Deutsche-Post-Chef Appel „Die Beschäftigten werden gemobbt“

Die Streiks der Gewerkschaft Verdi setzen der Deutschen Post weiter zu. Auch am Wochenende legten viele Beschäftigten die Arbeit nieder. Post-Chef Appel erhebt in einem Interview nun schwere Vorwürfe gegen Verdi.
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Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi traten am Samstag rund 5000 Mitarbeiter in den Ausstand. Quelle: dpa
Streikversammlung bei der Post

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi traten am Samstag rund 5000 Mitarbeiter in den Ausstand.

(Foto: dpa)

Berlin/ BonnBundesweit haben Beschäftigte der Post ihre Warnstreiks vor dem Start der nächsten Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt am Montag fortgesetzt. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi traten am Samstag rund 5000 Mitarbeiter in den Ausstand. Nur in Berlin, Brandenburg und Bayern habe es eine Warnstreik-Pause gegeben, hieß es. Am Freitag hatten bereits mehrere tausend Angestellte ihre Arbeit niedergelegt. Deshalb sollten der Post zufolge Millionen Briefe ihre Empfänger erst später erreichen.

Im Tarifstreit mit der Gewerkschaft Verdi verschärft Deutsche-Post -Chef Frank Appel den Ton. „Die Beschäftigten werden gemobbt, es wird Angst geschürt, damit sie sich hinter der Gewerkschaft versammeln“, sagte Appel der „Welt am Sonntag“ laut Vorabbericht. Wer sich nicht an den Streiks beteilige, werde übel beschimpft.

Hilfe, mein Paket ist weg! Was tun?
Online-Shopping-Boom
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Bequemes Online-Shoppen: Für die Deutschen inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Doch der boomende E-Commerce hat auch Nebenwirkungen! Inzwischen kauft jeder zweite Internetnutzer online ein. Jeder neunte Euro wurde 2015 im Netz ausgegeben. Lag der Umsatz mit E-Commerce 1999 noch bei 1,25 Milliarden Euro, kommen wir im Jahr 2016, so Handelsexperten, auf 62,45 Milliarden Euro – für 2017 werden 73 Milliarden Euro erwartet.


Die Schattenseiten des Online-Handels
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Bestellte Ware zurückschicken
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Dazu kommen die Pakete im Rückwärtsgang: Schätzungen darüber, wie viele Rücksendungen es in Deutschland pro Jahr insgesamt gibt, variieren. Eine Studie im Auftrag des Bundesverbandes des Versandhandels kommt auf 144 Millionen. Forscher der Universität Bamberg gehen von fast 290 Millionen aus.

Blöd für die Händler
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Laut einer Studie des Beratungsinstituts ibi Research der Universität Regensburg kalkulieren 40 Prozent der Kunden die Rücksendung sogar gleich beim Kauf mit ein. Der Service geht für die Händler gehörig ins Geld. Im Schnitt kostet sie eine Retoure 20 Euro pro Sendung. Zudem ist jeder zehnte Rückläufer nicht mehr verkäuflich, weil die Ware beschädigt, verschmutzt oder inzwischen veraltet ist, was besonders Saisonware wie Kleidung oder Garten- und Outdoorartikel betrifft.

Teure Rücksende-Mentalität
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Und so verbringt Mancher übers Jahr gesehen wohl mehr Zeit am Postschalter als in Umkleidekabinen von herkömmlichen Geschäften. Die Retourenforscher der Universität Bamberg haben Folgendes ausgerechnet: Reiht man die fast 290 Millionen Retourenpakete eines Jahres aneinander, würden sie fast dreimal die Erde umrunden. Die Rücksendungen verursachen so viel Klimagift wie 1.400 Autofahrten von Hamburg nach Moskau. Pro Tag.

Missbrauch...
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Jede fünfte Retoure bewerteten die von den Forschern befragten Onlinehändler als „missbräuchlich“, ein Begriff, der in diesem Zusammenhang jedoch missverständlich ist. Denn: Aus juristischer Sicht gibt es beim Widerrufsrecht gar keinen Missbrauch, da der Verbraucher laut Gesetz zwei Wochen nach Erhalt der Bestellung Zeit hat, die Ware ohne Angabe von Gründen an den Händler zurückzuschicken. Genau das tun viele Kunden mit Vorsatz, weil es so einfach und meist kostenlos ist.

Vorfreude aufs Paket
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Doch was, wenn das im Netz bestellte Paket nicht ankommt? Was ist, wenn es unterwegs verloren geht? Wir haben die wichtigsten Fragen für Sie beantwortet.

Verdi hatte zuletzt vor der möglicherweise entscheidenden Runde im Tarifkonflikt den Druck noch einmal erhöht. Tausende Beschäftigte legten erneut die Arbeit nieder. Beide Seiten wollen ihre Gespräche am Montag und Dienstag in Berlin in der dann sechsten Runde fortsetzen. Die Gewerkschaft will für die 140.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns 5,5 Prozent mehr Lohn sowie eine Verkürzung der Wochen-Arbeitszeit auf 36 von 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchsetzen.

Ein Kernpunkt des Konflikts ist aber vor allem der Aufbau von 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung. Dort arbeiten nach Angaben der Post schon mehr als 6000 Menschen. Bezahlt werden sie nicht nach dem Haustarif des Konzerns, sondern nach dem in der Regel niedrigeren Tarif des Speditions- und Logistikgewerbes.

Appel ergänzte, die neu gegründeten Zustellfirmen würden nicht wieder eingestellt: „Das ist realitätsfern.“ 6000 Mitarbeiter seien bereits einstellt worden. Die Wettbewerber des Bonner Dax-Konzerns zahlten deutlich niedrigere Stundenlöhne, darauf müsse die Deutsche Post reagieren.

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