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Delivery Hero Foodora gibt sich geschlagen, Lieferando triumphiert

Die Milliarden-Übernahme könnte das Geschäftsmodell in Deutschland endlich profitabel machen. Lieferheld, Foodora und Pizza.de werden abgeschafft.
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Foodora gibt sich geschlagen, Lieferando triumphiert. Quelle: Reuters
Delivery Hero Fahrradkurier

Foodora gibt sich geschlagen, Lieferando triumphiert.

(Foto: Reuters)

HamburgNiklas Östberg und Jitse Groen liefern sich seit Jahren einen teuren Zweikampf – und geben sich jetzt beide als Sieger. Dabei konnte es am Ende nur einen Überlebenden auf dem deutschen Markt geben. Seit diesem Freitag ist klar: Dieser eine heißt Groen, nicht Östberg.

Östberg ist Gründer des Essensliefer-Dienstes Delivery Hero (Lieferheld, Foodora), Groen hat den niederländischen Rivalen Takeaway.com (Lieferando) gegründet. In der internationalen Expansion begegneten sie sich in mehreren Ländern. Doch nirgendwo war die Rivalität zwischen den beiden Männern erbitterter als in Deutschland.

In den Großstädten verteilten Promotion-Teams teilweise wenige Meter voneinander entfernt Flyer. Mit Plakaten und Fernsehwerbung versuchten die Konkurrenten einander zu übertrumpfen. Für beide ist Deutschland bislang von zentraler Bedeutung.

Für Östberg ist es der Heimatmarkt, denn der Schwede hat seine Zentrale in Berlin. Für den Niederländer Groen ist das Nachbarland bei weitem der größte Markt. Ohne Deutschland, so lässt sich wohl sagen, wäre Groens Konzern eine Luftnummer.

An diesem Freitag verkündeten beide: Östberg verkauft das Deutschland-Geschäft an Groen. Östberg jubilierte, weil der Deal fast eine Milliarde Euro Wert ist. „Wir haben ein deutsches Einhorn geschaffen“, sagte Österberg. Einhörner sind im Silicon-Valley-Jargon Start-ups, die die Milliarden-Dollar-Bewertung knacken.

Konkurrent Groen zahle das Neunfache des Umsatzes. Damit sei das Geschäft überdurchschnittlich hoch bewertet – auch, weil Deutschland für Groen wichtiger gewesen sei als für Östberg.

Groen war zurückhaltender im Ton. „Nur Spieler von ausreichender Größe werden Gewinne schreiben“, sagte er nüchtern. Offenbar sichert die Übernahme tatsächlich die Unabhängigkeit seines Unternehmens. Östberg hingegen kann seine Investitionen nun auf Wachstumsmärkte in Asien, Nahost und Südamerika konzentrieren. Er kündigte bereits an, 215 Millionen Euro aus dem Deal in die Expansion zu stecken.

Die Börse fällte ein klares Urteil, schließlich sind beide am Aktienmarkt: Delivery Hero seit 2017 in Frankfurt, Takeaway.com bereits seit 2016 in Amsterdam. Die Anleger sahen beide als Gewinner, aber Groen klar als den ersten Sieger. Die Aktie des Berliners stieg um acht Prozent, die des Amsterdamers schoss um 32 Prozent nach oben. Noch am Freitag reiste Groen nach Berlin, um sich seinen zusätzlichen 400 künftigen Mitarbeitern vorzustellen.

Sie sollen aus dem Delivery-Hero-Haus, einem hübschen 1950er-Jahre Bau in Mitte, in die Berliner Deutschland-Zentrale des bisherigen Konkurrenten umziehen. Groen brachte die Botschaft mit, dass die Delivery-Hero-Marken Lieferheld, Pizza.de und Foodora verschwinden. Der dunkelhaarige Unternehmer will in Deutschland allein mit der 2014 zugekauften Marke Lieferando antreten und so Marketing-Kosten sparen.

Delivery-Hero-Mitarbeiter bekommen wohl zum Jahresende einen Bonus

Zunächst sollen die übernommenen Mitarbeiter an Bord bleiben. Sie können damit rechnen, von ihrem alten Chef Östberg noch einen Bonus von insgesamt sieben Millionen Euro zum Jahresende zu bekommen. Dafür sollen allerdings die Marken Lieferheld, Foodora und Pizza.de abgeschafft werden.

„Wir werden alle Marken auf Lieferando umstellen“, sagte Jörg Gerbig, COO von Takeaway.com dem „Tagesspiegel“. Der COO sagte zudem, sie seien immer Verfechter der Ein-Marken-Strategie. Dieser Schritt solle innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss der Transaktion erfolgen, um so im Jahr 2020 etwa 60 Millionen Euro an Marketingkosten einzusparen.

