Das Schlecker-Drama Der größenwahnsinnige König von Ehingen

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Die Frau an seiner Seite

Seine Frau Christa lernte Anton Schlecker 1970 beim Tanztee in Göppingen kennen. Anton entdeckte die Fremdsprachensekretärin an einem Tisch und forderte sie zum Tanz auf. Rumba, Cha-Cha-Cha, Jive. Die Kapelle spielte den ganzen Abend. Anton und Christa blieben zusammen. Sie heirateten; schon 1971 kam Sohn Lars auf die Welt, zwei Jahre später seine Schwester Meike. Anton nahm seine Christa mit in die Firma, gab ihr die Macht über das Personal. Die beiden teilten sich ein Büro, Schreibtisch an Schreibtisch. Arbeit und Familie wurden eins.

Im Unternehmen waren ihre Rollen klar verteilt. Schlecker war keiner, der sich gerne aufregte. In Besprechungen zeigte er manchmal stundenlang keine Regung, und wenn ihn doch einmal etwas wirklich störte, dann sagte Schlecker es der Frau an seiner Seite.

Christa Schlecker, so berichten Mitarbeiter aus der Zentrale, war die Frau fürs Grobe. Schlecker brauchte nur eine Bemerkung zu machen, und Christa stürmte los. Schimpfend und fluchend hörte man sie dann auf den Gängen des Firmengebäudes. Mitarbeiter fragte sie nach Zehn-Stunden-Tagen, ob sie schon nach Hause wollten. Halbtagskräften warf sie kurz vor Feierabend ganze Papierstapel auf den Tisch, drohte mit Abmahnung bei Nichterledigung. "Mitarbeiter sind wie Möbel", erinnert sich ein Direktor an einen ihrer Aussprüche. "Wenn sie einem lästig werden, wirft man sie einfach raus."

Außer Christa gab es nur wenig andere Menschen, denen Schlecker vertraute.

Welche Pleitefirmen das Comeback geschafft haben
Studie: Deutsche Solarfirmen unter Druck
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Solarmodul der Conergy AG in Frankfurt an der Oder. Die deutsche Solarbranche gerät durch die stark subventionierte chinesische Konkurrenz zunehmend unter Druck. Allein im vergangenen Dezember meldeten die Solarzellen- und Modulhersteller Solon und Solar Millenium Insolvenz an. Beim Konstanzer Solarzellenhersteller Sunways hat der langjährige chinesische Partner LDK die Mehrheit übernommen. Sunways hatte im vergangenen Jahr mit dem Preisverfall in der Solarbranche und schwächerer Nachfrage zu kämpfen. Der Umsatz dürfte sich 2011 auf 110 Millionen Euro halbiert haben. LDK kann nun von den Technologien und dem Vertriebsnetz des Konstanzer Unternehmens profitieren.

Modelleisenbahnhersteller Märklin - Stefan Löbich
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So wichtig die Solarbranche ist, viele ihrer Unternehmen sind der breiten Bevölkerung unbekannt. Bei Märklin ist das ganz anders: Im Februar 2009 musste der schwäbische Modelleisenbauer Insolvenz anmelden. Bereits ein knappes Jahr später schrieb das Unternehmen wieder schwarze Zahlen. Zwischenzeitlich war das Lager reduziert, das Werk in Nürnberg geschlossen und mehrere hoch dotierte Manager entlassen worden. Das Ergebnis: der Gewinn vor Steuern (Ebit) betrug 10,1 Millionen Euro. Derzeit arbeitet Geschäftsführer Stefan Löbich daran, Kinder wieder mehr für die Modelleisenbahn zu begeistern.

Rosenthal
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1879 von Philipp Rosenthal in Selb nahe der tschechischen Grenze gegründet, musste der Hersteller hochwertigen Porzellans 2009 Konkurs anmelden. Der langjährige irisch-britische Mehrheitsgesellschafter Waterford Wedgewood hatte das deutsche Traditionsunternehmen mit in den Strudel gezogen. Bereits einige Monate später ist Rosenthal Teil der italienischen Besteckherstellers, Sambonet Paderno. Seitdem führten die Brüder Pierluigi und Franco Coppo, Geschäftsführer von Rosenthal, beispielsweise eine günstigere Linie für die Gastronomie unter der Marke Arthur Krupp ein. 2011 lag der Umsatz mit 85 Millionen Euro allerdings nur etwa auf Vorjahresniveau.

Schiesser AG wird nicht mit Joop zusammenarbeiten
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Schiesser Feinripp mit Eingriff: Im Februar 2009 konnte eine Insolvenz der Kultfirma aus Radolfzell am Bodensee nicht mehr abgewendet werden. Hauptgrund waren damals unrentable Verträge mit Lizenzpartnern wie Tommy Hilfiger und Puma. Der Unterwäschehersteller entließ daraufhin Mitarbeiter und stieg aus vielen Verträgen aus. Mit Erfolg: Bereits im gleichen Jahr kehrte Schiesser in die Gewinnzone zurück. Eine geplante Zusammenarbeit mit Modemacher Wolfgang Joop war dann nicht mehr nötig. Ein für das zweite Quartal 2011 geplanter Börsengang ist jedoch schon mehrmals verschoben worden.

