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Informationstafeln der Bahn

Zu den Querelen im Vorstand will sich der Staatskonzern nicht äußern.

(Foto: dpa)

Deutsche Bahn Chaostage bei der Deutschen Bahn: Im Vorstand schwelt ein Machtkampf

Sigrid Nikutta, Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, soll im dritten Anlauf Cargo-Vorständin werden. Doch es knirscht mächtig im Vorstand um CEO Richard Lutz.
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Düsseldorf Richard Lutz gilt als besonnener, freundlicher Mann. Der Chef der Deutschen Bahn gefällt in Politik und in Öffentlichkeit mit seinem zurückhaltenden Auftritt. Nichts liegt ihm ferner als die Großspurigkeit seiner Vorgänger. So nimmt man dem 55-Jährigen, der erst vor wenigen Tagen für sein 25. Firmenjubiläum bei dem Staatsunternehmen geehrt wurde, auch ab, dass ihm Teamgeist im Management äußerst wichtig sei. „Eisenbahn ist Mannschaftssport“, pflegt Lutz immer zu sagen.

Doch mit dem Mannschaftsgeist ist es derzeit nicht weit her, jedenfalls nicht in Teilen des Vorstands. Alexander Doll verantwortet seit Jahresbeginn die Finanzen und den Güterverkehr und ist damit eine Art Supervorstand im Bahnmanagement. Zudem blickt Doll auf die Finanzen etwas anders als Richard Lutz, der zuvor fast ein Jahrzehnt das Geld der Bahn verwaltet hatte.

Das gefällt nicht allen. So konkurriert auch Infrastrukturchef und Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla mit Doll um den ungeschriebenen Posten des zweiten Mannes hinter Bahn-Chef Lutz. Immerhin ist Pofalla maßgeblich verantwortlich dafür, dass die Bahn von der Regierung gerade mit Geld regelrecht zuschüttet wird. Ganz im Sinne des Kampfes gegen den Klimawandel.

Letzte Woche konnten die Eisenbahner einen ganz anderen Richard Lutz im Berliner Bahntower erleben. „Der Chef ist ausgerastet“, sagt einer aus der Führungsetage. Lutz war mit Finanzvorstand Doll aneinandergeraten. Die Angelegenheit ist hochsensibel.

Dem ehemaligen Investmentbanker wird vorgehalten, er habe den für dieses Jahr geplanten Verkauf der internationalen Bahn-Tochter Arriva vermurkst. Plötzlich seien noch 432 Millionen Euro Pensionslasten aufgetaucht, und auch haushaltsrechtlich habe Doll übersehen, dass es ein paar Regeln für einen Staatskonzern zu befolgen gebe.

Arriva wird jedenfalls nicht die erwarteten vier Milliarden Euro Erlös einbringen, den die Bahn so dringend braucht, um ihre schnell wachsenden Schulden zu reduzieren. Und dieses Jahr wird es mit dem Verkauf schon gar nichts mehr. Lutz wollte Doll, so heißt es im Umfeld der Bahn, das Finanzressort wegnehmen und ihn wieder auf das Ressort Güterverkehr reduzieren. Und Doll habe das strikt abgelehnt.

Lutz hat jetzt nur die Alternative: zurückrudern oder durchsetzen. Damit würde er einen Rauswurf Dolls riskieren. Denn freiwillig zurücktreten wird der 49 Jahre alte Doll nicht, sagt ein Beobachter. Warum sollte er auch?

Die Pensionsrisiken bei Arriva hätten auch schon unter Lutz‘ Finanzregie bekannt sein müssen, heißt es im Umfeld der Bahn. Andererseits, so ein hochrangiger Bahn-Manager, könne es sich das Unternehmen gerade jetzt wohl kaum leisten, ausgerechnet den Finanzchef zu feuern. Die Bahn will sich auf Anfrage nicht zu Personalfragen äußern.

Vollends verwirrend wird es aber erst mit einem Blick auf die Tagesordnung des Aufsichtsrats-Personalausschusses der Bahn in den nächsten Tagen. Dort soll Sigrid Nikutta, derzeit Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe BVG, als neue Cargo-Vorständin der Deutschen Bahn vorgeschlagen werden.

