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Deutsche Bahn Corona-Maßnahmen: Bahn setzt neue Reservierungsregeln ab sofort um

Künftig gibt es trotz der aktuell schwachen Auslastung mehr Kapazitäten in den Zügen. Was Reisende mit der Deutschen Bahn nun wissen müssen.
26.11.2020 Update: 26.11.2020 - 14:31 Uhr 5 Kommentare
Garantiert ohne direkten Nachbarn: Die Einzelsitze in der 1. Klasse eines ICE der Deutschen Bahn. Quelle: Caro / Sorge
ICE-Großraumwagen

Garantiert ohne direkten Nachbarn: Die Einzelsitze in der 1. Klasse eines ICE der Deutschen Bahn.

(Foto: Caro / Sorge)

Düsseldorf Mehr Platz in den Zügen – dafür weniger Plätze, die reserviert werden können: Das sieht der am Mittwoch gefasste Beschluss von Bund und Ländern zu weiteren Maßnahmen in der Coronakrise vor. So soll die „Sitzplatzkapazität“ der Züge deutlich erhöht werden, um noch mehr Abstand zwischen den Reisenden zu ermöglichen. Die Reservierbarkeit der Sitzplätze soll parallel dazu beschränkt werden. Damit haben sich Forderungen nach einer generellen Reservierungspflicht für Fernzüge der Deutschen Bahn nicht durchgesetzt.

Einzelheiten soll die Deutsche Bahn selbst festlegen, hieß es nach der Sitzung in Berlin. Eine Umstellung hat der Konzern im Laufe des Donnerstags bereits vollzogen: Wer auf der Internetseite der Bahn eine Verbindung bucht und einen einzelnen Sitzplatz reservieren möchte, dem wird ab sofort automatisch ein Fensterplatz zugewiesen. Zu zweit ist es nicht mehr möglich, einen Doppelsitz zu reservieren.

Der Staatskonzern hatte im Vorfeld darauf hingewiesen, dass mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember täglich 13.000 mehr Sitzplätze angeboten werden sollen, also mehr Züge fahren.

Vor allem mit neuen ICE- und Intercityzügen will die Bahn das Platzangebot ungeachtet der aktuell schwachen Auslastung der Züge ausweiten. So fahren beispielsweise zwischen Hamburg und Berlin ab Mitte Dezember die Fernzüge im Halbstunden- statt im Stundentakt.

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    Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende mit der Bahn:

    Welche Regeln waren vorgeschlagen?

    In der Beschlussvorlage für die Bund-Länder-Runde waren weitreichendere Maßnahmen genannt: Die Sitzplatzkapazität sollte um über 20 Millionen Platzkilometer pro Tag erhöht werden, um mehr Abstand zwischen den Reisenden zu ermöglichen. Für die Wintermonate sollten grundsätzlich nur noch alle Fensterplätze buchbar, die Gangplätze im Reservierungssystem größtenteils geblockt und nicht mehr reservierbar sein.

    Bei Sitzgruppen mit Tisch sollten nur noch die diagonal gegenüberliegenden Sitzplätze und in Abteilen mit sechs Sitzplätzen nur noch zwei Sitzplätze reservierbar sein. Für gemeinsam reisende Kunden sollten Bereiche vorgesehen werden, in denen auch nebeneinander liegende Sitzplätze reserviert werden können. Und: Für alle Reisen im Fernverkehr der Deutschen Bahn wollte der Bund grundsätzlich eine Sitzplatzreservierung empfehlen.

    Warum ist die Reservierungspflicht ein so heißes Eisen?

    Die Debatte um eine Pflicht zur Sitzplatzreservierung ist nicht neu. Immer wieder werden Forderungen laut, die Überfüllung von Fernzügen dadurch zu verhindern. In der Corona-Pandemie kam ein weiteres Argument dazu: Erst eine Reservierungspflicht schaffe den notwendigen Hygieneabstand der Fahrgäste. Doch die Verfechter der Idee hatten jetzt die Rechnung ohne Bahn und Bundesländer gemacht.