Billigkaufhaus Woolworth findet Käufer für 100 Filialen
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Keine große Überraschung war 2009 die Pleite der Billigkaufhauskette Woolworth. Im Juli 2010 übernahm schließlich die HH-Holding, die Dachgesellschaft der Tengelmann-Gruppe, Woolworth Deutschland. Zur Gruppe gehört auch der Textil-Discounter Kik. Aktuell betreibt Woolworth in Deutschland rund 180 Kaufhäuser mit 4.300 Mitarbeitern.

huGO-BildID: 15261838 ARCHIV - Mitarbeiter laufen am 2. September 2008 mit Regenschirmen vor der Zentrale des Karstadt Mutterkonzerns Arcandor in Ess
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Mitarbeiter vor der Zentrale des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor in Essen. Die Pleite des Handelskonzerns im Juni 2009 war eine der spektakulärsten der vergangenen Jahre. Während die Einzelhandelskette Karstadt vorerst durch den Investor Nicolas Berggruen gerettet werden konnte, wurde der Versandhandel Quelle abgewickelt. Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz verlor als Bürgin den größten Teil ihrer Milliarden-Erbschaft.

Autozulieferer Edscha meldet Insolvenz an
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Der Remscheider Automobilzulieferer Edscha, spezialisiert auf Cabriodachsysteme und Türscharniere, konnte dem weltweiten Absatzeinbruch 2009 nicht standhalten. Im Februar 2009 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Die Cabriodach-Sparte kaufte der bayerische Konkurrent Webasto AG. Im März 2010 stimmten die Kartellbehörden auch dem Kauf der Scharniersystem-Sparte durch den spanischen Zulieferer Gestamp Automoción zu.

Da war "Gottvater" Reinhold Freudenreich. Er war der Mann, der mehr über das Unternehmen Schlecker wusste als Schlecker selbst. "Freudenreich hätte die Firma sogar verkaufen können, er hatte Generalvollmacht", sagt ein Kollege von ihm. Freudenreich, heute 85 Jahre alt, war es, der mit 81 Jahren die Übernahme des Konkurrenten "Ihr Platz" einfädelte. Die Drogeriekette war 2005 pleitegegangen und fand keine neuen Investor. Ende 2007 saß Freudenreich den Verhandlungsführern von Goldman Sachs gegenüber und drückte die feinen Bankiers im Preis. Am Ende zahlte Schlecker nur 60 Millionen Euro. "Ihr Platz" wurde zu Schleckers Zweitmarke.

Neben Freudenreich gab es fünf Altdirektoren, die Schlecker von seinem Vater übernahm. Sie steuerten Einkauf, Verkauf, Logistik und Finanzen. Schlecker ließ sie gewähren, spendierte ihnen S-Klasse-Limousinen von Mercedes. Die S-Klasse-Direktoren wurden sie genannt - die jüngeren Direktoren bekamen nur die E-Klasse.

Mit ihnen machte Schlecker immer wieder Reisen. Wochenendausflüge nach Rom, Paris, Berlin, London, Prag. Er wollte ihre Frauen bei Laune halten, denn die meisten waren mehr in der Firma als zu Hause. Nur Schlecker selbst nahm seine Frau ja gleich mit zur Arbeit.

Einmal im Jahr bestellte Schlecker seine fünf engsten Angestellten samt Gattinnen zum Weihnachtsessen. Sie saßen an einer langen Tafel, weiß gedeckt, mit Silberbesteck und Kristall. Ein Caterer fuhr Gang um Gang auf. Schlecker, am Tischende thronend, stellte Fragen, seine Untergebenen antworteten. Nacheinander. Keiner wagte es, zu unterbrechen oder ihm ins Wort zu fallen, erzählt ein Teilnehmer dieser Runden. Schlecker schaffte es, ein Essen in großer Runde in eine Serie von Vier-Augen-Gesprächen zu verwandeln. Es waren nicht immer angenehme Abende.

Anton Schlecker verhindert jede Veränderung
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57 Kommentare zu "Das Schlecker-Drama: Der größenwahnsinnige König von Ehingen"

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  • also amn muss doch wirklich sagen, dieser mann hat jahrzehnte lang menschen ihre existenzen gegeben.
    wenn es Sklaverei war warum haben dann über 50.000 Menschen dort gearbeitet? Es ist nicht schön da eine so große menge Menschen aufeinmal arbeitslos sind aber wie hätte man es verhindern sollen ?
    Wenn dieser Mann alles "falsch" gemacht hat, warum hat es dann so lange mit so großem Erfolg funktioniert ?
    Meiner Meinung nach kann man es auch von dieser Seite betrachten.

  • Volle Zustimmung

  • Volkshochschule?