Alexander Doll würde diese Funktion wie schon länger geplant abgeben. Und er will das auch. Warum der Bahn-Chef seinen Vorstandskollegen Doll allerdings zuvor vom Finanzressort verdrängen wollte, ist völlig unklar. Es gibt Mutmaßungen, Nikutta sollte auf diesem Wege verhindert werden.

Bereicherung für den Bahn-Vorstand

Die Bahngewerkschaft EVG und die SPD drängen schon seit Langem darauf, die BVG-Chefin zur Bahn zu holen, scheiterten bislang allerdings immer an Widerständen im Management der Bahn und im Aufsichtsrat.

Nikutta hat schon einmal bei DB Cargo gearbeitet und „wäre mit ihrer direkten und manchmal unverblümten Art sicher eine Bereicherung im Bahn-Vorstand“, heißt es im Umfeld der Bahn. Jetzt soll es im dritten Anlauf gelingen. Am vergangenen Freitag soll die 50-jährige Managerin schon zum Gespräch bei Bahn-Chef Lutz gewesen sein. Ein Unternehmenssprecher wollte sich auch dazu nicht äußern.

Deutsche Bahn: Sigrid Nikutta kurz vor Berufung in den Bahn-Vorstand Quelle: Hans Christian Plambeck/laif
Andreas Scheuer und Sigrid Nikutta

Die BVG-Chefin ist für ihre direkte, manchmal unverblümte Art bekannt.

(Foto: Hans Christian Plambeck/laif)

Der Bahn-Vorstand würde mit der noch offenen Berufung Nikuttas auf sieben Personen erweitert. Erst im vergangenen Frühjahr war Richard Lutz mit seiner Idee gescheitert, den Vorstand auf sogar acht Mitglieder auszubauen.

Offen ist zudem der Fall Berthold Huber. Dem Personenverkehrsvorstand der Deutschen Bahn könnte der Beraterskandal noch ein Problem bereiten. Huber ist der einzige amtierende Konzernvorstand, der ohne Zustimmung des Aufsichtsrates einen Beratervertrag mit einem ehemaligen DB-Manager unterschrieben hatte.

Alle anderen Betroffenen sind inzwischen ausgeschieden. Auch darüber muss der Aufsichtsrat jetzt befinden. Mahnt er den Manager nur ab, oder beschließt er härtere Maßnahmen? Die Angelegenheit ist nicht nur für Huber, sondern auch für Lutz unangenehm.

Für Lutz kommen die Querelen im Vorstand jedenfalls zur Unzeit. Gerade erst hat die Politik beschlossen, dem Unternehmen zusätzliche Milliarden zur Sanierung und zum Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Zudem ist der Bund bereit, weitere elf Milliarden Euro als Kapitalspritze zuzuschießen, um die auf 25 Milliarden Euro zustrebende Verschuldung zu bremsen. Im Gegenzug wird mehr Qualität und Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn erwartet.

Der Staatskonzern will bis 2030 die gigantische Summe von 156 Milliarden Euro in Gleise, Bahnhöfe und neue Züge investieren. Alle Zeichen stehen auf Wachstum. Die noch vor Monaten überwiegende, massive Kritik am Bahn-Management und an Lutz schien weitgehend verstummt.

Das Hin und Her um die Neuorganisation des Vorstands allerdings könnte Vorstandschef Lutz auf die Füße fallen. Auch weil sein oberster Dienstherr Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wegen des Pkw-Maut-Desasters selbst stark unter Druck steht, Handlungsfähigkeit beweisen zu müssen. Da hilft dem Bahn-Chef auch die Erkenntnis wenig, dass „wir keine Heuschrecken auf der Eigentümerseite zufriedenstellen müssen“. Ein paar unzufriedene Regierungspolitiker reichen, um Unruhe zu stiften.

Mehr: Der Bahn-Chef und der Minister streiten öffentlich um das Reformtempo beim Staatskonzern. Zudem macht der Lokführermangel der Bahn immer mehr zu schaffen.

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