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Daniel Křetínský Dieser tschechische Milliardär übernimmt die von Haniel verkauften Metro-Anteile

Nachdem der Familienkonzern einige seiner Anteile am MDax-Konzern abgestoßen hat, rückt nun der milliardenschwere Tscheche Křetínský nach.
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Metro: Dieser Tscheche übernimmt die von Haniel verkauften Anteile Quelle: Rudolf Wichert für Handelsblatt
Daniel Křetínský

Der Milliardär und CEO des tschechischen Versorgers EPH investierte bereits in der Vergangenheit in Deutschland.

(Foto: Rudolf Wichert für Handelsblatt)

Wien, Düsseldorf Wie viel sich der Tscheche Daniel Křetínský seinen Einstieg beim Düsseldorfer MDax-Konzern Metro kosten lässt, hält der 43-Jährige geheim. Nach aktuellem Kurs aber bezahlt seine Investmentfirma EP Global Commerce dem Verkäufer Haniel 316 Millionen Euro für die erste Tranche von 7,3 Prozent.

658 Millionen Euro könnten folgen, wenn der im mährischen Brünn geborene Milliardär auch die Option für weitere 15,2 Prozent an der Metro ziehen sollte.

An EP Global Commerce ist Křetínský mit 53 Prozent beteiligt, 47 Prozent hält dessen langjähriger Geschäftspartner Patrik Tkáč.

Der EP-Mehrheitsgesellschafter ist Sohn eines Informatikprofessors und einer Verfassungsrichterin, zählte mit einem geschätzten Vermögen von 2,6 Milliarden US-Dollar aber laut „Forbes“ schon im vergangenen Jahr zu den zehn reichsten Menschen der Tschechischen Republik.

In Deutschland ist er längst kein Unbekannter mehr. Vor zwei Jahren erst kaufte die Energetický a Průmyslový Holding (EPH), an der Křetínský 94 Prozent der Anteile hält, in der Lausitz die Braunkohleaktivitäten von Vattenfall. Zuvor schon erwarb EPH in Deutschland das Bergbauunternehmen Mibrag mit Sitz in Zeitz sowie die Helmstedter Revier GmbH (HSR) mit dem Kraftwerk Buschhaus.

Mächtiger Onlinehändler

Auch in den Handel investierte Křetínský schon vor seinem Metro-Engagement. Zusammen mit Tkáč hält er 40 Prozent an der Mall.cz-Gruppe, mit 600 Millionen Euro Umsatz zweitgrößtes Onlinekaufhaus Tschechiens nach dem Wettbewerber Alza.cz. Weitere 40 Prozent daran besitzt Peter Kellner, der die Rangliste der Milliardäre im Lande anführt. Mit Kellners Tochter Anna, 21, ist Křetínský seit 2017 liiert.

Und auch hier gibt es eine Verbindung zur Bundesrepublik. Die restlichen 20 Prozent gehören dem Mitgesellschafter Rockaway um den Jungunternehmer Jakub Havrlant. Dessen Prager Firma erwarb vor knapp zwei Jahren den Leipziger Online-Reisevermittler Unister („Ab-in-den-Urlaub.de“, „Fluege.de“).

Křetínský und seinen Partner Tkáč verbindet ein tiefes Vertrauen. Früher führten beide gemeinsam die Firmen J&T und EPH. Den Einstieg bei der Metro sehen sie nun als strategisches Investment.

In der Metro will der Milliardär aus Brünn künftig den Ton angeben und die Option zum Kauf weiterer Aktien nutzen, „um unsere Überzeugung zu bestätigen, dass wir als Aktionäre eine positive Rolle für das Unternehmen spielen und seine zukünftige Entwicklung richtig unterstützen können“.

Der promovierte Jurist zeigt sich dabei optimistisch: „Noch nie ist eine unserer Transaktionen am Geld gescheitert“, sagt er. Sein Imperium lenkt der effizient und charmant auftretende Křetínský von Prag aus. Der noble Einkaufsboulevard Parišká am Altstädter Ring der tschechischen Hauptstadt dient ihm als Firmensitz.

Zwischen den Luxustempeln von Hermes, Dior, und Gucci lenkt er mit rund drei Dutzend Mitarbeitern auf mehreren Büroetagen sein mittel- und osteuropäisches Strom- und Gasimperium.

Expansion im Stillen

Sein Geschäft betreibt er jedoch vorzugsweise fernab der Öffentlichkeit. Den Sieg im Bieterwettbewerb um die Braunkohlesparte kostete der Unternehmer im Stillen aus: keine Pressekonferenz, keine Fotos, keine Interviews. Dabei war der Deal gewaltig. EPH zahlte zwar nur einen symbolischen Preis von einem Euro, während Vattenfall die Tochter mit Barmitteln von 1,7 Milliarden Euro ausstattete.

Im Gegenzug übernahm EPH aber die Verantwortung für Rekultivierung, Pensionen und andere Verpflichtungen – ein Volumen, das mit zwei Milliarden Euro beziffert wurde. Mit dem Geschäft stiegen Křetínský und sein Konzern endgültig zu einem der wichtigsten Spieler auf dem europäischen Strommarkt auf.

Die Scheu vor Medien hat durchaus System. Křetínský spinnt seine Fäden lieber im Hintergrund. Daran ändert auch nichts, dass er in der Sportwelt kräftig mitmischt. So ist er seit 2004 Mitbesitzer und Präsident des Fußballklubs Sparta Prag. Neben dem Spielfeld ebenso wie beim Golfen pflegt er seine Kontakte.

Zudem ist der Oligarch in der Medienbranche investiert. Der Jurist und Politikwissenschaftler ist einer der Eigentümer der populären Boulevardzeitung „Blesk“ („Blitz“). Geschäftspartner ist hier das Schweizer Medienhaus Ringier.

In der Vergangenheit hatte er jedoch nicht immer eine gute Presse: Sein Name tauchte in den sogenannten Panama Papers auf. Ihm gehört die Briefkastenfirma „Wonderful Yacht Holdings“ auf den Britischen Jungferninseln. Einziger Geschäftszweck: der Besitz eines Katamarans.

Im eigenen Land erfährt der Milliardär derzeit Rückenwind. Die Volkswirtschaften in den EU-Ländern Slowakei und Tschechien brummen. Das Wirtschaftswachstum liegt trotz Korruption, Bürokratie und Fachkräftemangel über dem EU-Durchschnitt. Tschechien besitzt die geringste Arbeitslosigkeit in der gesamten EU.

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