Deutsche Bahn Hohe Schulden, sinkender Gewinn – Bahn-Chef Lutz zieht die Notbremse

In einem Brandbrief an die Führungskräfte sorgt sich Bahn-Chef Lutz um die „wirtschaftliche Stabilität“ des Unternehmens und greift zu einschneidenden Maßnahmen.
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„Kostenkiller“ McKinsey soll Deutsche Bahn wieder auf Kurs bringen

DüsseldorfDie Deutsche Bahn steckt in einer schweren Krise: In einem vierseitigen Brief an alle Führungskräfte haben Konzernchef Richard Lutz und seine Vorstandskollegen ein düsteres Bild der Lage gezeichnet. Die „schwierige Situation“ des Staatskonzerns habe sich in den vergangenen Monaten verschlechtert, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

Der Brandbrief des sechsköpfigen Bahn-Vorstands unter Führung von Richard Lutz an die Führungskräfte des Staatskonzerns lässt nichts an Klarheit zu wünschen übrig: „Einschneidende Maßnahmen“ seien notwendig. Lutz bangt sogar um die „wirtschaftliche Stabilität“ des Konzerns.

Der Gewinn liege 160 Millionen Euro unter Plan, und „aktuelle Indikatoren aus den Geschäftsfeldern“ machen laut Brandbrief eine dritte Gewinnwarnung in diesem Jahr immer wahrscheinlicher. Das ohnehin schon reduzierte Ergebnisziel von 2,1 Milliarden Euro scheint in Gefahr. Das „würde unsere finanzielle Lage weiter destabilisieren und Vertrauen und Goodwill, die wir bei Eigentümer und Öffentlichkeit noch haben, zusätzlich beschädigen“, heißt es in dem vierseitigen von allen Vorständen unterzeichneten Papier.

Schwierige Zeiten. Gerade erst musste die Deutsche Bahn einräumen, dass im August nur noch 69,8 Prozent der Fernzüge pünktlich fuhren. Das seit Jahren ausgegebene Ziel von 82 Prozent liegt damit in weiter Ferne. Im Plan ist ein Zug, wenn er weniger als sechs Minuten Verspätung hat.

Auch bei der Tochter DB Cargo reißen die Probleme nicht ab. Nach Informationen des Handelsblatts könnte der Verlust im Schienengüterverkehr auf 150 bis 200 Millionen Euro in diesem Jahr steigen. Und das trotz des Logistikbooms in Deutschland. Schon vor Jahren hätte Cargo in die Gewinnzone zurückkehren sollen.

Dazu kommt: Die Kosten in der Verwaltung des Eisenbahnkonzerns haben sich laut Vorstand „seit 2015 um einen deutlichen dreistelligen Millionenbetrag erhöht“.

All das führt dazu, dass die Verschuldung des Unternehmens permanent steigt. Drei Milliarden kamen in den zurückliegenden Jahren dazu. Zum Halbjahr 2018 lag die Nettoverschuldung schon bei 19,7 Milliarden Euro. Tendenz weiter steigend.

Die Schmerzgrenze wird vom Vorstand bei 20 Milliarden Euro gesehen, weil eine darüber hinausgehende Verschuldung die Finanzierungskosten der Bahn deutlich erhöhen würde. Der Konzern refinanziert sich weitgehend über Anleihen. Der Bund als Eigentümer der Bahn hat die Schuldengrenze ohnehin bei 20,4 Milliarden Euro gesetzt. Die droht der Schienenkonzern schon bald zu knacken.

Bahn-Chef holt Berater ins Haus

Der Bahn-Chef sucht daher nach Auswegen. Die Unternehmensberater von McKinsey sind nach Informationen des Handelsblatts bereits wieder im Haus. 2012, beim ersten Sanierungsplan „Zukunft Bahn“, waren die als Kostenkiller bekannten Berater schon einmal gerufen worden. „Ab sofort“ und „bis auf Weiteres“ gilt zudem eine sogenannte „qualifizierte Ausgabensteuerung“, schreibt der Vorstand in seinem Brandbrief. Das bedeutet: Alle Ausgaben oberhalb einer Bagatellgrenze müssen genehmigt werden. Und der ausdrückliche Hinweis darauf, dass der Ausgabenstopp „nicht befristet“ sei, lässt nichts Gutes ahnen. Das Ziel des Vorstands: Die „Kostendynamik müssen wir wieder zurückführen“.

Trotz aller Appelle an die „Geschlossenheit der Führungsmannschaft“ scheint Lutz aber wohl nicht an die durchschlagende Wirkung einer Vollbremsung bei den Ausgaben zu glauben. Um die Verschuldung zu stoppen, holt der Bahn-Chef einen alten Plan aus der Schublade. Lutz will nach Informationen aus Kreisen des Unternehmens die Konzerntochter Arriva zum Verkauf stellen. Die in London ansässige Arriva bündelt den Auslandsverkehr im Personenverkehr.

