Das Schlecker-Drama Der größenwahnsinnige König von Ehingen

Anton Schlecker herrschte auf dem Höhepunkt seines Erfolges über 50.000 Mitarbeiter und 14.000 Filialen in 17 Ländern. Zwei Charaktereigenschaften bestimmten Aufstieg und Fall des Familienunternehmers: Sturheit und Größenwahn.
Update: 18.07.2012 - 12:18 Uhr 57 Kommentare
Anton Schlecker: Er hatte die richtige Idee zur richtigen Zeit. Quelle: dpa

Anton Schlecker: Er hatte die richtige Idee zur richtigen Zeit.

(Foto: dpa)

EhingenJuli 2010: Anton Schlecker sitzt im Konferenzraum seiner Firmenzentrale in Ehingen, im sechsten Stock, hinter Spiegelglas, und wartet auf den Feind. Es ist Sommer, und Schlecker sitzt in seinem Stuhl mit der orthopädischen Rückenlehne, vor ihm der Konferenztisch, leer, kein Blatt Papier, kein Getränk. Im Raum nur er und seine Frau Christa. Er würde hier nicht sitzen, wenn er nicht müsste. Aber alleine kommt Schlecker nicht mehr weiter.

Schlecker springt auf, als Professor Norbert Wieselhuber, Unternehmensberater aus München, Spezialist für Familienunternehmen, hereinkommt. Schlecker gibt ihm die Hand, spricht von seiner Freude, vom Anpacken, von einem gemeinsamen Stück Arbeit.

Es muss Anton Schlecker wirklich schlechtgehen, wenn er Wieselhuber zu sich einlädt. Auf Männer wie ihn war Schlecker schlecht zu sprechen. Was solle denn so ein Berater aus München oder Stuttgart, einer, der keine Ahnung vom Handel habe, der das Geschäft nicht kenne, ihm erzählen, fragt er seine Mitarbeiter. Diese Unternehmensberater, das seien doch genau wie Banker alles Betrüger. Noch im Januar 2010 sagt Schlecker in einem Interview: "Wir brauchen keinen Strategieberater."

Und genau so einer steht nun vor ihm. Und Schlecker muss jetzt mit diesem Mann, diesem Außenseiter, über seine Fehler sprechen. Darüber, warum die Leute ihre Seife nicht mehr bei ihm kaufen wollen.

Das Imperium, das Schlecker in mehr als drei Jahrzehnten aufgebaut hat, bröckelt: Konkurrenten wie dm und Rossmann gewinnen seit Jahren stetig Marktanteile hinzu, die Schlecker verliert. Mehr als eine halbe Milliarde Euro Verlust hat sich das Unternehmen in den letzten fünf Jahren eingehandelt.

Noch glaubt der Patriarch, dass nicht alles zu spät ist. Dass er die Kontrolle über sein Imperium mit jetzt 12 700 Filialen und 46 000 Mitarbeitern in 17 Ländern zurückgewinnen kann. Zusammen mit Wieselhuber. Der aber hat die Zahlen noch nicht gesehen.

Anton und Anton
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57 Kommentare zu "Das Schlecker-Drama: Der größenwahnsinnige König von Ehingen"

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  • also amn muss doch wirklich sagen, dieser mann hat jahrzehnte lang menschen ihre existenzen gegeben.
    wenn es Sklaverei war warum haben dann über 50.000 Menschen dort gearbeitet? Es ist nicht schön da eine so große menge Menschen aufeinmal arbeitslos sind aber wie hätte man es verhindern sollen ?
    Wenn dieser Mann alles "falsch" gemacht hat, warum hat es dann so lange mit so großem Erfolg funktioniert ?
    Meiner Meinung nach kann man es auch von dieser Seite betrachten.

  • Volle Zustimmung

  • Volkshochschule?

  • Bei Schlecker ist sicher viel falsch gelaufen. Aber eines kann man A. Schlecker nicht vorwerfen: nämlich, dass er mit seiner Firma seine persönliche Bereicherung auf die Spitze getrieben hat!
    Andere haben bei der Firmengründung nur ihre Gewinnmaximierung und schnellen Börsengang im Focus.
    Danach nach mir die Sintflut. Hauptsache schnell reich.
    Beispiele gibts zu Hauf: fast alle neuen Markt Gründer. Haffa und Co, Maschmayer... Auch viele Ex Vorstände Middelhoff, Schremp...
    Schlecker ist dagegen schon (fast) bedauernswert.
    Wenn er Glück hat, bleiben seiner Familie, nach zig Jahren, ein paar Millionen. Hätte er es anders
    gemacht, hätte er Heute mehr als eine Milliarde und wäre nicht der Buhmann!

