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Coty, Jacobs, Pret-A-Manger JAB Holding der Familie Reimann macht Milliardenverlust

Die Pandemie und der schwache Dollar setzen den Beteiligungen der Chemieerben zu. Der Zukauf von Tierkliniken in den USA lässt die Schulden steigen.
13.03.2021 - 11:09 Uhr Kommentieren
Die Sandwichkette gehört zu den diversen Beteiligungen der JAB. In der Pandemie litten die Geschäfte. Quelle: Bloomberg
Filiale von Pret-A-Manger

Die Sandwichkette gehört zu den diversen Beteiligungen der JAB. In der Pandemie litten die Geschäfte.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf 2020 war ein turbulentes Jahr für Peter Harf, den Chefstrategen der Milliardärsfamilie Reimann. Mitten in der Pandemie brachte er den Kaffeekonzern JDE Peet’s (Jacobs, Senseo) aufs Parkett – mit Erfolg. Der Börsengang in Amsterdam spielte im Mai mehr als zwei Milliarden Euro ein. Kaffee erweist sich als relativ krisenfest. Parfumhersteller Coty und Bistroketten wie Pret-A-Manger hingegen litten unter dem Lockdown. Alles Beteiligungen der JAB Holding mit Sitz in Luxemburg.

Dort bündelt Familie Reimann seit 2012 ihre Investments. Für die Nachfahren der Ludwigshafener Chemiedynastie Benckiser hat JAB Chairman Harf ein weit verzweigtes Firmenreich aufgebaut. Dazu gehören etwa Beteiligungen an Herstellern von Limonaden und Kaffee, Snackketten oder Tierkliniken – hauptsächlich in den USA.

Im Coronajahr 2020 verbuchte die JAB Holding nun einen Milliardenverlust. Das zeigt der aktuelle Jahresabschluss. Im Vorjahr stand noch ein satter Gewinn von vier Milliarden Dollar in den Büchern. Nun steht unter dem Strich ein Nettoverlust von rund zwei Milliarden Dollar.

Als wesentlichen Grund gibt JAB negative Währungseffekte an – durch den Wertverlust des Dollar im Vergleich zum Euro. Dies herausgerechnet, schloss JAB mit einer schwarzen Null ab. Erstmals wies die Holding ihren Jahresabschluss in Dollar aus.

Rund 23 Milliarden Dollar an Eigenkapital vermeldete die JAB Holding zum Jahresende. Etwa 90 Prozent davon gehören Familie Reimann. Den Rest halten die heute zwölf Partner der Holding – darunter Peter Harf. JAB managt jedoch insgesamt mehr als 50 Milliarden Dollar Vermögen.

Der Chairman der JAB Holding hat über Jahrzehnte ein milliardenschweres Firmenreich für Familie Reimann aufgebaut. Quelle: Andrea Mantovani
Peter Harf

Der Chairman der JAB Holding hat über Jahrzehnte ein milliardenschweres Firmenreich für Familie Reimann aufgebaut.

(Foto: Andrea Mantovani)

Die übrigen Milliarden kommen von diversen Mitinvestoren, die parallel zu JAB investieren. Seit 2014 hat etwa der JAB Consumer Fund rund 17 Milliarden Dollar eingesammelt. „JAB ist es wichtig, bei all seinen Firmenbeteiligungen die Kontrolle zu besitzen. So können wir alles bestimmen – von der Strategie bis zur Dividendenpolitik“, erklärte Peter Harf einmal seine Anlagetaktik im Handelsblatt.

Aktie von Coty erholt sich wieder

Größtes Sorgenkind in der JAB-Familie ist und bleibt der weltgrößte Parfumkonzern Coty. Lange vor der Pandemie war Coty durch die Übernahme von über 40 P&G-Beautymarken in Schieflage geraten. Hilfe kam 2020 vom Finanzinvestor KKR. Der übernahm die Mehrheit an der Salonmarke Wella und stieg bei Coty ein. Insgesamt schoss KKR rund drei Milliarden Dollar hinzu. JAB senkte seine Coty-Beteiligung von 60 auf etwa 50 Prozent – und half mit einer Kapitalspritze von 1,8 Milliarden Dollar. Damit konnte Coty einen Teil seiner hohen Schuldenlast tilgen.