  • Bei Schlecker ist sicher viel falsch gelaufen. Aber eines kann man A. Schlecker nicht vorwerfen: nämlich, dass er mit seiner Firma seine persönliche Bereicherung auf die Spitze getrieben hat!
    Andere haben bei der Firmengründung nur ihre Gewinnmaximierung und schnellen Börsengang im Focus.
    Danach nach mir die Sintflut. Hauptsache schnell reich.
    Beispiele gibts zu Hauf: fast alle neuen Markt Gründer. Haffa und Co, Maschmayer... Auch viele Ex Vorstände Middelhoff, Schremp...
    Schlecker ist dagegen schon (fast) bedauernswert.
    Wenn er Glück hat, bleiben seiner Familie, nach zig Jahren, ein paar Millionen. Hätte er es anders
    gemacht, hätte er Heute mehr als eine Milliarde und wäre nicht der Buhmann!

  • @ Auenland
    Sorry - es ist doch Quatsch, dass die Medien Schlecker ruiniert haben, obwohl Medien manchmal eine merkwürdige Position beleuchten. Da kriegten aber auch schon Aldi und Liedl ihr Fett weg und die sind nicht Pleite.

    An Ihrer Position ist falsch, dass Sie einen Ausbeuter zum Maßstab für den anderen machen. Selbstverständlich sind Teilarbeitsfirmen größten Teils keine besseren arbeitgeber als Schlecker. Alles unterer Rand und damit kein Maßstab. Der muß höher liegen.

  • @tuduc

    - JA -

  • Leute, das Problem ist nicht Schlecker, das Problem sind die Politik und die Banken.. Wir alle haben die Banken und die Politik einfach zuviel Einfluss auf unser leben nehmen lassen..Sie machen mit uns was die wollen.. Es kann doch nicht sein das eine Bank über den Schicksal 20.000 Menschen entscheiden kann und die Politik einfach zuschaut und entzieht sich aller Verantwortung... Wie ebenso eine Rating Agentur eine Hand voller Männer die entscheiden ob ein land stark genug ist oder nicht.... Es ist ein spiel der sich seid 2000 Jahren immer wieder wiederholt ( HALTE DEN VOLK KLEIN UND SIE WERDEN GEHÖRCHEN)

  • Leute, das Problem ist nicht Schlecker, das Problem sind die Politik und die Banken.. Wir alle haben die Banken und die Politik einfach zuviel Einfluss auf unser leben nehmen lassen..Sie machen mit uns was die wollen.. Es kann doch nicht sein das eine Bank über den Schicksal 20.000 Menschen entscheiden kann und die Politik einfach zuschaut und entzieht sich aller Verantwortung... Wie ebenso eine Rating Agentur eine Hand voller Männer die entscheiden ob ein land stark genug ist oder nicht.... Es ist ein spiel der sich seid 2000 Jahren immer wieder wiederholt ( HALTE DEN VOLK KLEIN UND SIE WERDEN GEHÖRCHEN)

  • Ich denke, daß jeder, der schon einmal in einem Schlecker-Laden und in einem von DM eingekauft hat weiß, warum Schlecker pleite und DM erfolgreich ist.

  • Wer den unternehmerischen Abgang von Borgward mit der Schleckerpleite vergleicht dokumentiert dass er Null Ahnung hat.

    Bei Borgward blieben nach der Konkursabwicklung noch einige Millionen übrig. Borgward wie auch Vater und Sohn Glas in Dingolfing waren nicht pleite sondern illiquide, weil sie von den Banken auf Druck von großen Mitbewerbern kein frisches Geld bekamen.

    Und jetzt raten Sie mal wer seitdem fett in den Standorten Bremen bzw. Dingolfing produziert.

    Auch bei Friedrich Jahn lagen die Dinge anders.

    Wir werden schon sehen was aus dem Schleim der Schleckerpleite noch alles zum Vorschein kommt.
    Ich denke, dass außer den Schleckers auch die Mitarbeiter, die Gewerkschaften (auch die Vorgänger von Ver.di) die Behörden und die Politik eine Menge an Mitschuld tragen müssen.

    Auffällig war jedenfalls, dass sowohl Aldi als auch Lidl ihr Drogeriesortiment mindestens verdoppelt hatten als sie witterten, dass Schlecker waidwund war.

    Der Witz dabei: Schlecker hatte bei seinem Freund Schwarz lt. Presseveröffentlichung 50 Millionen als Anleihe untergebracht. Wo die wohl geblieben sind? Bei Lidl war übrigens seinerzeit auch die WestLB mit 500 Mio dabei.

    Und als dann die vereinigte Schleckerkonkurrenz anzeigte, dass die Flächen deckende Versorgung (Dörfer und Kleinstädte ausgenommen) gesichert sei, kam der Startschuss für den Untergang. Und der kam erst mal wie ein Domino in die Gänge als die vereinigten Lieferanten das Signal bekamen, dass sich die vorübergehenden Umsatzausfälle in Grenzen halten würden. Die derzeitigen Pluszahlen von DM und Co. sprechen für sich.

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