Deutsche Post mit Rekordergebnis Die „Vereinigten Paketnationen von Europa“ rücken näher

Die Post profitiert vom Paketboom durch den Onlinehandel. Konzernchef Frank Appel will die Aktionäre deshalb mit steigenden Dividenden und die Umwelt mit jährlich einer Million frisch gepflanzten Bäumen beglücken.
Update: 08.03.2017 - 12:57 Uhr 4 Kommentare

Frank Appel: „Wir setzen auf Qualität“

Frank Appel: „Wir setzen auf Qualität“

BonnDie Aktionäre der Deutschen Post profitieren von einer Paketflut und dem boomenden Expressgeschäft. Vor allem der Online- und Versandhandel spülte dem Bonner Konzern so viel Cash in die Kassen, dass der Vorstand eine Dividende von 1,05 Euro zahlen will. Die Ausschüttung liegt damit 24 Prozent über dem Vorjahr und höher als von den meisten Analysten erwartet.

Vorstandschef Frank Appel machte am Mittwoch den Postaktionären Hoffnungen auf mehr. Gewinn und Finanzierungskraft des Unternehmens sollen in den kommenden Jahren kräftig gesteigert werden. Und die Aktionäre sollen „am Erfolg teilhaben“, sagte er.

Ein gelbes Sammelsurium
Schwindendes Kerngeschäft
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Nur noch ein Viertel trägt die Brief- und Paketzustellung zum 60 Milliarden Euro schweren Umsatz der Deutschen Post bei. Was kaum jemand weiß: Die Keimzelle des weltgrößten Logistikkonzerns ist 526 Jahre alt und geht auf den Habsburger Kaiser Maximilian zurück, der Franz von Taxis 1490 zu seinem Postmeister ernannte.

Gelb und Schwarz
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Noch heute trägt Deutschlands Post mit Gelb und Schwarz die Farben des österreichischen Herrschergeschlechts. Doch E-Mail und SMS verdrängen zunehmend Brief und Postkarte, sodass sich der Bonner Dax-Konzern auf benachbarte Geschäftsfelder konzentriert.

Eilige Zustellungen
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2002 kaufte die Deutsche Post den 1969 in San Francisco gegründeten Expressdienst DHL – und stieg damit in den Versand eiliger Sendungen ein. Über das weltweite Zustellnetz finden Dokumente und kleinere Ersatzteile ihren Adressaten oft schon am Folgetag der Sendungsaufgabe.

Schwere Lasten
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Ins internationale Speditionsgeschäft stieg die Deutsche Post 1999 mit dem Kauf des Frachtvermittlers Danzas ein. Seither gehören die Bonner, die dem neuen Geschäftsbereich später die Marke „DHL“ verpassten, zum Spitzentrio in der Luft-, See- und Lkw-Fracht.

Lagerservice
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Für umgerechnet 5,6 Milliarden Euro erwarben die Bonner 2005 den britischen Lagerservice-Anbieter Exel, um dessen Dienstleistungen danach unter der Marke „DHL“ anzubieten. In konzerneigenen Lagerhallen kommissioniert die Post-Tochter beispielsweise komplette Bausätze für Audi-Türen, um sie anschließend nach Ingolstadt zu liefern. Auch Pharmahersteller wie Stada sind Großkunden. Für sie verpackt DHL Medikamente und kommissioniert sie für die unterschiedlichen Absatzmärkte.

Lieferungen aus der Luft
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Seit drei Jahren tüftelt die Deutsche Post an unbemannten Flugobjekten, sogenannten Drohnen, die sie regelmäßig zur Nordsee-Insel Juist oder in den Alpen fliegen lässt. Über die Testphase ist das Projekt noch nicht hinausgekommen, weil behördliche Genehmigungen fehlen.

Supermarkt auf Rädern
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Durch den Einstieg beim Online-Versender Allyouneed ist die Deutsche Post seit kurzem auch Anbieter von Lebensmitteln. Innerhalb weniger Stunden liefert die Konzerntochter Erdbeeren, Hähnchenbrustfilets oder Katzenstreu bundesweit bis vor die Haustür.

Appel präsentierte ein Rekordergebnis für das Geschäftsjahr 2016 und versprach, „weiter profitabel zu wachsen“. Der operative Gewinn (Ebit) kletterte 2016 auf 3,491 (Vorjahr: 2,4) Milliarden Euro. Unter dem Strich und nach Anteilen Dritter blieb ein Gewinn von 2,6 (1,5) Milliarden Euro. In diesem Jahr will Appel 3,75 Milliarden Euro erreichen. Zugleich bekräftigte er das Ziel, in den kommenden Jahren beim Gewinn um mehr als acht Prozent jährlich zulegen zu wollen. 2020 will die Post dann fünf Milliarden Euro Ebit schaffen.

„2016 war für uns ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr“, betonte Appel. „Nie zuvor hat der Konzern in seiner jetzigen Struktur ein besseres Ergebnis erzielt.“ Für Rückenwind sorgte dabei die Porto-Erhöhung in Deutschland. Auch Streiks gab es keine. Die Börse reagierte jedoch enttäuscht von den Zahlen. Als Grund nennen Analysten den lediglich bestätigten Ausblick.

Der Post spielt der ungebrochene Boom im Online-Handel in die Hände. Die Kunden bestellen bei Internet-Händlern von Amazon bis Zalando, Zusteller bringen die Pakete dann zum Verbraucher. Der Konzern knüpft ein immer engeres Zustellnetz in Europa. „Unsere Vision der 'Vereinigten Paketnationen von Europa' ist inzwischen weitgehend Realität“, sagte Appel. Die Post decke 21 europäische Länder ab und wachse in allen Ländern schnell.

Im Januar sind Spanien und Portugal in das Netz integriert worden, das unter anderem auch die nur in Deutschland übliche Samstagszustellung einschließt. Geld wird allerdings bisher nur in Deutschland damit verdient.

Auch ein protektionistischer Kurs der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump schreckt den Post-Chef nicht. „Wir beobachten das natürlich aufmerksam, sind aber nicht alarmiert“, sagte Appel. „Unsere Experten wissen genau, wie man mit Handelsbarrieren umgeht.“

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4 Kommentare zu "Deutsche Post mit Rekordergebnis: Die „Vereinigten Paketnationen von Europa“ rücken näher"

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  • Herr Marc - in der EU wird es keine Monopole geben. Es gibt eindeutige Regeln, und
    die werden auch befolgt. Es gibt eine Reihe sehr grosser Wettbewerber.

  • @Hans Henseler
    Was meinen Sie wohl, was hinter der Aussage "Vereinigte Paketnationen von Europa" verborgen ist....das steht für nichts anderes als eine zukünftige Monopolstellung der Deutschen Post in Europa.

  • Herr Marc, haben Sie was nicht mitbekommen? Das Monopol gibt es schon lange nicht mehr.
    Die Post steht in einem sehr harten Wettbewerb und zahlt hoehere Loehne als ihre Konkurrenten.
    Wir brauchen mehr solche Unternehmen!

  • Vereinigte Paketnationen von Europa...wenn ich das schon lesen muss.
    Am besten das Kartellamt und den Wettbewerb (Marktgesellschaft) ganz abschaffen, damit die Preise bei den Postdiensten dann noch weiter in die Höhe schnellen können. Das ist keine freie Marktwirtschaft mehr mit Wettbewerb von Angebot und Nachfrage sondern eine staatliche Monopolpolitik die die Preise in Zukunft bestimmt und diktiert. DDR 2.0 des reinen Kapital-Sozialimus lässt grüßen!

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