    Die Deutsche Bahn will unbedingt am Prinzip des freien Zugangs zu Fernzügen festhalten. Die Fahrgäste sollen die Möglichkeit haben, „spontan in jeden Zug einzusteigen“. Grund sind die vielen Berufspendler, die auch Fernzüge für ihren täglichen Weg zur Arbeitsstelle nutzen. Ist ihnen das verwehrt, steigen sie auf Regionalzüge um.

    Hier kommen die Bundesländer ins Spiel, die den Regionalverkehr finanzieren. Sie müssten dann dafür sorgen, dass die Regionalzüge nicht überlastet werden. Also sind die Länder erst mal strikt gegen eine Reservierungspflicht.

    Warum mischen sich die Gewerkschaften ein?

    Die Arbeitnehmervertreter der Bahnen befürchten, dass jede wie auch immer geartete Reservierungsregelung von den Mitarbeitern im Zug durchgesetzt werden muss und nichts als Ärger bringt. Fahrgäste ohne Reservierung müssten dann vom Einsteigen abgehalten oder nicht buchbare Sitzplätze freigehalten werden. Da droht zusätzlicher Stress, den die Bahn-Mitarbeiter ohnehin schon durch die Überwachung der Maskenpflicht im Zug ertragen müssen. Keine Überraschung also, dass die Bahn-Gewerkschaft EVG solche Ideen als nicht durchdacht rundweg ablehnt.

    Lohnt es, einen zweiten Platz zu reservieren?

    Die klare Antwort lautet: nein. Denn nach den Beförderungsvorschriften der Deutschen Bahn im Fernverkehr erlischt ein Anspruch auf einen reservierten Sitzplatz, wenn der Fahrgast ihn nicht 15 Minuten nach Abfahrt eingenommen hat.

    Daran hätte auch die inzwischen wieder kassierte Reiserichtlinie aus dem Innenministerium nichts geändert, nach der Bundesbeamte auf Reisen einen zweiten Platz auf Staatskosten dazubuchen konnten, um eben diesen Nebenplatz frei zu halten. Bei 20 bis 25 Prozent Auslastung der Fernzüge ist das derzeit zwar ohnehin überflüssig, aber es kommen auch wieder andere Tage – etwa um Weihnachten. Da rechnet die Bahn mit deutlich ansteigendem Fahrgastaufkommen. Aber selbst der Kauf einer zweiten Fahrkarte mit Sitzplatz nutzt nichts. Nach einer Viertelstunde kann jeder andere Reisende den Platz einnehmen.

    Ergeben reservierte Fensterplätze und Ampelmännchen Sinn?

    Die Bahn reserviert seit einigen Monaten automatisch die Fensterplätze in den ICEs und Intercitys. Damit ist die Praxis den Wünschen der Politik vorausgeeilt. Aber: Gangplätze werden nur „so weit wie möglich“ freigehalten. Familienbuchungen mit einer Reisegruppe sind nach wie vor nebeneinander möglich. Eine Garantie, dass der Nebenplatz frei bleibt, gibt es also bislang nicht. Auch die Ampelmännchen, die beim Buchen auf Bahn.de oder im Navigator anzeigen sollen, ob ein Zug schwach, stark oder sehr stark ausgelastet ist, sind keine Garantie, dass es in einem Zug dann auch tatsächlich so ist.

    Bei der Auslastungsanzeige handelt es sich nach Angaben der Deutschen Bahn um eine Prognose auf Basis historischer Auslastungswerte (Zählungen im Zug) sowie der bereits eingegangenen Buchungen für diese Verbindung. Das Auslastungsmännchen wird orange, wenn eine Auslastung von mehr als der Hälfte der Sitzplätze prognostiziert wird. Steigt die erwartete Auslastung weiter, wird ein rotes Symbol angezeigt und es ist keine Buchung mehr möglich. Der Zug kann gleichwohl von spontan zusteigenden Reisenden mit Flextickets oder Dauerkarten genutzt werden.

