Deutsche Bahn

Die Mitarbeiter sehen dringenden Investitionsbedarf bei dem Staatskonzern.

(Foto: dpa)

Deutsche Bahn Eisenbahner wehren sich gegen Sparpläne von Bahnchef Lutz

Bahnchef Lutz hat in seinem Brandbrief eine strikte Kontrolle der Ausgaben angekündigt. Das stößt auf heftige Gegenwehr in der Belegschaft.
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DüsseldorfAm Wochenende hatte Richard Lutz den Staatskonzern und die Politik mit einem schonungslosen Brandbrief zur „schwierigen Lage“ der Deutschen Bahn aufgeschreckt. Mit „sofortiger Wirkung“ gelte nun eine so genannte Ausgabensteuerung, verkündete der Bahnchef. Das stößt auf heftige Kritik und Gegenwehr der Belegschaft.

Der Konzernbetriebsrat übt massive Kritik an dem Schreiben das Vorstands an die Führungskräfte. Der Brief sei in vielerlei Hinsicht eine Bankrotterklärung des Bahnvorstands. „Eine Ausgabensteuerung, die nichts anderes ist als ein Ausgabenstopp, lehnen wir ab. Sie führt in die falsche Richtung und ist untauglich. Eine Kostensteuerung behindert das Unternehmen mehr, als dass es die Bahn nach vorne bringt. Das haben alle ähnlichen Maßnahmen in der Vergangenheit gezeigt“, sagte der Vorsitzende des Bahn-Konzernbetriebsrats, Jens Schwarz, am Mittwoch.

Die Deutsche Bahn, so heißt es weiter in der Stellungnahme, brauche dringend Investitionen für Innovationen, die geplanten digitalen Musterwerkstätten sowie die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten. „Ein Ausgabenstopp behindert all das“, sagte Schwarz.

Der Konzernbetriebsrat forderte Bahnchef Lutz auf, konkrete Maßnahmen zu benennen, mit denen das Unternehmen wieder wirtschaftlicher, pünktlicher und zuverlässiger wird. Der Brief, den der gesamte Vorstand unterzeichnet hatte, gebe nur Einschätzungen und Erwartungen wieder, biete aber keinerlei Lösung der Probleme. „Die Analyse, die der Vorstand niedergeschrieben hat, stellt für uns auch die aktuell laufende Finanzplanung für 2019 in Frage“, sagte Schwarz.

Der Bahnvorstand habe, das sei der Eindruck aus dem Brief, das Vertrauen in die eigene Führungsmannschaft verloren. „Wenn die Situation der Bahn derart schlecht ist, muss ich alle Mitarbeitenden darüber informieren, wie es ihrem Arbeitgeber geht. Das Wissen, was im Konzern falsch läuft und wie es besser gehen könnte, ist im Unternehmen vorhanden. Man muss nur besser auf die Beschäftigten hören“, erklärte Schwarz.

Auch die Konzernstruktur müsse auf den Prüfstand, um die Deutsche Bahn wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. In diesem Zusammenhang stelle sich allerdings die Frage, wie viel Zentralisierung der Konzern noch vertragen könne.

Auch die größte Eisenbahngewerkschaft EVG kritisiert das Vorgehen des Vorstands. „Kunden wollen eine Eisenbahn, die verlässlich ist“ sagte EVG - und das wollen unsere Kolleginnen und Kollegen letztlich auch", stellte Kirchner fest. Ob dieses Ziel mit der jetzt verhängten qualifizierten Ausgabensteuerung erreicht werden kann, das bezweifelt die Gewerkschaft allerdings.

„Die Führungskräfte müssen endlich raus aus ihren Bürotürmen und wieder mehr auf die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner hören, die das Geschäft kennen“, fordert auch Kirchner. Die EVG habe schon vor zwei Jahren massive Zweifel am Projekt „Zukunft Bahn“ angemeldet und werde jetzt leider in weiten Teilen bestätigt.

„Das vorliegende Schreiben ist nichts anderes als das Eingeständnis, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben“, sagt Kirchner, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bahn ist. Die Bahn bräuchte nicht noch mehr externe Berater, sie brauche den Sachverstand, der im eigenen Haus im operativen Geschäft vorhanden sei und nur abgerufen werden müsse.

Der Bahnvorstand hat zur Lösung der Krise wieder Unternehmensberater engagiert. Unter anderem ist die amerikanische Consultingfirma McKinsey beauftragt, aber auch Boston Consulting. Zum Teil seien es dieselben Berater, die schon vor fünf Jahren im Haus waren und „auch nichts bewirkt haben“, klagt ein Bahnmanager. Ein vernichtendes Urteil.

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