Aus den bisherigen Rivalen Östberg und Groen werden mit dem Deal Partner. Denn in Form von Geld fließen nur 508 Millionen Euro. Der Rest ist ein Aktiendeal: Östbergs Unternehmen hält künftig 18 Prozent am niederländischen Rivalen und einen Platz im Board. Damit kommen zwei Gründer mit ähnlichen Wurzeln zusammen.

Groen hatte schon im Jahr 2000 seinen Lieferdienst Thuisbezorgd.nl gegründet und sieben Jahre später in Deutschland und Belgien die Internationalisierung begonnen. „Am Anfang kamen unsere Konkurrenten aus der niederländischen Kleinstadt Groeningen, heute aus den USA und Großbritannien“, sagte der 40-jährige Groen am Freitag. „Die Welt wird für uns immer komplexer.“

Östberg ist noch wesentlich internationaler unterwegs. Der heute 38-Jährige ist ebenso lange wie Groen in der Start-up-Szene. Als Groen in Holland loslegte, gründete der Skandinavier in Norwegen pizza.nu und kurz darauf in Schweden Pizza.se. Zusammen mit dem Inkubator Team Europe baute Östberg später in Berlin Delivery Hero auf und kaufte seine früheren nordischen Gründungen auf.

Mit Zukäufen und Neugründungen drängte er weltweit in neue Länder – ganz nach dem Muster der Berliner Samwer-Brüder, in deren Umfeld er sich bewegt. Allerdings gibt es dabei auch Rückschläge: Östberg musste im laufenden Jahr eingestehen, dass er die Gewinnzone in absehbarer Zeit nicht erreicht. Stattdessen gab er noch mehr Geld für die Werbeschlacht in Deutschland aus.

In den ersten neun Monaten kam Delivery Hero weltweit auf 358 Millionen Euro Umsatz. Davon kam nur rund ein Drittel aus Europa. Takeaway.com kam im ersten Halbjahr auf 110 Millionen Euro Umsatz – ein wesentlicher Teil davon aus der Bundesrepublik. Bislang sollte das Geschäft 2019 operativ vor Abschreibungen profitabel werden, allerdings noch nicht in Deutschland.

Essensbestellungen zunehmend per Internet statt Telefon

Hier sieht Groen viel Potenzial: Die Großteil des Essensbestellungen komme noch per Telefon und könne ins Internet wandern. Der deutsche Markt hinke den Niederlanden vier Jahre hinterher, sagte er am Freitag. Künftig dürften die neuen Partner die Welt unter sich aufteilen: Östberg ist bereits aus einigen europäischen Ländern ausgestiegen. Von Berlin aus dürfte er nun Nahost, Asien und Südamerika bearbeiten – Wachstumsländer mit recht geringen Kosten für Lieferanten. Groen dagegen kann in Europa weitermachen.

Groen will mit dem Ende des Duells mit Östberg teure Werbemaßnahmen deutlich zurückfahren, jedoch zugleich den britischen Konkurrenten Deliveroo kleinhalten und den Markteintritt von Uber Eats in Deutschland abwehren. Der studierte Wirtschaftsinformatiker schätzt dabei den Markt in einem wesentlichen Punkt anders ein als der Wirtschaftsingenieur Östberg.

Der Niederländer geht nicht davon aus, dass sich mit einem eigenen Liefernetz aus Fahrradkurieren in Europa nachhaltig Geld verdienen lässt. Die Kosten für die festangestellten Kuriere seien zu hoch, argumentiert Groen. Anders als Östberg sieht er den eigenen Lieferdienst daher nur als Abrundung des Plattformgeschäfts, bei dem die Lieferando-Seite gegen eine Umsatzbeteiligung Bestellungen an bestehende Liefer-Restaurants weiterleitet.

Der eigene Lieferdienst diene etwa in den Niederlanden dazu, Kunden an die Plattform zu binden, sagte Groen – und wohl auch als Abwehrmaßnahme gegen Konkurrenten wie Uber Eats. Das Plattformgeschäft sei jedoch inzwischen so profitabel, dass es die Verluste aus der Zustellung überkompensiere.

Ein großer Ausbau des eigenen Liefernetzes über die bisherigen Großstädte hinaus ist damit wohl nicht mehr zu erwarten. Von seinen Plänen muss Groen im März noch die Hauptversammlung überzeugen: Die Aktionäre müssen zustimmen. Die Börsenreaktion signalisiert jedoch, dass das gelingen dürfte.

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