    Was ist mit einer Flucht in die 1. Klasse?

    Ein Recht darauf, bei überfüllten Zügen in die 1. Klasse auszuweichen, gibt es nicht. Die Frage ist ohnehin, ob sich das lohnt. Denn die Auslastung der 1. Klasse liegt derzeit nur „knapp“ unter den 20 bis 25 Prozent der 2. Klasse, sagt die Bahn. Was aber auch bedeuten dürfte, dass es bei hohem Andrang in der 2. Klasse in der 1. Klasse nicht besser aussieht.

    Trotzdem lohnt sich bei rechtzeitiger Buchung ein Blick ins Buchungssystem. 1.-Klasse-Super-Sparpreise sind eine Alternative. Vor allem aber: In der ersten Klasse gibt es immer die Solo-Fenstersitze, weil nur drei Sitzplätze in einer Reihe stehen. Das garantiert dann wirklich eine Fahrt ohne direkten Nachbarn.

    Mehr: Original-Dokument: Die Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern

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    5 Kommentare zu "Deutsche Bahn: Corona-Maßnahmen: Bahn setzt neue Reservierungsregeln ab sofort um"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Frau Heidel, setzen Sie sich doch einfach in ein Masken-Abteil oder -Wagenabschnitt. Aber dazu muß es die erst einmal geben ...

    • Solange Herr Schnupp russisch Roulette spielen will, ist das seine Angelegenheit. Der Verzicht auf die Maske bedeutet aber eben auch, den Lauf auf andere zu richten, und da hört der Spaß auf, da haben die auch ein Wörtchen mitzureden.

    • Sehen Sie: für Frau Heidel wäre die Maskenpflicht schwachsinnig und für mich Bedingung, daß ich wieder Zug fahre. Das erinnert mich sehr an frühere Kämpfe bezüglich Rauchen oder nicht,
      Die Konsequenz kann nur sein: nehmt sie auseinander. Macht Maskenabteile und Abteile für Leute, denen das Corona-Risiko egal ist - weil sie immun sind oder die neue Art Grippe halt riskieren. Die Zahl der Toten ist 1% der Erkrankten, mit vermutlich bei weitem nicht vollständiger Erfassung dieser Erkrankten. Meine Corona-Erkrankung wurde zum Beispiel nirgendwo angezeigt und ging deshalb auch in keine Statistik ein.
      Übrigens: im Dezember werde ich 87 und bin deswegen wohl extreme Risikogruppe ...

    • Die Beseitigung der Maskenpflicht wäre sicher das Schwachsinnigste, was sich die Bahn einfallen lassen könnte. Aber im Nahverkehr ist sie schon sehr kreativ: Eine Reservierungsmöglichkeit hat es da noch nie gegeben, und der Einsatz von Kurzzügen mit halbierter Fahrgastkapazität sorgt dafür, dass sich auch keiner einsam fühlen muss. Natürlich tun die Länder nichts gegen die Überlastung des Regionalverkehrs, weil der ihnen piepsegal ist, das kann jeder Berufspendler aus langjähriger Erfahrung berichten. Warum sollten sich auch Politiker für Züge interessieren, in denen es nicht einmal eine vernünftige 1. Klasse gibt?

    • Was wichtig wäre, ist eine Beseitigung der Maskenpflicht, zumindest in bestimmten Abteilen oder Zügen. Für mich und sicher viele andere ist eine längere Zugreise mit einem Lappen vor Mund und Nase schlicht unzumutbar - das ist völlig anders als im Nahverkehr. Solange es im Fernverkehr noch eine Maskenpflicht gibt, unterlasse ich die Reise einfach oder nehme einen Mietwagen.
      Über mehr als hundert Jahre gab es bei der Bahn Raucher- und Nichtraucher-Abteile, und das funktionierte prima. Heute gibt es das nur noch für Mobiltelefone und ohne ...

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