Die Pandemie hat die Krise von Coty verschärft, denn Düfte und Kosmetika waren weniger gefragt. Die Umsätze brachen zwischenzeitlich um mehr als die Hälfte ein. Peter Harf persönlich übernahm deshalb für einige Monate den Chefposten von Coty. Im September folgte Ex-L’Oréal-Managerin Sue Y. Nabi als CEO. Sie richtet das Sortiment neu aus, setzt auf E-Commerce und verschlankt den Konzern. Der Börsenkurs von Coty, der stark gesunken war, erholt sich seit November wieder.

Die neue CEO von Coty will den Kosmetikkonzern wieder auf Kurs bringen. Quelle: Coty
Sue Y. Nabi

Die neue CEO von Coty will den Kosmetikkonzern wieder auf Kurs bringen.

(Foto: Coty)

Coty umfasst indes nur acht Prozent am JAB-Portfolio. Getränke und Kaffee sind mit Abstand die größten Beteiligungen. US-Getränkehersteller Keurig Dr Pepper kommt auf 49 Prozent Anteil, Kaffeeproduzent JDE Peet’s auf 19 Prozent Anteil an der JAB Holding. Diese Investments brachten „solide Renditen“, heißt es im Jahresabschluss. Insgesamt sank deren Wert aber – unter anderem infolge von Milliarden-Ausschüttungen.

Die Gastro-Beteiligungen litten wie Coty unter dem Lockdown. Die Snackketten Pret-A-Manger und Panera Bread sowie Kaffeehäuser wie Espresso House und Caribou erholten sich aber seit Sommer wieder. Die Börsenpläne für Pret Panera, die Harf vor zwei Jahren angekündigt hatte, dürften wohl vorerst in der Schublade bleiben. Das schwächelnde Luxusgeschäft mit der Marke Bally, das JAB eigentlich abstoßen wollte, bleibt nun im Bestand. Der geplante Deal mit Chinesen kam nicht zustande. „Ein Verkauf sei nicht länger vorteilhaft“, heißt es.

Tiergesundheit als neues Standbein

Tierkliniken sind eine neue und stabile Säule im JAB Portfolio. Nach dem Zukauf bei Compassion First 2019 folgte vor einem Jahr der Einstieg bei der National Veterinary Association (NVA) für 1,6 Milliarden Dollar. „Tiergesundheit ist ein super Business. Noch nie habe ich ein Geschäft dazubekommen, das mir so gut gefällt“, sagte Harf dem Handelsblatt im März.

Der Kaffeekonzern mit Marken wie Jacobs und Senseo startete im Mai erfolgreich an der Börse in Amsterdam. Quelle: AFP
Börsengang von JDE Peet's

Der Kaffeekonzern mit Marken wie Jacobs und Senseo startete im Mai erfolgreich an der Börse in Amsterdam.

(Foto: AFP)

Allerdings erhöhten die Zukäufe von Tierkliniken auch die Schulden der JAB. Die Netto-Verbindlichkeiten stiegen von 4,7 auf 7,6 Milliarden Dollar. Durch die Ausgabe von neuen Anleihen verschaffte sich JAB zeitlich wieder Luft. Die Ratingagentur S&P, die JAB mit BBB+ stable bewertet, begrüßt diverse Maßnahmen zum Abbau von Risiken. „Wir sehen aber weiterhin signifikante Risiken für die Kreditwürdigkeit von JAB, wenn in den nächsten sechs Monaten kein weiterer Schuldenabbau erfolgt.“

Die Liquidität von JAB indes war zum Jahresende mit 6,4 Milliarden Dollar auf Rekordhoch. Finanzieller Spielraum ist Harf besonders wichtig. Zumal offenbar weitere Investitionen in den Wachstumsmarkt Tiergesundheit geplant sind.

Kursausschläge der diversen Beteiligungen lassen den 74-Jährigen hingegen relativ kalt. „Ich habe mir abgewöhnt, auf kurzfristige Börsenkurse zu schauen“, sagte er am Anfang der Pandemie. „Die sind für uns irrelevant. Denn wir sind von niemandem abhängig.“

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