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DB-Schenker-Chef Thewes im Interview Wie Europas größter Frachtkonzern die Welt mit Impfstoffen versorgen will

Schon bald soll DB Schenker Covid-19-Impfstoffe nach Übersee transportieren. Doch selbst in Deutschland gibt es für die Bahn-Tochter und ihre Wettbewerber noch hohe Hürden.
02.12.2020 - 15:42 Uhr Kommentieren
Die weltweite Verteilung des Impfstoffs wird zu einer Herausforderung für die Logistik. Quelle: Bloomberg
Verladen von Kühlcontainern

Die weltweite Verteilung des Impfstoffs wird zu einer Herausforderung für die Logistik.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Der Start einer weltweiten Impfaktion gegen den Corona-Erreger rückt immer näher. Bis spätestens 29. Dezember, so stellte die Europäische Arzneimittelagentur Ema am Dienstag in Aussicht, könnte es eine Zulassung für den Covid-19-Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer geben. Großbritannien hat bereits vorgelegt und erteilte dem Mittel am Mittwoch eine Notfallzulassung.

Doch damit fangen manche Probleme erst an: Die Verteilung der Vakzine werde in den kommenden Monaten kompliziert, erläutert Jochen Thewes, Vorstandschef der Bahn-Speditionstochter DB Schenker, dem Handelsblatt. So sei etwa die Standortfrage für Warenverteilzentren noch ungeklärt, ebenso wie eine geeignete und zwingend notwendige Kühltechnik. Hinzu komme, dass sich an der Impfversorgung beteiligte Logistiker einem aufwendigen Zertifizierungsprozess unterziehen müssen.

„Schwierig wird es, wenn wir in Länder fliegen, in denen es eine weniger gute Infrastruktur gibt“, sagt Thewes. Mancherorts sei eine Versorgung aus der Luft technisch kaum möglich, sodass die Impfstoffe voraussichtlich per Seefracht verschifft und per Lkw-Verkehr transportiert werden müssten.

Nahezu sicher ist aber schon, dass Europas größter Frachtkonzern bei der Verteilung des Serums mitmischen wird. „Wir werden für einen großen Produzenten Impfstoffe zwischen Europa und Lateinamerika transportieren“, kündigt Thewes an. Es gebe dazu seit Kurzem einen Vorvertrag mit einem Pharmaproduzenten, dessen Namen Schenker allerdings noch nicht preisgeben will.

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    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Thewes, mit der Impfstoffverteilung wird es bald losgehen. Haben sich Auftraggeber bei Ihnen gemeldet?
    Die Ausschreibungen, die wir bis dato bekommen haben, stammen bislang von einzelnen Herstellern. Natürlich sind wir mit den namhaften Firmen auf beiden Seiten des Atlantiks im Gespräch. Zudem bereiten sich die Bundesländer gerade auf die Verteilung von Impfstoffen vor, auch von ihnen planen einige eine Ausschreibung – und zwar für die Logistik, Lagerung und Verteilung. Hier sind die ersten Vorgespräche gelaufen.

    Vorverträge gibt es also noch nicht?
    Doch, auch die gibt es. Wir werden für einen großen Produzenten Impfstoffe zwischen Europa und Lateinamerika transportieren. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Namen nennen können.

    Investieren Sie in ein eigenes Impfstoff-Verteilsystem?
    Absolut. Wir schauen uns verschiedene Themen an. Dabei stellen wir uns die Frage: Wie wird die Distribution am Anfang passieren? Jene Pharmafirmen, die aktuell die besten Chancen haben, produzieren sowohl in Nordamerika wie auch hier in Europa. Deshalb rechnen wir in der ersten Welle mit einer Verteilung über den Landverkehr von US-Herstellern für den US-Markt sowie intra-europäische Transporte. Die Luftfracht brauchen wir für Transporte aus Europa nach Lateinamerika sowie nach Asien. Das zeigen die Vorverträge und Aufträge der jeweiligen Regierungen an die Hersteller.

    Dies dürfte Schenker als europäischem Marktführer im Lkw-Verkehr in die Karten spielen. Doch gelingt Ihnen auch die Kühlkette?
    Wir schauen uns derzeit an, was verfügbar ist. Man kann die Kühltemperatur von minus 70 Grad, die laut aktueller Information von Biontech zum Transport des Impfstoffs notwendig ist, nicht mit normalem Kühlequipment hinbekommt. Deshalb benötigen wir Trockeneis – das aber in ausreichendem Maß verfügbar ist.

    „Der Preis spielt zwar immer eine Rolle. Doch gerade im Pharmabereich ist vor allem Qualität gefragt.“ Quelle: Reuters
    DB-Schenker-Chef Jochen Thewes

    „Der Preis spielt zwar immer eine Rolle. Doch gerade im Pharmabereich ist vor allem Qualität gefragt.“

    (Foto: Reuters)

    Schwieriger wird es wohl bei der Lager-Infrastruktur, oder?
    Die große Frage ist: Wie werden die Impfungen tatsächlich durchgeführt? Hier sind die Stabilität und Haltbarkeit des Impfstoffs entscheidend, denn sie geben vor, wie der Prozess der Impfung am Ende aussieht. Sollte es in mobilen Impfzentren sein, könnte ein Kühltransporter einfach vorfahren – vielleicht noch mit einem Impfzelt daneben.

    Hört sich simpel an.
    Ist es aber nicht unbedingt. Bei Transporten von Medikamenten und Impfstoffen benötigen Logistiker ein Zertifikat über die sogenannte Good Distribution Practice, für das die EU strenge Anforderungen stellt in Sachen Räumlichkeiten, Prozesse und Dokumentation. Selbst einzelne Lager müssen dabei zertifiziert werden, sodass wir solche Standorte derzeit prüfen. Der Vorstand von DB Schenker hat vergangene Woche zusätzlich 24 Stellen für Mitarbeiter geschaffen, die sich ausschließlich damit befassen.

    Mit wie vielen Lagerstandorten rechnen Sie?
    Das hängt von der Zahl der geplanten Impfzentren ab. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise soll es laut Landesregierung in jeder Stadt über 70.000 Einwohnern eines geben. Ebenfalls zu berücksichtigen ist, wie lange die Impfstoffe mit einer geringeren Kühlung haltbar bleiben und wie leicht sie damit transportfähig sind.

    Werden Sie selbst neue Verteilzentren errichten?
    Wahrscheinlich nicht, das würde zu lange dauern. Eher wird es zusätzliche Tiefkühlräume an bereits existierenden Standorten geben.

    Ab wann werden sie bereitstehen?
    In der ersten Runde werden es nur kleinere Mengen des Impfstoffs sein, die an Risikogruppen wie Pflegekräfte, Altenheime, Lehrer oder Polizisten verteilt werden. Hier dürften zunächst eher Express- und Kurierdienste wie DHL, Fedex oder UPS gefragt sein, die kleine Mengen schnell ausliefern können. Wir kommen erst ins Spiel, wenn es um die Bereitstellung ganzer Paletten geht. Ich gehe davon aus, dass dies gegen Ende des zweiten Quartals 2021 sein wird, doch das hängt stark von der Dynamik der nächsten Wochen ab. Die Entwicklung der letzten Wochen ist beindruckend, und das Rennen um die Zulassung eines Impfstoffs läuft. Der Markt verändert sich jeden Tag.

    Neben der Landverteilung müssen Sie die Impfstoffe dann auch fliegen. Doch Trockeneis gilt als Gefahrstoff. Für Sie ein Problem?
    Je nach Flugzeugtyp gibt es unterschiedliche Grenzen, die von den nationalen Behörden streng kontrolliert werden. Daher liegt es an allen Beteiligten in der Lieferkette, hier eine optimale Lösung zu finden. In der Regel liegen die Grenzen bei zwei Tonnen Trockeneis pro Flieger. Das reicht, um etwa zehn Paletten zu kühlen. Das entspricht etwa zwei Millionen Impfdosen.

    Damit bliebe die Menge an Luftfracht übersichtlich. Gibt es aus Ihrer Sicht Alternativen? Etwa die Vakuum-Boxen des Herstellers Va-Q-Tec?
    Er ist im Moment wahrscheinlich der einzige Hersteller von Luftfracht-Kühlcontainern, der diese niedrigen Temperaturen sicherstellen kann, obwohl auch der Hersteller Skycell letzte Woche darüber informiert hat, dass er mit einer neuen Technologie minus 70 Grad sicherstellen kann. Va-Q-Tec verkauft seine Container teilweise direkt an die Hersteller, oder es gibt Leasing-Vereinbarungen mit Airlines und Spediteuren.

    Wegen des großen weltweiten Bedarfs gehen wir jedoch aktuell davon aus, dass alle Möglichkeiten genutzt werden müssen, um genügend Container verfügbar zu halten. Hinzu kommt: Auch die Va-Q-Tec-Boxen schaffen nur etwa minus 50 Grad, sodass Trockeneis hinzugefügt werden muss, um minus 70 Grad sicherzustellen.

    Kühlcontainer sollen den Transport der Corona-Impfstoffe ermöglichen

    Bekommen Sie die von manchen Herstellern geforderten minus 70 Grad überhaupt weltweit hin?
    Schwierig wird es, wenn wir in Länder fliegen, in denen es eine weniger gute Infrastruktur gibt – das betrifft Länder auf allen Kontinenten, vor allem aber in Afrika und Lateinamerika. Schon die Stromversorgung kann dort zu einem Problem werden. Hier wird es sehr schwierig, eine ultra-gekühlte Lieferkette bis zum Empfänger der Impfdosis zu garantieren.

    Wie sähe eine Lösung aus?
    Wir prüfen, ob es per Seefracht bessere Möglichkeiten gibt. Denn hier können wir den Kühlbetrieb über Dieselmotoren sicherstellen, das gilt im Übrigen auch für Lieferungen per Lkw.

    Auch Ihre Wettbewerber DHL, Kühne + Nagel, UPS oder Fedex wollen an der Impflogistik verdienen. Erwarten Sie beim Bieterwettbewerb Preiskämpfe?
    Der Preis spielt zwar immer eine Rolle. Doch gerade im Pharmabereich ist vor allem Qualität gefragt – denken Sie nur an die benötigten Qualitätsanforderungen wie die erwähnte EU-GDP-Qualifizierung – sowie ein gutes Netzwerk an geschultem Personal. Auch die vorhandene Infrastruktur der einzelnen Anbieter spielt eine wichtige Rolle. Der Preis wird deshalb wohl nicht das entscheidende Hauptkriterium sein, wie wir es bei anderen Warengruppen sehen.

    Herr Thewes, vielen Dank für das Interview.

    Mehr zum Thema: Möglicher Corona-Impfstoff bremst die Kursrally der Deutschen Post

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