  • @ Auenland
    Sorry - es ist doch Quatsch, dass die Medien Schlecker ruiniert haben, obwohl Medien manchmal eine merkwürdige Position beleuchten. Da kriegten aber auch schon Aldi und Liedl ihr Fett weg und die sind nicht Pleite.

    An Ihrer Position ist falsch, dass Sie einen Ausbeuter zum Maßstab für den anderen machen. Selbstverständlich sind Teilarbeitsfirmen größten Teils keine besseren arbeitgeber als Schlecker. Alles unterer Rand und damit kein Maßstab. Der muß höher liegen.

  • @tuduc

    - JA -

  • Leute, das Problem ist nicht Schlecker, das Problem sind die Politik und die Banken.. Wir alle haben die Banken und die Politik einfach zuviel Einfluss auf unser leben nehmen lassen..Sie machen mit uns was die wollen.. Es kann doch nicht sein das eine Bank über den Schicksal 20.000 Menschen entscheiden kann und die Politik einfach zuschaut und entzieht sich aller Verantwortung... Wie ebenso eine Rating Agentur eine Hand voller Männer die entscheiden ob ein land stark genug ist oder nicht.... Es ist ein spiel der sich seid 2000 Jahren immer wieder wiederholt ( HALTE DEN VOLK KLEIN UND SIE WERDEN GEHÖRCHEN)

  • Leute, das Problem ist nicht Schlecker, das Problem sind die Politik und die Banken.. Wir alle haben die Banken und die Politik einfach zuviel Einfluss auf unser leben nehmen lassen..Sie machen mit uns was die wollen.. Es kann doch nicht sein das eine Bank über den Schicksal 20.000 Menschen entscheiden kann und die Politik einfach zuschaut und entzieht sich aller Verantwortung... Wie ebenso eine Rating Agentur eine Hand voller Männer die entscheiden ob ein land stark genug ist oder nicht.... Es ist ein spiel der sich seid 2000 Jahren immer wieder wiederholt ( HALTE DEN VOLK KLEIN UND SIE WERDEN GEHÖRCHEN)

  • Ich denke, daß jeder, der schon einmal in einem Schlecker-Laden und in einem von DM eingekauft hat weiß, warum Schlecker pleite und DM erfolgreich ist.

  • Wer den unternehmerischen Abgang von Borgward mit der Schleckerpleite vergleicht dokumentiert dass er Null Ahnung hat.

    Bei Borgward blieben nach der Konkursabwicklung noch einige Millionen übrig. Borgward wie auch Vater und Sohn Glas in Dingolfing waren nicht pleite sondern illiquide, weil sie von den Banken auf Druck von großen Mitbewerbern kein frisches Geld bekamen.

    Und jetzt raten Sie mal wer seitdem fett in den Standorten Bremen bzw. Dingolfing produziert.

    Auch bei Friedrich Jahn lagen die Dinge anders.

    Wir werden schon sehen was aus dem Schleim der Schleckerpleite noch alles zum Vorschein kommt.
    Ich denke, dass außer den Schleckers auch die Mitarbeiter, die Gewerkschaften (auch die Vorgänger von Ver.di) die Behörden und die Politik eine Menge an Mitschuld tragen müssen.

    Auffällig war jedenfalls, dass sowohl Aldi als auch Lidl ihr Drogeriesortiment mindestens verdoppelt hatten als sie witterten, dass Schlecker waidwund war.

    Der Witz dabei: Schlecker hatte bei seinem Freund Schwarz lt. Presseveröffentlichung 50 Millionen als Anleihe untergebracht. Wo die wohl geblieben sind? Bei Lidl war übrigens seinerzeit auch die WestLB mit 500 Mio dabei.

    Und als dann die vereinigte Schleckerkonkurrenz anzeigte, dass die Flächen deckende Versorgung (Dörfer und Kleinstädte ausgenommen) gesichert sei, kam der Startschuss für den Untergang. Und der kam erst mal wie ein Domino in die Gänge als die vereinigten Lieferanten das Signal bekamen, dass sich die vorübergehenden Umsatzausfälle in Grenzen halten würden. Die derzeitigen Pluszahlen von DM und Co. sprechen für sich.

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