Deutsche Post mit Rekordquartal 70 Cent für ein Halleluja

Nie zuvor hat die Deutsche Post in einem dritten Quartal solch einen hohen Betriebsgewinn erwirtschaftet. Wesentlicher Grund für den Sprung: die Portoerhöhung. Vorstandschef Appel empfiehlt sich für einen neuen Vertrag.
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Post-Chef Frank Appel ist „sehr optimistisch“, das gesteckte Ergebnisziel von 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro in diesem Jahr zu erreichen. Quelle: dpa
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Post-Chef Frank Appel ist „sehr optimistisch“, das gesteckte Ergebnisziel von 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro in diesem Jahr zu erreichen.

(Foto: dpa)

BonnMüsste er seinen eigenen Konzern benoten, erhielte die Deutsche Post von ihrem Vorstandsvorsitzenden Frank Appel derzeit eine Eins. Beim Betriebsergebnis (Ebit) sei die Entwicklung „sehr gut“, erklärte er heute im Bonner Posttower. „Sehr optimistisch“ zeigte sich Appel deshalb, das gesteckte Ergebnisziel von 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro in diesem Jahr zu erreichen.

Schließlich liefere nicht nur die sanierte Sparte „Supply Chain“, die Kunden bei Kommissionierung und Lagerhaltung unterstützt, eine „sehr gute Entwicklung“. „Sehr zufrieden“ sei man auch mit der eigenen Produktion der Elektro-Lieferwagen vom Typ „Streetscooter“, von denen bis Ende des Jahres 2000 Stück auf Deutschlands Straßen fahren sollen.

Und die für 2020 versprochenen Ertragsziele? Dort sei man, formulierte der Vorstandschef, „sehr gut unterwegs“. Und selbst die im August neuverhandelten Rahmenverträge mit dem Großkunden Amazon seien gut, berichtete Appel, ohne Details zu nennen. Den Zusatz „sehr“ allerdings sparte er sich.

Mit dem besten Betriebsergebnis, das der gelbe Riese jemals in einem dritten Quartal ablieferte, geht der 55-jährige Spitzenmanager nun gestärkt in die Verhandlungen mit seinem Aufsichtsrat. Das Gremium um Wulf von Schimmelmann wird vermutlich schon in den nächsten Wochen entscheiden, unter welchen Konditionen Appels Vorstandsvertrag verlängert wird. Dass der gebürtige Hamburger nach Ablauf der Vertragsfrist im Oktober 2017 dem weltweit größten Logistikkonzern erhalten bleibt, steht außer Frage. „Die Arbeit macht mir Spaß“, sagte er heute.

Mit einem sprunghaften Ertragswachstum hatten Analysten schon vor der Veröffentlichung der Zahlen gerechnet. Schließlich war das Vorjahresquartal belastet durch zahlreiche Sonderfaktoren. Allein 384 Millionen Euro schrieb die Speditionstochter DHL im Herbst 2015 ab, weil sich ein weltweit installiertes IT-System als unbrauchbar erwies. Und auch die Paketzusteller-Streiks des vergangenen Jahres verursachten im dritten Quartal 2015 Schäden, die von Analysten der Royal Bank of Canada (RBC) mit 24 Millionen Euro beziffert werden. Unterm Strich kam damals lediglich ein Ebit von 197 Millionen Euro zusammen.

Ein gelbes Sammelsurium
Schwindendes Kerngeschäft
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Nur noch ein Viertel trägt die Brief- und Paketzustellung zum 60 Milliarden Euro schweren Umsatz der Deutschen Post bei. Was kaum jemand weiß: Die Keimzelle des weltgrößten Logistikkonzerns ist 526 Jahre alt und geht auf den Habsburger Kaiser Maximilian zurück, der Franz von Taxis 1490 zu seinem Postmeister ernannte.

Gelb und Schwarz
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Noch heute trägt Deutschlands Post mit Gelb und Schwarz die Farben des österreichischen Herrschergeschlechts. Doch E-Mail und SMS verdrängen zunehmend Brief und Postkarte, sodass sich der Bonner Dax-Konzern auf benachbarte Geschäftsfelder konzentriert.

