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Deutsche Bahn Lokführer-Gewerkschaft GDL kündigt Streik an – Im Tarifstreit geht es um mehr als nur Geld

Die vierte Tarifrunde mit der Deutschen Bahn war am Montag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Den genauen Zeitpunkt für den Streik lässt die GDL bislang offen.
08.06.2021 Update: 08.06.2021 - 14:48 Uhr 2 Kommentare
Die Lokführergewerkschaft GDL kündigt die „Einleitung von Arbeitskampfmaßnahmen“ an. Quelle: dpa
Deutsche Bahn

Die Lokführergewerkschaft GDL kündigt die „Einleitung von Arbeitskampfmaßnahmen“ an.

(Foto: dpa)

Frankfurt Bahn-Reisende müssen in der Sommerreisezeit mit erheblichen Einschränkungen durch Streiks rechnen. Die Lokführergewerkschaft GDL kündigte am Dienstag nach den gescheiterten Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn die Einleitung von „Arbeitskampfmaßnahmen“ an. Den genauen Zeitpunkt ließ sie offen.

Der Streik fällt mit zunehmenden Lockerungen in der Coronakrise und damit zu Beginn einer neuen Reisewelle in Deutschland zusammen. Die GDL hatte schon vor einiger Zeit erklärt, die Bahn-Kunden mit einem gewissen zeitlichen Vorlauf über konkrete Arbeitskämpfe zu informieren.

Bei der Bahn stößt die Ankündigung der Gewerkschaft auf Unverständnis. „Gerade jetzt den Bahnverkehr bestreiken zu wollen ist daneben und völlig unnötig“, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens. Die GDL streike in Zeiten, in denen Millionen nach der langen Zeit in der Pandemie auf die Rückkehr in die Normalität setzen und sich wieder aufs Reisen freuen würden. Bei der Bahn gebe es Jobsicherheit, während viele Menschen um ihre Existenz kämpfen müssten. „Das versteht niemand.“

Die Streikankündigung kam wenige Minuten vor Beginn einer Feierstunde zum 30. Geburtstag des ICE am Berliner Hauptbahnhof. Zwar thematisierte keiner der Festredner den drohenden Arbeitskampf. Aber sowohl Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Bahn-Chef Richard Lutz betonten, wie wichtig es sei, dass die Menschen nach langen Lockdowns wegen der Pandemie wieder in die Ferien reisen könnten. „Das ist auch ein Ausdruck von Freiheit“, sagte Steinmeier.

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    Diese Freiheit könnte nun empfindlich gestört werden. Beide Tarifpartner machen sich gegenseitig für die Zuspitzung in den Verhandlungen verantwortlich. „Wir wollten verhandeln und eine Einigung erzielen, doch die Deutsche Bahn hat sich erneut verweigert“, sagte der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky. Das Management beharre auf schlechtere Arbeitszeitregelungen und der Planungssicherheit des Zugpersonals. Anderslautende Aussagen von Personalvorstand Martin Seiler seien gelogen. „Deshalb trägt er auch die volle Verantwortung für den heraufbeschworenen Tarifkonflikt.“

    Die GDL will mehr Einfluss bei der Deutschen Bahn

    Dagegen hatte Personalvorstand Seiler am Montag, unmittelbar nach dem Abbruch der Verhandlungen, der GDL Kompromisslosigkeit vorgeworfen. „Der heutige Tag hat gezeigt, dass es der Gewerkschaftsspitze in erster Linie um Konfrontation und die Ausweitung ihres Zuständigkeitsbereichs geht.“ Die GDL-Führung nehme bewusst Schaden für die Kunden und Kundinnen und die Deutsche Bahn in Kauf – und das mitten in der aufkommenden Reiselust nach dem Corona-Lockdown. „Die GDL hat sich heute endgültig entlarvt.“

    Die vierte Tarifrunde war am Montag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die GDL hatte ihre Forderungen zuvor geändert und strebte nach eigenen Angaben einen Abschluss entlang des öffentlichen Dienstes an. Der Bahn zufolge summierten sich die Forderungen aber auf das Dreifache.

    Die Deutsche Bahn hat bereits mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) eine Tariferhöhung von 1,5 Prozent für eine Laufzeit ab Anfang 2022 bis Ende Februar 2023 vereinbart. In diesem Jahr soll es kein Lohnplus geben. Einen vergleichbaren Abschluss strebt die Bahn mit der GDL an.

    Doch im Konflikt mit der GDL geht es um mehr als Geld. Die Lokführergewerkschaft will ihren Einflussbereich ausbauen und einen Abschluss auch für die Mitglieder in jenen Betrieben des Konzerns erreichen, in denen die EVG die größere Gewerkschaft ist. Das geltende Tarifeinheitsgesetz legt fest, dass die Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern den bindenden Tarifvertrag abschließen darf.

    Seit April wendet die Deutsche Bahn das Tarifeinheitsgesetz an. Damit sollen Tarifkollisionen innerhalb eines Betriebs vermieden werden. GDL, EVG und Deutsche Bahn streiten darum, wer die jeweils mitgliederstärkste Gewerkschaft ist. Aus Sicht der Bahn ist das bei den meisten Tochterunternehmen die EVG. In 16 Betrieben gelten dem Gesetz nach die Tarifvereinbarungen mit der GDL.

    Die Lokführergewerkschaft bestreitet das und geht juristisch gegen die Einschätzung vor. Beide Gewerkschaften sagen von sich, für die 185.000 Beschäftigten beim Schienenpersonal zu verhandeln. Die EVG hat jedoch rund 185.000 Mitglieder, die GDL nur etwa 35.000. Das Verhältnis der Gewerkschaften gilt als belastet.

    Mit Agenturmaterial

    Mehr: Bahn und GDL bleiben auf Konfrontationskurs – Streiks rücken näher

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    2 Kommentare zu "Deutsche Bahn: Lokführer-Gewerkschaft GDL kündigt Streik an – Im Tarifstreit geht es um mehr als nur Geld"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Dem Herrn Weselsky war das in der Vergangenheit egal und ihm ist das heute immer noch egal. Die GDL sollte auch bedenken, dass die Bahn am Tropf des Staates und damit der Steuerzahler hängt!

    • Die Lokführer sollten erstmal dankbar sein, in Corona nicht den Job verloren zu haben.

      Überdies könnte man GDL / Weselsky auch der vorsätzlichen Körperverletzung bezichtigen,
      sollten sich die Fahrgäste in den dann überfüllten Zügen mit Corona anstecken.

      In geschlossenen Räumen gibt es selbst mit Maske ein erhöhtes Risiko.

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