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Craft Beer von der Großbrauerei? Schluss mit dem Durchschnitts-Pils

Der Trend zum Craft Beer ist in Deutschland ungebrochen. Kleinbrauereien feiern große Erfolge. Doch die Großkonzerne drängen immer stärker mit neuen Biersorten in den Markt – oder kaufen die Mini-Brauer gleich ganz auf.
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„Dass große Hersteller damit Erfolg haben würde ich sehr bezweifeln“. Quelle: dpa
Craft Beer

„Dass große Hersteller damit Erfolg haben würde ich sehr bezweifeln“.

(Foto: dpa)

Frankfurt/Berlin In den USA hat der Ausverkauf auf dem Biermarkt längst begonnen. Seit Jahren entwickelt eine steigende Zahl unabhängiger Kleinbrauereien neue Biersorten, verpasst ihnen ungewöhnliche Namen und hat damit eine ganz neue Szene von Bierliebhabern begründet. Jetzt passiert das Unausweichliche: Die großen Braukonzerne kommen und wollen sich auch etwas von steigenden Umsätzen mit dem sogenannten Craft Beer abzapfen.

AB Inbev (Beck's, Budweiser) kaufte zuletzt die Brauereien 10 Barrel Brewing im US-Bundesstaat Oregon, Blue Point auf Long Island und die Elysian Brewing Company aus Seattle. SAB Miller (Pilsner Urquell, Grolsch) pirscht sich mit der Übernahme der britischen Meantime Brewing Company an die europäischen Bierliebhaber heran. Wann wird auch in Deutschland der erste Craft-Beer-Brauer schwach?

„Ich warte eigentlich nur darauf, dass das hier zum ersten Mal passiert“, sagt Nina Anika Klotz, Autorin des Craft-Beer-Blogs Hopfenhelden.de. „Denn dass große Hersteller damit Erfolg haben, unter ihren eigenen Markennamen Craft Beer zu verkaufen, würde ich sehr bezweifeln. Das passt nicht zur Idee der Szene.“

Aber was ist diese Craft-Beer-Idee? Was ist überhaupt Craft Beer? Die Frage ist zumindest in Deutschland noch nicht geklärt. Craft heißt auf deutsch Handwerk. Es geht also um handwerklich gebrautes Bier. Für viele in der Szene ist Unabhängigkeit von großen Konzernen wichtig und der Geschmack soll sich vom üblichen Pils-Mainstream abheben.

Verlässliche Zahlen zum Craft-Beer-Absatz in Deutschland gibt es nicht, aber laut Statistischem Bundesamt steigt die Zahl aller Brauereien – man kann davon ausgehen, das dies überwiegend kleine Hersteller sind.

Mit herkömmlichem Bier lassen sich zumindest in Europa und den USA kaum noch Umsatzsteigerungen erzielen. Der Bierabsatz geht dort seit Jahren zurück. Die Braukonzerne versuchen deshalb, ins sogenannte Premium-Segment zu kommen, sprich: Biere zu verkaufen, für die ihre Kunden mehr Geld zahlen.

Craft Beer gehört definitiv dazu. Bei zwei Euro für die 0,33-Liter-Flasche geht es in der Regel los, man kann aber auch locker mehr als 20 Euro auf den Tisch legen. Das liegt zum einen daran, dass Craft Beer sich einfach für mehr Geld verkaufen lässt. Zum anderen werden für die Herstellung aber oft auch mehr Hopfen und Malz – für intensiveren Geschmack – verwendet. Die Einkaufspreise der Rohstoffe für kleine Brauereien sind außerdem natürlich deutlich höher als für Beck's & Co.

Und wenn große Konzerne jetzt auch ins Craft-Beer-Business einsteigen, könnte sich das noch verschärfen.

„Einfach zu klein für einen Braukonzern“

Die Deutschen und das liebe Bier
23. April: Tag des Bieres
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In Deutschland ist Bier so sehr verwurzelt, dass der Gerstensaft es auch in die Redensarten geschafft hat. Der Satz „Da ist Hopfen und Malz verloren“ stammt schon aus dem 16. Jahrhundert. In diesem Zeitraum, nämlich am 23. April 1516, wurde auch das deutsche Reinheitsgebot erstmals festgeschrieben. Seit 1994 zelebrieren die Brauereien den 23. April deshalb als „Tag des deutschen Bieres. In diesem Jahr feiern die Brauer 499 Jahre Reinheitsgebot mit einem Fest in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin. Besonders gefeiert wird in Bayern, wo am 23. April 1516 das Reinheitsgebot in Ingolstadt erlassen worden war. Handelsblatt Online hat die wichtigsten und witzigsten Fakten zusammengestellt. Welches das beliebteste Bier bei Singles ist, welche Brauerei die größte ist und wie viel der Staat am Bier verdient – die Fakten zum Durchklicken.

Quelle: Statista

(Foto: dpa)
Die beliebtesten Biermarken in Deutschland
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Bier ist in Deutschland beliebt, so viel ist klar. Doch welche Marke trinken die Deutschen am Liebsten? Die Zahlen von Statista geben eine klare Antwort: Beck’s. Die Brauerei – inzwischen Teil des Brauereikonzerns AB Inbev – konnte ihren Anteil von 2012 auf 2013 sogar noch leicht ausbauen. Demnach greifen rund elf Prozent am liebsten zu der grünen Flasche aus Bremen. Auf Platz zwei landet Krombacher mit 9,5 Prozent, auf Platz drei Warsteiner mit neun Prozent. Gemessen wird die Beliebtheit am Konsum in den vergangenen vier Wochen.

