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Dara Brady Ryanair greift die Konkurrenz mit Fünf-Euro-Kampfpreisen an

Marketingchef Dara Brady flutet den Markt mit Billig-Tickets. Die Offensive zeigt, wie sehr sich die Lage bei Europas größter Fluglinie verschlechtert hat.
02.09.2020 - 04:14 Uhr 2 Kommentare
Die ständig wechselnden Quarantänevorschriften der Regierungen machen Ryanairs Marketing-Chef das Leben schwer. Quelle: Ryanair
Dara Brady

Die ständig wechselnden Quarantänevorschriften der Regierungen machen Ryanairs Marketing-Chef das Leben schwer.

(Foto: Ryanair)

London Dara Brady hat bei Ryanair schon viel gesehen, seit er 2002 bei dem irischen Billigflieger angefangen hat. So eine Krise wie die Corona-Pandemie hat der Veteran jedoch noch nie erlebt. „Die Umgebung verändert sich ständig“, sagt der 38-jährige Marketingchef. „Quarantäneregeln werden eingeführt und aufgehoben, es ändert sich jeden Tag, das macht es sehr schwer zu planen.“

Wie verzweifelt die Lage ist, zeigt die jüngste Rabattaktion. Brady kündigte am Dienstag einen zweitägigen Verkauf von einer Million Fünf-Euro-Tickets an. Damit soll die Auslastung der Maschinen kurzfristig verbessert werden.

Europas größte Fluggesellschaft hat sich vom Coronaschock noch nicht erholt. In der Hochsaison im Juli und August fanden nur 40 Prozent der geplanten Flüge statt, die Auslastung der Flieger lag mit 70 Prozent deutlich unter den vorher üblichen 90 Prozent. Und eine baldige Besserung ist laut Brady nicht in Sicht.

Eigentlich hatte Ryanair den Flugplan im Herbst weiter hochfahren wollen, doch nachdem die Quarantäneregeln in mehreren europäischen Ländern verschärft wurden, brach die Nachfrage ein. Am härtesten wurde die Airline vom Schlingerkurs der britischen Regierung getroffen, die in schneller Folge mehrere Länder für sicher oder unsicher erklärt hatte. Das „Flipflopping“ zerstöre das Vertrauen der Passagiere, klagt Brady.

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    Der Manager rechnet nun damit, dass auch im September und Oktober nur 40 Prozent der Flüge stattfinden. Die Aktion mit den Fünf-Euro-Tickets soll helfen, die Auslastung wenigstens bei 70 Prozent zu halten.

    Billigstrategie stößt an Grenzen

    Ryanair-Chef Michael O’Leary hatte kürzlich vor einem Preiskrieg gewarnt, den die großen Airlines wie Lufthansa und Air France/KLM anzetteln würden, nachdem sie Milliardensubventionen von ihren Regierungen erhalten hatten. Nun ist es doch wieder der Billigflieger, der selbst den Startschuss abfeuert.

    Dabei ist zunehmend fraglich, ob das Geschäftsmodell noch funktioniert. Die Strategie, möglichst frühzeitig durch günstige Tickets die Maschinen vollzukriegen, stößt an ihre Grenzen, wenn jede langfristige Buchung storniert zu werden droht. Buchungen fänden nur noch in letzter Minute statt, bestätigt Brady. Kaum jemand buche heute schon eine kurze Städtereise im November, weil man nicht wisse, wie die Corona-Lage dann aussehe. Buchungen konzentrierten sich aktuell auf ein Fenster von acht Wochen.

    Er sieht dennoch keinen Grund, die Strategie grundlegend zu ändern. Niedrige Preise blieben der Haupttreiber für die Nachfrage bei Ryanair, sagt er. „Aber wir werden niedrigere Preise näher am Abflugdatum sehen.“

    Auch beim Flugplan fährt das Unternehmen nun sehr stark auf Sicht. Mehr als acht Wochen könne man nicht mehr im Voraus planen, sagt Brady. Man werde die Zahl der Flüge den Winter hindurch kontinuierlich an die Nachfrage anpassen.

    Angesichts der sich eintrübenden Lage scheint die von O‘Leary angepeilte Marke von 60 Millionen Passagieren in diesem Jahr bereits Makulatur. Das Gleiche gilt für den geplanten Kauf von 40 neuen Boeing-Max-Flugzeugen bis zum Sommer 2021. Brady bekräftigt beide Ziele, räumt aber ein, dass dies eine vorläufige Position sei. „Sechs oder neun Monate sind in der Corona-Zeit schwer vorherzusagen“, sagt er.

    Schließungen noch nicht vom Tisch

    Das Management nutzt die Krise dazu, die Kosten an jeder Ecke zu drücken. Verträge mit Mitarbeitern, Lieferanten und Flughäfen werden radikal nachverhandelt. Inzwischen habe man mit fast allen Piloten und Flugbegleitern Gehaltsverzicht vereinbart, sagt Brady zufrieden. Deshalb werde man am Ende weniger als die zunächst angekündigten 3000 Stellen abbauen. Wie viel weniger, sei noch nicht entschieden, sagt der Manager. Die Gespräche mit dem deutschen Kabinenpersonal etwa laufen noch.

    Die angedrohte Schließung der Basen an den deutschen Standorten Frankfurt-Hahn, Berlin-Tegel und Weeze ist noch nicht vom Tisch. Alle Basen und Routen würden weiterhin geprüft, sagt Brady. Mit einer Entscheidung rechnet er in den kommenden Wochen. Die Zukunft der deutschen Basen hänge nicht allein am Ausgang der Gehaltsverhandlungen, sagt Brady. Entscheidend sei letztlich die Nachfrage der Kunden.

    Während einige der Provinzflughäfen möglicherweise aufgegeben werden, will Ryanair um die 24 Start- und Landerechte an den Drehkreuzen München und Frankfurt mitbieten, die die Lufthansa als Bedingung für ihre Staatshilfen aufgeben muss. „Wenn es eine Gelegenheit gibt, werden wir diese immer ergreifen“, sagt Brady. Mittelfristig erwartet er, dass Flughäfen um Passagiere betteln und den Airlines gute Angebote machen werden.

    Nur bei einem Thema wird der freundliche Ire etwas erregt. Laut Flugrechteportalen zählt Ryanair zu den Fluggesellschaften, die stornierte Tickets am langsamsten erstatten, Konkurrent Easyjet hingegen mit am schnellsten. „Das Narrativ, dass Easyjet Passagieren die Ticketpreise erstattet und Ryanair nicht, ist komplett inakkurat“, sagt er. Was stimmt, ist von außen schwer zu beurteilen. Bei Fünf-Euro-Tickets ist der Verlust immerhin leichter zu verschmerzen.

    Mehr: Ryanair rutscht in die roten Zahlen

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    2 Kommentare zu "Dara Brady: Ryanair greift die Konkurrenz mit Fünf-Euro-Kampfpreisen an"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Immer wieder diese Billigflieger! Fliegen muss viel teurer werden, wegen der Natur!

    • Das geht alles noch mehr an den Mitarbeitern raus. RyanAir ist für mich schon lange auf der NoFly-Liste.

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