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Deutsche Bahn Bahn-Vorstand Berthold Huber gerät in Berater-Affäre unter Druck

In der Affäre um ungenehmigte Beraterverträge bei der Deutschen Bahn gerät auch ein aktiver Vorstand in den Fokus. Für Berthold Huber könnte die Sache ein Nachspiel haben.
Update: 11.09.2019 - 08:29 Uhr Kommentieren
Huber hatte den Unterlagen zufolge einen Vertrag über 170.000 Euro mit seinem Vorgänger Ulrich Homburg abgeschlossen, ohne den Aufsichtsrat zu informieren. Quelle: dpa
Bahn-Vorstand Berthold Huber

Huber hatte den Unterlagen zufolge einen Vertrag über 170.000 Euro mit seinem Vorgänger Ulrich Homburg abgeschlossen, ohne den Aufsichtsrat zu informieren.

(Foto: dpa)

Düsseldorf „Schonungslos und ohne Ansehen der Person“, so hatte Bahn-Chefaufseher Michael Odenwald im Juni versprochen, werde die Berateraffäre aufgeklärt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor: Die meisten der 30 untersuchten Verträge werden nach Informationen des Handelsblatts aus Aufsichtsratskreisen zwar als unkritisch eingeschätzt. Doch einige sind brisant.

Mit ihnen wird sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn auf seiner Sitzung in der kommenden Woche beschäftigen müssen. Für den Personenverkehrsvorstand Berthold Huber könnten die Affäre ein Nachspiel haben.

Huber hatte einen ungenehmigten Beratervertrag mit Dritten unterschrieben wie auch Ex-Bahnchef Rüdiger Grube und der frühere Personalvorstand Ulrich Weber. Für Grube und Weber dürfte die Angelegenheit wohl folgenlos bleiben. Sie stehen nicht mehr in Diensten des Staatskonzerns. Im Fall Huber muss der Aufsichtsrat nun entscheiden, ob er es bei einer Ermahnung belässt oder ob er sich von dem Manager trennt.

Im Winter war der Konzernrevision aufgefallen, dass es Beraterverträge mit ehemaligen Bahn-Managern gab, die nicht vom Aufsichtsrat genehmigt worden sind. Vorstandschef Richard Lutz hat nach eigenen Angaben sofort den Aufsichtsrat eingeschaltet. Ein Rechts- und Compliance-Ausschuss nahm sich die dubiosen Verträge zehn Jahre rückwirkend vor. Dafür wurde die Unternehmensberatung EY sowie die Kanzlei Rittershaus engagiert.

Diese Untersuchung ist nun abgeschlossen. Der Abschlussbericht empfiehlt den Aufsehern, die Verträge im Nachhinein „aus hygienischen Gründen“ nicht zu genehmigen. Das hat Folgen.

Besonders kritisch sind Verträge mit dem früheren Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg. Der musste Ende Juli 2015 im Zuge eines Vorstandsumbaus das Unternehmen verlassen. Aber noch während der damalige Aufsichtsrat über die Modalitäten wie Abfindungszahlungen verhandelte, war Huber bereits mit Wissen des damaligen Bahnchefs Grube im Gespräch über einen Beratervertrag. Laut dem Bericht der Gutachter erfolgte ein Vertragsabschluss mit Homburg zwar nicht auf „Weisung“ Grubes, aber es sei ein „Wunsch“ gewesen.

Bahnaufseher sind darüber sehr verärgert. „Es kann doch wohl nicht sein, dass mit dem Aufsichtsrat über eine Abfindung und parallel mit dem Vorstand über einen Beratervertrag verhandelt wird und der Aufsichtsrat davon nichts weiß.“ Zumal es um einen ersten Vertrag über 300.000 Euro und zwei Folgeaufträge über 230.000 und 160.000 Euro ging. Das jedenfalls ist dem Abschlussbericht zu entnehmen.

Doch die Sache dürfte folgenlos bleiben: Denn die Gutachter stellten auch fest, Homburg hat für sein Geld ordentliche Arbeit geleistet. Die Vergütung sei „angemessen“ gewesen, heißt es darin.

Kritisch ist allerdings ein weiterer Vertrag zwischen Homburg und dem heutigen Personenverkehrschef Huber. Der engagierte seinen Ex-Kollegen zwecks Personalsuche für 170.000 Euro. Und teilte das ebenfalls nicht dem Aufsichtsrat mit. Homburg dürfte aus dem Schneider sein, Huber dagegen nicht.

Entwarnung für Konzernchef Lutz

Falls der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am 18. September der Empfehlung der Gutachter folgen sollte, die umstrittenen Verträge nicht nachträglich zu genehmigen, muss der Personalausschuss des Kontrollgremiums über Konsequenzen beraten. Die Möglichkeiten reichen vom Ermahnen über Abmahnen bis zur Vertragsauflösung. Huber wird unter den Aufsehern zugutegehalten, er habe nicht gewusst, dass solche Beraterverträge dem Aufsichtsrat vorgelegt werden müssten.

Nach Paragraf 112 des Aktienrechts müssen Verträge mit amtieren Führungskräften eines Unternehmens immer dem Aufsichtsrat vorgelegt werden. Erst durch die Rechtsprechung ist klar geworden, dass diese Genehmigungspflicht auch für ehemalige Vorstände gilt. Inzwischen dürfen Beraterverträge von ehemaligen Vorständen und Geschäftsführern nur noch „mit Kenntnis und ausdrücklicher Genehmigung des DB-Aufsichtsrats abgeschlossen werden“, heißt es bei der Bahn.

Folgen wird auch der Vertrag des Ex-Personalchefs Ulrich Weber mit einem ehemaligen Schenker-Manager haben. Weber hatte den Mann für 350 000 Euro engagiert, um die Internationalisierung der Personalarbeit voranzutreiben. An den Leistungen des Beraters bestehen laut Abschlussbericht allerdings „erhebliche Zweifel“. Es seien keinerlei Nachweise bislang gefunden worden. Dem Bahn-Aufsichtsrat wird empfohlen, den Berater in Regress zu nehmen.

Für Bahnchef Richard Lutz allerdings ist Entwarnung angesagt. Lutz war zu den fraglichen Zeiten Finanzchef des Staatsunternehmens. Beraterverträge, so die Gutachter, seien „nicht vorlagepflichtig“ beim Finanzvorstand gewesen.

Für Lutz war die Affäre um die Verträge kritisch. Der Bahnchef steht unter besonderer Beobachtung der Politik wegen massiver Verspätungen im Fernverkehr, mangelhaftem Service und anhaltenden Verlusten im Güterverkehr. Zurzeit schwimmen Lutz und die Bahn auf der grünen Klimawelle. „Aber das hätte sich schnell wieder drehen können“, heißt es im Aufsichtsrat.

Mehr: Die Bahn hat angekündigt, dass sie im Fall einer Mehrwertsteuersenkung den finanziellen Vorteil an ihre Kunden weitergeben will. Doch noch ist nichts entschieden.

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