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Der Wert der Gesellschaft wird auf etwa 4,5 Milliarden Euro geschätzt. Vergleichbar strukturierte Unternehmen wie National Express oder Stagecoach spielen in dieser Börsenliga.

National Express macht der Bahn-Tochter DB Regio inzwischen auch in Deutschland Konkurrenz. Das britische Unternehmen fährt Busse und Bahnen und hat der Bahn schon so manchen Nahverkehrsauftrag abgejagt. National Express wird sogar einen Teil des im Dezember startenden neuen Rhein-Ruhr-Express (RRX) fahren. Ein milliardenschwerer Renommeeauftrag, den DB Regio krachend verloren hat.

Teilverkauf von Tochter Arriva geplant

Den Plan zum Verkauf oder Teilverkauf von Arriva will der Vorstand dem Aufsichtsrat im November auf einer Strategiesitzung vorstellen. Schon jetzt ist aber klar, es wird erheblichen Widerstand geben. Bei einem ersten Anlauf vor zweieinhalb Jahren hatten sich Politiker und einige Aufsichtsräte vehement dagegengestemmt. Auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat waren weitgehend dagegen.

Ihr Argument: Warum sollte man eine rentable Tochter verkaufen, die kontinuierlich Geld verdient und somit zur Finanzierung des Eisenbahnverkehrs in Deutschland beiträgt? Arriva lieferte zuletzt mehr als eine halbe Milliarde Euro Gewinn vor Steuern und Abschreibungen. Und spielt damit im profitablen Mittelfeld der Branche. Haushaltspolitiker fanden dagegen die Idee, Tafelsilber zu verkaufen, durchaus reizvoll.

Weil die von Lutz vorgeschlagene Teilprivatisierung damals platzte und auch die Logistiktochter Schenker nach dem Willen des Bundes nicht verkauft werden sollte, rang sich der Finanzminister schließlich zu einer Kapitalspritze von einer Milliarde Euro durch, um die schnell wachsende Verschuldung abzubremsen.

Doch die Wirkung hielt offenbar nicht lange. Im Aufsichtsrat der Bahn gibt es Zweifel, dass Lutz mit seinem Plan beim zweiten Anlauf durchkommen wird. „So kurz nach der Kapitalspritze des Bundes braucht die Bahn schon wieder Geld?“, fragt ein Bahn-Aufseher. „Das wird Herr Lutz erklären müssen.“

Umsetzen müsste Lutz den Plan allerdings nicht mehr selbst. Das wäre dann Aufgabe des neuen Vorstandsmitglieds Alexander Doll. Der ist seit April verantwortlich für Logistik & Transport im Vorstand und soll laut Kreisen des Aufsichtsrats ab Januar 2019 zusätzlich das Finanzressort übernehmen. Das sollen die Bahn-Aufseher schon Ende September beschließen.

Zurzeit ist Richard Lutz in Personalunion CEO und Finanzchef. Sollte der Aufsichtsrat den Befreiungsschlag mit Arriva absegnen, könnte Doll gleich seine Erfahrungen als Investmentbanker einbringen. Zuletzt führte er die Deutschlandgeschäfte der Barclays Bank.

Sollte der Eigentümer Bund die Signale aber auf Rot stellen, dürfte Doll das Kunststück vollbringen müssen, die seit Jahren sinkende Eigenfinanzierung und die großen Investitionspläne der Bahn in Einklang zu bringen. Neue ICE- und IC-Züge, die gerade ausgerufene Digitalisierungsoffensive und die Sanierung des Schienennetzes verschlingen Milliarden Euro. Die Erträge aber bröckeln.

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1 Kommentar zu "Deutsche Bahn: Hohe Schulden, sinkender Gewinn – Bahn-Chef Lutz zieht die Notbremse"

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  • Nicht der Bahn Chef Lutz trägt Schuld an diesem Niedergang der DB. Es ist die verfehlte Verkehrspolitik in Deutschland, die den Schienenverkehr chronisch unterfinanziert lässt. Es fehlen ca. 50 Milliarden die das Bahnnetz sanieren und die strukturellen Mißstände beseitigen würden. Allerding ist das Management der DB nicht im Stande die sekuläre Stagnation des Konzern DB zu überwinden: Abhängigkeit von wenigen Lieferanten, Unfähigkeit mit anderen Bahnen wirklich zu kooperieren und den Güterverkehr kundengerecht zu betreiben....und vor allem Innovationen, die es längst gibt zu implementieren Vielleicht sollte man Manager mit der Führung der DB beauftragen, die Erfahrungen in anderen Ländern gemacht haben, denn woanders gibts Eisenbahnbetriebe die funktionieren

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