Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Das Geschäft mit dem Karneval Schunkeln für die Konjunktur

Wenn „das Trömmelche jeht“, dann steht der Kölner parat. Er kann nicht anders. Der jecke Ausnahmezustand lässt bei Wirten, Hotels die Kassen klingeln – und so mancher verdient sich eine goldene Nase.
  • Maren Lohrer
Kommentieren
Die Jecken sorgen im Karneval für Umsatz bei den Wirten und voll belegte Hotels. Quelle: dpa
Pappnasen in Spendierlaune

Die Jecken sorgen im Karneval für Umsatz bei den Wirten und voll belegte Hotels.

(Foto: dpa)

Köln Weshalb ist der Rheinländer so krisenunabhängig fröhlich? Der Kabarettist Jürgen Becker, Gründer der alternativen Stunksitzung, erklärt dies anhand eines Liedes von den Bläck Fööss: „Drink doch eine met!“ Wer hinterher die Zeche zahlt, spielt vor allem im Karneval offenbar keine Rolle. Denn für das närrische Treiben gibt der Kölner Jeck alles, so singen etwa „De Räuber“: „De Oma jeht nom Pfandhuus, versetzt et letzte Stöck,denn d´r Fastelovend es für sie et jrößte Jlöck.“ Karneval als närrisches Konjunkturprogramm?

460 Millionen Euro Wirtschaftskraft entfaltet der Kölner Karneval laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) von 2009. „Die Zahlen sind noch immer aktuell“, sagt Sigrid Krebs vom Festkomitee des Kölner Karnevals. Grob ein Drittel dieser gewaltigen Summe entfällt dabei jeweils auf Züge, Sitzungen und den Kneipenkarneval.

In Köln gibt es weit über 500 Veranstaltungen in einer Session, da mangelt es nicht an Gelegenheiten zum Geldausgeben: „Dann weed d´r Aap jemaht, egal, wat et och koss“, auch das singen „De Räuber“. Um sich jedoch stilecht zum Affen zu machen, muss sich der Jeck verkleiden. Rund 1,5 Millionen Kostüme und 460.000 Accessoires werden im Kölner Fasteleer an den Narr gebracht - etwa 62,6 Millionen Euro werden damit laut BCG umgesetzt.

Herbert Geiss profitiert vom rheinischen Frohsinn. Geiss ist Deiters-Inhaber, das Unternehmen betreibt 15 Filialen, darunter „Das größte Karnevalskaufhaus der Welt“. Die rote Clownsnase („Pappnas“) gibt es ab 30 Cent, das Herrenkostüm „Pirat Sparrow“ kostet 69,95 Euro, das Kinderkostüm „Ritter Junge“ ist für 29,95 Euro erhältlich. „In der Session machen wir 70 Prozent des Umsatzes“, sagt Geiss und ergänzt: „Karneval ist relativ krisensicher.“

Und so schunkeln auf den Sitzungen dann Mönch neben Vampir, Römer neben Ritter, Polizist neben Pirat, die Stimmung ist ausgelassen - trotz der oft astronomischen Preise. Denn es fallen nicht nur Kosten für die Tickets, sondern auch für die Gastronomie an. Allerdings sind aus den Erlösen auch die auftretenden Künstler zu bezahlen. Bei den Gagen hält man sich hier bedeckt. Eine Nachwuchsband erzählte, dass sie rund 1300 Euro pro Auftritt bekäme.

Doch die Sitzungen lohnen sich - nicht nur aus Spaß an der Freud, sondern auch zum Netzwerken. Es ist in Köln Usus, dass viele Unternehmen ihre Kunden und Geschäftspartner auf eine Sitzung einladen, andere nehmen ihre Mitarbeiter zum hierhin zum Betriebsausflug. Ohnehin bieten viele Arbeitgeber ihren Angestellten zu Weiberfastnacht und Rosenmontag zusätzliche Urlaubstage an.

Und noch ein Kölsch
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Das Geschäft mit dem Karneval - Schunkeln für die Konjunktur

0 Kommentare zu "Das Geschäft mit dem Karneval: Schunkeln für die Konjunktur"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote