Degradierung von Land und Boden Wenn sich der Acker vom Acker macht

Um Bio und Nachhaltigkeit geht es auf der Grünen Woche. Doch weltweit verlieren Ackerböden in drastischem Maße ihre Fruchtbarkeit. Dabei wäre deren Erhalt bitter nötig, um die Ernährung der Menschheit sicherzustellen.
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DüsseldorfWürmer, Bakterien, Milben, Algen und Pilze: Jeder Klumpen Erde strotzt vor Lebendigkeit und ist Basis allen Lebens. Hier wächst unser Essen, aber auch das Futter für Schweine, Rinder und Hühner. „Ein Reichtum, den die Menschheit pflegen sollte“, findet Walter Engelberg von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Bonn. Nur geschieht das nicht.

„Wir verlieren weltweit diese kostbare Ressource, weil sie wie Dreck behandelt wird“, bedauert der Diplom-Geograph, der bei der staatlichen Entwicklungsorganisation Leiter des Sektorvorhabens Desertifikationsbekämpfung ist. Er kämpft dagegen, das wertvoller Boden zu Wüste wird. Der Verlust von fruchtbarem Ackerland ist ein Problem, da gleichzeitig die Weltbevölkerung rasant wächst. Im Augenblick leben über 7,2 Milliarden Menschen auf der Erde.

Würde die gesamte Getreideernte zu Nahrungsmitteln verarbeitet statt zu Futtermitteln für Rinder, Schweine oder Geflügel, dann könnten vier Milliarden Menschen mehr ernährt werden, haben US-Forscher ausgerechnet. Quelle: dpa

Würde die gesamte Getreideernte zu Nahrungsmitteln verarbeitet statt zu Futtermitteln für Rinder, Schweine oder Geflügel, dann könnten vier Milliarden Menschen mehr ernährt werden, haben US-Forscher ausgerechnet.

(Foto: dpa)

Experten schätzen, dass pro Jahr über 82 Millionen Menschen dazu kommen. Ein Ende dieser rasanten Entwicklung, die zu 99 Prozent in Entwicklungsländern stattfindet, ist nicht in Sicht. Die Vorhersagen der Uno sind beängstigend: Bis 2100 könnten sich 11 Milliarden Menschen auf der Erde drängeln.

Damit steht die Welt vor einer gewaltigen Herausforderung, denn immer mehr Menschen verlangen auch nach immer mehr Nahrung. Schon zur Mitte des Jahrhunderts, so heißt es im aktuellen „Fleischatlas 2014“ der Heinrich-Böll-Stiftung und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), werden die Menschen weltweit alleine 470 Millionen Tonnen Fleisch essen und damit 150 Millionen Tonnen mehr als heute.

Das bleibt den Autoren zufolge nicht ohne Folgen für die Landwirtschaft, denn damit geht ein drastisch wachsender Flächenverbrauch für Futtermittel einher: Allein der Bedarf an Sojafuttermitteln zur Mästung der Schlachttiere würde von derzeit 260 Millionen auf über 500 Millionen Tonnen pro Jahr steigen.

Vor allem in Südamerika wachsen die Anbauflächen für Sojabohnen, die als Tierfutter in alle Welt verschifft werden. Das gehe auf Kosten des Regenwalds und entziehe den ansässigen Kleinbauern die Lebensgrundlage, heißt es im „Kritischen Agrarbericht“, der im Januar auf der Agrar- und Ernährungsmesse Grüne Woche vorgestellt wurde.

Fleisch frisst Land
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8 Kommentare zu "Degradierung von Land und Boden: Wenn sich der Acker vom Acker macht"

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  • @petervonbremen
    Der Vorschlag von Babsack ist unsere einzige Chance. In Alen Weismanns "Der Countdown" ist von einer für die Ökosysteme und Resourcen der Erde nachhaltig tragbaren Population des Menschen
    die Rede, bei einem Lebensstandart etwas unter europäischem Niveau
    aber mit Elektrizität, sauberem Wasser einem Dach über dem Kopf und gesundem Essen. Die kommen da auf ungefähr 2 Milliarden Menschen. Das ist eine Zahl die man ohne die Erungenschaften der grünen Revolution (massenhaft Kunstdünger, Pestizide, Gentechnik) ernähren könne. Mir scheinen die Zahlen schlüssig, wir sind eine
    Spezies die kurz davor ist die Grenzen ihres Wachstums zu erreichen. Alles Land wird bereits intensivst bestellt, das bißchen Regenwald ist auch in windeseile abgeholzt.
    Die Meere sind überfischt und mit Plastik vermüllt.
    Die Bewässerung der Flächen wird immer schwieriger (absinkendes Grundwasser, Versalzung des Bodens). Ein unerhörtes Artensterben ähnlich dem nach dem großen Meteoriteneinschlag (Sauriersterben) ist zu beobachten weltweit. Jedes auch noch so kleine prozentuale Wachstum ist eine Exponentialkurve, für sowas ist auf der Erde irgendwann Schluss. Die Frage ist ob wir das den Naturgesetzen überlassen wollen (das wird richtig hässlich) oder unserer Vernunft (leider unwarscheinlich wenn man sich anschaut wie internationale Kongresse ablaufen wenn es um Umweltprobleme globalen Ausmaßes geht).

  • @babsack69
    Immer diese wenig durchdachten Stammtischparolen.
    Warum nicht gleich Anleitungen zur Selbsttötung?

    Es ist ohne weiteres möglich, die gesamte Menschheit nachhaltig gesund und hinreichend zu ernähren. Ohne Monsanto und ähnliche Nichtsnutze. Außerdem wäre es überhaupt kein Problem, die finanziellen Mittel in der Welt so zu verteilen, dass niemand mehr seine Altersversicherung durch viele leibliche Kinder zu sichern sucht. Und die Reichen würden trotzdem reich bleiben. - Aber so richtig will das doch niemand.

  • In dem Ort, in dem ich wohne, hat ein Bauer vor 7 Jahren eine Biogas-Anlage errichtet.
    Seitdem wird jedes Jahr (!!) Mais angebaut, soweit das Auge reicht.
    Die im Ökowahn völlig überholten Begriffe wie "3-Frucht-Folge", "Bodenauslaugung", "Brachflächenerholung" und anderes lästiges Gedöns sind völlig untergegangen.

    Weiter so, Deutschland !!!!

  • müssen alle Menschen, die hungern weil es in ihrer Region nicht genug zu eesen gibt wirklich mit hingeschaffter Nahrung am Leben gehalten werden?

    Diese Menschen (in den Entwicklungsländern) werden nie genug zu essen haben aus ihrer Region. Sie werden dauerhaft von den Industrienationen in riesigen Lagern gefüttert. Das entspricht nicht der Evolution. Gerade diese Menschen bekommen 10 bis 20 Kinder. Wäre es nicht natürlicher und humaner sich einfach mal ein paar Jahre nicht drum zu kümmern?
    Ich weis, dass hört sich fürchterlich an. Aber es entspricht der Evolution. Die Starken werden sich einen Ackerplatz erobern, die Zweitstärksten werden auswandern und die am schwächeren werden sterben. So hat sich auch Europa und Amerika entwickelt.
    Ich hab immer öfter das Gefühl, das so viele Menschen "durchgefüttert" werden, weil die sozialen Organisationen hungernde Menschen brauchen um selbst zu überleben und weil die Industrie diese Millarden als das wahre "Human Capital" betrachtet.

  • Pappe mag ja natürlich sein und recycelt, aber wie viel Energie alleine wird aufgewendet für Aufkleber, Farben, Kleber, Pappkartons, Überkartons, An- und Abtransport, Recyclen, neu bedrucken? Das meiste, was hin- und hertransportiert wird, sind Müllberge.

    Der Osten war ja bekanntlich voll verstaatlicht. Ergo hätte das Land an uns Bürger fallen sollen. Es wird verkauft an US-Investoren, die dort im großen Stil nun monokulturelle Großagrabetriebe aufbauen.

    Der Wahn grassiert, die Deutschen stürben aus, respektive die Bevölkerung habe sich gefälligst unter die Knute der Vorstände zu beugen und müsse dem Wachstum des Bruttosozialprodukts nacheifern. Organische Regulation lehnt Brüssel ja bekanntlich ab, weshalb die EU wie seinerzeit das Römische Reich eine Sogwirkung entfacht und die Völker aller Herren Länder beim Einmarsch hier alles niedertrampeln.
    Der entfesselte Korporatismus ist das Übel, Renditedenken und das Ich-komme-zu-kurz-Gefühl.

    Die Deutschen sind sowieso charakterlos, treten dem unteren für den Karrieresprung auf den Kopf und stecken mit dem eigenen stets im Haupteingang des Vorderen. War nach Kaiser Wilhelm irgendwas gut hier? Völker ändern ihren Charakter nicht, auch nicht nach einer Revolution, das mußte schon Lenin erfahren, der am Ende seiner Herrschaft bekannte: nun haben wir die Bürokratie des Zarismus in groß, angepinselt mit ein bißchen Sowjetöl.

    Wie der Zarismus hat auch die Reichsmark überlebt in der "starken" DM, die nochmals mutiert ist zum großdeutschen Euro.
    Nach der Revolte wird das, was vermeintlich abgeschafft werden soll, in Wahrheit aufgeblasen und umetikettiert.

    In Deutschland ging's nach der Kaiserzeit immer nur ums Geld. Geld reimt sich hier auf Welt. Deshalb mußte er gestürzt werden. Alles andere war nur Zuckerwerk.

  • @ babsack
    korrekt. Bei dem prognostizierten Bevölkerungswachstum haben die Aktionen von GIZ & Co maximal aufschiebende Wirkung. Es wird nur an den Symptomen herumgedoktert ohne der Ursache auf den Grund zu gehen.

  • Um die Ernährung der Menschheit zu sichern,sollte man Verhütungsmittel in großem Stil kostenlos zugänglich machen.

  • Wen wundert das?

    Monokulturen, massiver Einsatz von Chemie, Überbeanspruchung (früher ließ man im bestimmten Turnus Ackerflächen brach liegen, damit sie sich wieder erholen konnten und es wurden jedes Jahr andere Produkte auf den Flächen angebaut, die andere Nährstoffe benötigten) und unsere Verschwendungssucht (mind. 1 Drittel der der erzeugten Lebensmittel werden weggeschmissen aus Profitgründen - in bestimmten Bereichen über die Hälfte) sind mit die Hauptgründe dafür. Wenn wir die erzeugten Mengen auf das benötigte Maß reduzieren würden, dann wäre wieder Raum für verantwortungsvollen Ackerbau und Viezucht. Aber die Gier nach immer mehr Profit macht dies unmöglich.
    Hinzu kommt seit neuestem noch der Energiewahn - "Essen in den Tank und in die Steckdose" ;-)

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