(Foto: dpa)
Die beliebtesten Biermarken in Deutschland unter Singles
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Kurios: Auch die beliebtesten Biere der deutschen Singles werden erhoben. Die Zahlen weichen aber nur geringfügig von den Gesamtwerten ab. Auch bei den Alleinstehenden bleiben Beck’s, Warsteiner und Krombacher auf den vorderen Plätzen. Abseits des Treppchens gibt es aber Unterschiede: Statt Veltins ist die vierte Wahl unter Singles König Pilsener.

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Pro-Kopf-Konsum in Deutschland
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2014 haben die Verbraucher in Deutschland erstmals seit acht Jahren wieder mehr Bier getrunken. Pro Kopf waren es demnach durchschnittlich 106,9 Liter. Das war ungefähr ein Glas mehr als 2013. Damals waren es 106,6 Liter pro Jahr. Die Branche führt die Steigerung auf die milden Temperaturen im ersten Halbjahr, die Fußball-Weltmeisterschaft und ein stabiles Konsumklima zurück. Insgesamt hat der Pro-Kopf-Konsum seit der Jahrtausendwende deutlich abgenommen. Im Jahr 2000 trank ein Deutscher noch 125,6 Liter Bier im Jahr.

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Die Bundesländer mit dem höchsten Bierabsatz
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Am meisten Bier wird in Nordrhein-Westfalen getrunken. Ganze 23,9 Millionen Hektoliter Bier wurden dort 2013 konsumiert. Dicht gefolgt vom Bundesland des Bieres – Bayern. Dort waren es rund 22,1 Millionen Hektoliter des Gerstensaftes. Auf dem dritten Platz landeten Niedersachsen und Bremen mit einem deutlich geringerem Konsum. Hier waren es nur 9,3 Millionen Hektoliter.

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Konsumausgaben für Bier in Deutschland
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Durch den sinkenden Konsum haben sich auch die Ausgaben verringert. Allein von 2008 bis 2012 haben die Deutschen fast sechs Milliarden Euro weniger in Bier investiert. Das dürfte den Brauereien nicht sonderlich schmecken.

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Steuereinnahmen durch die Biersteuer
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Auch der Staat zapft sich etwas vom Bierkonsum der Deutschen ab – und „leidet“ dementsprechend unter dem sinkenden Interesse am Gerstensaft. Seit 1999 haben sich die Einnahmen des Bundes durch die Biersteuer deutlich reduziert. Damals spülte das Bier rund 846 Millionen Euro in die Kassen des Finanzministeriums. 2013 waren es lediglich 697 Millionen Euro.

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Georg-Augustin Schmidt trinkt einen Schluck von seinem Frankfurt Pale Ale. Er ist eigentlich Immobilien-Sachverständiger, hat aber im vergangenen Jahr die Mikrobrauerei Braustil eröffnet, auf dem Gelände einer ehemaligen Tankstelle im Frankfurter Nordend.

Einen Wettbewerb mit großen Konzernen um seine Kunden fürchtet er zwar nicht, aber die Nachfrage nach speziellen Hopfensorten sei schon jetzt sehr hoch. „Wenn jetzt immer mehr Braukonzerne anfangen, Sorten aus der Craft-Beer-Szene nachzubrauen, dann dürfte die hohe Nachfrage zu noch höheren Hopfenpreisen führen.“

Beck's versucht, seit knapp zwei Monaten unter dem eigenen Markennamen unter anderem Pale Ale zu verkaufen – eine Biersorte, für die helles Malz verwendet wird. Beim Brauen verwenden sie die Hopfensorte Cascade, die in der Craft-Beer-Szene beliebt ist.

Der Start der neuen Biere sei „sehr erfolgreich gelaufen“, sagt ein Sprecher der Beck's-Mutter AB Inbev, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Man wolle die neue Produktlinie auch nicht als Craft Beer verkaufen und den Kunden etwas vorgaukeln. Aber den Wunsch der Verbraucher nach neuen Biersorten wolle Beck's trotzdem erfüllen.

Dass der Konzern nach den Übernahmen in den USA auch in Europa beginnt, Craft-Beer-Brauer aufzukaufen, hält der Sprecher für unwahrscheinlich. „Aktuell kommt das für AB Inbev nicht infrage. Es ist im Moment eher unsere Strategie, zum Beispiel Marken wie das belgische Leffe nach Deutschland zu holen.“ Das belgische Bier geht geschmacklich auch in die Richtung einiger Craft-Beer-Sorten.

Bei Braustil in Frankfurt ist es derzeit ziemlich unwahrscheinlich, dass eine Großbrauerei als Käufer anklopft. Die Firma nehme zwar schon jetzt mehr ein als für den Anfang geplant war, sagt Braustil-Chef Schmidt. Aber mit einem Ausstoß von 660 Hektolitern im Jahr seien sie „einfach zu klein für einen Braukonzern“.

Er könnte Recht haben, denn in den USA hat der Craft-Beer-Markt inzwischen ganz andere Dimensionen. Blue Point, die AB Inbev Anfang des Jahres kaufte, hatten 2013 einen Bierausstoß von mehr als 70.000 Hektolitern – also mehr als das Hundertfache der Frankfurter.

Bierflaschen öffnen wie die Profis

  • dpa
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