbild prägen, fahren nicht. Auch die Pforten der Akropolis und des Archäologischen Museums von Athen bleiben geschlossen.

Schiffe im Hafen
3 von 12

Die großen Schiffe bleiben ebenfalls im m Athener Hafen. Überall im Land blockieren zudem Traktoren die Straßen. Inlandflüge wurden gestrichen.

Keine Flüge
4 von 12

Entsprechend herrscht an den Schaltern der Flughäfen gespenstische Leere. Die beiden größten Gewerkschaften des Landes, GSEE und Adedy, haben zu dem Ausstand aufgerufen. Es ist der zweite landesweite Streik seit dem Amtsantritt der Regierung von Alexis Tsipras im Januar 2015.

Protest
5 von 12

Außerdem gehen die Menschen auf die Straßen. Nach ersten Schätzungen der Gewerkschaften demonstrierten Hunderttausende gegen ein weiteres Reformprogramm der Links-Rechts-Regierung von Alexis Tsipras.

Parlament in Athen
6 von 12

Was all diese Menschen im Protest vereint, ist ein neues gewaltiges Sparpaket in Höhe von 1,8 Milliarden Euro, zu dem Griechenland sich gegenüber seinen Gläubigern verpflichtet hat. Mit den vorgesehenen Sparmaßnahmen sowie massiven Steuererhöhungen und Rentenkürzungen soll das marode Rentensystem des Landes vor dem Zusammenbruch gerettet werden; auch sind die Maßnahmen Voraussetzung für weitere finanzielle Hilfen der internationalen Geldgeber.

Proteste
7 von 12

„Dass Griechenland so viel Geld zur Rettung seiner Rentenkassen benötigt, ist rein rechnerisch Fakt“, erklärt Panagiotis Petrakis, Professor für Wirtschaft an der Universität Athen. „Im Laufe der Krise haben die Menschen 25 Prozent ihrer Einkommen eingebüßt, hinzu kommt die hohe Arbeitslosigkeit. So wird viel weniger eingezahlt und es klaffen immer größere Löcher in den Rentenkassen.“

Die linksgerichtete Regierung von Alexis Tsipras lehnt eigentlich Privatisierungen ab, musste die Verhandlungen allerdings für das dritte Rettungspaket der internationalen Gläubiger wiederaufnehmen. Nach langem Ringen hatte der deutsche Flughafenbetreiber Fraport Mitte Dezember die Verträge zum Betrieb von 14 Regionalflughäfen in Griechenland unterzeichnet. Griechenlands Finanzminister Euklid Tsakalotos sagte am Freitag, eine Übereinkunft zu den Reformplänen der Regierung werde bis Monatsende angestrebt.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Cosco - Chinesen greifen nach griechischem Bahnnetz

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%