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Cristina Stenbeck Warum die Zalando-Chefkontrolleurin eine Frauenquote einführt

In den obersten sechs Managementebenen gibt es beim Online-Modehaus künftig eine 40-Prozent-Quote. Doch es gibt auch Kritik.
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„Vielfalt auf allen Unternehmensebenen führt zu besseren Entscheidungen, fördert eine kreative Kultur und steigert im besten Fall die Gesamtleistung.“ Quelle: picture alliance / IBL Schweden
Cristina Stenbeck

„Vielfalt auf allen Unternehmensebenen führt zu besseren Entscheidungen, fördert eine kreative Kultur und steigert im besten Fall die Gesamtleistung.“

(Foto: picture alliance / IBL Schweden)

Düsseldorf Es hat etwas von Wohnzimmer-Atmosphäre: Auf einer Leinwand knistert ein Kaminfeuer, in der Ecke steht eine grüne Topfpflanze. Zwei Menschen sitzen gemütlich in gelben Sesseln. Doch die Veranstaltung dort in der Berliner Firmenzentrale von Zalando am vergangenen Montag war streng geschäftlich.

Aufsichtsratschefin Cristina Stenbeck und Co-Vorstandschef Rubin Ritter verkündeten im Auditorium, dass das Online-Modehaus eine Frauenquote für das Management einführt.

„Vielfalt auf allen Unternehmensebenen führt zu besseren Entscheidungen, fördert eine kreative Kultur und steigert im besten Fall die Gesamtleistung“, so begründete Stenbeck das neue Unternehmensziel vor mehreren Hundert Mitarbeitern.

Der Schwedin mit amerikanischem Pass liegt das Thema Frauen im Management sehr am Herzen. So verfolgt sie auch beim schwedischen Beteiligungskonzern Kinnevik ehrgeizig das Ziel, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen.

Bei dem vor mehr als 80 Jahren von ihrem Großvater Hugo Stenbeck gegründeten Unternehmen, das sich an Online-Firmen beteiligt, kontrolliert sie mit weiteren Familienmitgliedern rund die Hälfte der Stimmrechte. Kinnevik ist mit einem Anteil von 26 Prozent aktuell der größte Aktionär von Zalando.

Boykott-Aufrufe im Internet

Bei Deutschlands größtem Online-Modehaus setzt die 42-Jährige ihre Mission fort, seit sie im Mai dieses Jahres den Aufsichtsratsvorsitz übernommen hat.

Zusammen mit den fünf Männern im Zalando-Vorstand fordert sie, dass bis 2023 mindestens 40 Prozent der Positionen in den oberen sechs Managementebenen von Frauen besetzt werden – also auf allen Hierarchieebenen vom Vorstand bis runter zum Teamleiter. Damit die Männer langfristig aber nicht zu kurz kommen, gilt auch für sie diese Quote.

Die neue Strategie kommt beim Online-Modehaus einer Revolution gleich. Bislang hatte sich Zalando geweigert, sich auf eine Quote im Topmanagement festzulegen. So haben bei dem Unternehmen, bei dem vor allem weibliche Kunden Kleidung und Schuhe einkaufen, derzeit nur in gut 28 Prozent der Führungspositionen Frauen das Sagen.

Und noch im Februar 2019 sorgte der Konzern in Sachen Frauen-Quote für Irritationen in der Öffentlichkeit: Zalando erweiterte zwar den Vorstand von drei auf fünf Personen, um das weitere Wachstum zu stemmen, berief aber keine einzige Frau in das Topmanagement.

Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Organisation FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte), lobt jetzt zwar die hohen Ziele von Zalando. Sie kämen spät, doch nicht zu spät. „Aber der Konzern beugt sich auch dem Druck der sozialen Medien“, kritisiert sie. „Da gab es in den letzten Monaten Aufrufe, Zalando zu boykottieren.“

Immerhin sendete der Konzern in der vergangenen Woche das erste Signal für eine Öffnung im Topmanagement: Zalando erweiterte sein Führungsteam um zwei Manager, darunter ist auch eine Frau.

So ist Barbara Daliri-Freyduni, 51 Jahre alt, seit 1. Oktober neue Chefin für den Bereich Demand und damit für das Marketing verantwortlich. Sie hat umfangreiche Marketingerfahrung bei internationalen Konzernen von Google über Netflix bis hin zu Microsoft gesammelt.

Mit der Aufsichtsratschefin Stenbeck teilt sie die Begeisterung für das Digitalgeschäft. Stenbeck verschob bei Kinnevik den Schwerpunkt von der Medienbranche hin zur Beteiligung an Online-Unternehmen. „Sie hat den Laden ordentlich umgekrempelt“, wie es ein Analyst ausdrückt. Das ist auch bei Zalando dringend notwendig, wenn der Konzern sein Geschäft bis zum Jahr 2023/24 von 6,6 auf 20 Milliarden verdreifachen will.

Die Chefkontrolleurin hat bereits bewiesen, dass sie sich durchsetzen kann. Denn als ihr Vater 2002 an einem Herzinfarkt starb, war Cristina Stenbeck erst 24 Jahre alt. Mancher traute ihr damals nicht zu, die Rolle des charismatischen Seniors auszufüllen. Doch es gelang ihr.

So ist sie heute auch ein Vorbild für viele Frauen bei Zalando, die sich nun Hoffnungen auf bessere Karrierechancen machen dürfen.

Mehr: Kurssturz bei Zalando – Die neue Aufsichtsratschefin des Modehändlers verkauft ein großes Aktienpaket. Es ist nicht das erste Mal, dass Stenbeck für eine Überraschung an der Börse sorgt.

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