Eilige Zustellungen
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2002 kaufte die Deutsche Post den 1969 in San Francisco gegründeten Expressdienst DHL – und stieg damit in den Versand eiliger Sendungen ein. Über das weltweite Zustellnetz finden Dokumente und kleinere Ersatzteile ihren Adressaten oft schon am Folgetag der Sendungsaufgabe.

Schwere Lasten
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Ins internationale Speditionsgeschäft stieg die Deutsche Post 1999 mit dem Kauf des Frachtvermittlers Danzas ein. Seither gehören die Bonner, die dem neuen Geschäftsbereich später die Marke „DHL“ verpassten, zum Spitzentrio in der Luft-, See- und Lkw-Fracht.

Lagerservice
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Für umgerechnet 5,6 Milliarden Euro erwarben die Bonner 2005 den britischen Lagerservice-Anbieter Exel, um dessen Dienstleistungen danach unter der Marke „DHL“ anzubieten. In konzerneigenen Lagerhallen kommissioniert die Post-Tochter beispielsweise komplette Bausätze für Audi-Türen, um sie anschließend nach Ingolstadt zu liefern. Auch Pharmahersteller wie Stada sind Großkunden. Für sie verpackt DHL Medikamente und kommissioniert sie für die unterschiedlichen Absatzmärkte.

Lieferungen aus der Luft
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Seit drei Jahren tüftelt die Deutsche Post an unbemannten Flugobjekten, sogenannten Drohnen, die sie regelmäßig zur Nordsee-Insel Juist oder in den Alpen fliegen lässt. Über die Testphase ist das Projekt noch nicht hinausgekommen, weil behördliche Genehmigungen fehlen.

Supermarkt auf Rädern
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Durch den Einstieg beim Online-Versender Allyouneed ist die Deutsche Post seit kurzem auch Anbieter von Lebensmitteln. Innerhalb weniger Stunden liefert die Konzerntochter Erdbeeren, Hähnchenbrustfilets oder Katzenstreu bundesweit bis vor die Haustür.

Dennoch liegt die Post nun ein Jahr später mit ihrem operativen Ergebnis von 755 Millionen Euro deutlich über den Markterwartungen, was die Aktie mit einem Plus von zunächst 1,8 Prozent zu den Tagesgewinnern im Dax machte. Branchenexperten wie Adrian Pehl von der Commerzbank setzten das Kursziel für die Postaktie nach der Veröffentlichung der Zahlen auf 33 Euro. Angesichts der aktuellen Aktienbewertung von 28,56 Euro und rieten viele zum Kauf.´

Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Ebit von 728 Millionen Euro gerechnet. Beflügelt wurde das Ergebnis aber vor allem durch Zuwächse in der Brief- und Paketsparte. Ihr Umsatz wuchs im dritten Quartal zwar nur um vier Prozent, der Betriebsgewinn (Ebit) aber verdoppelte sich auf 295 Millionen Euro. Wesentlicher Grund für den Gewinnsprung: Zum Jahresanfang hatte die Bundesnetzagentur dem Konzern genehmigt, das Porto für den Standardbrief von 62 auf 70 Cent zu erhöhen.

Portoerhöhungen für gewerbliche Kunden möglich
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9 Kommentare zu "Deutsche Post mit Rekordquartal: 70 Cent für ein Halleluja"

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  • 2,5% Dividende, da verkranpft sich das Investoren Herz. eingerechnet die Wurst auf der HV. Eine Schande, da helfen nicht einmal die Tramal Pillen und die Briefkasten-
    Firma in Panama, Wohl dem Investor der Schiffaktien hat und die 10% Dividende.

  • Ohne Mliiardengewinne wäre der Appel möglicherweise seinen Job los.und könnte nicht mehr für die notleidenden Aktionäre sorgen.

    Schon mal den lumpigen Betrag ausgerechnet, den so eine Post-Aktie nominal pro Stück in der Stunde bei 1 Jahr Anlagedauer abwirft?

    Und mal eben 384 Mio. € für eine kleine Fehlinvestition müssen ja auch erst einmal erwirtschaftet werden. Wenn das System solche Kleinigkeiten nicht verkraften kann, gefährdet das doch die Arbeitsplätze.

    Also nicht lamentieren und scchon gar nicht Arbeitsplätze boykottieren. Amazon wartet schon auf gute Gelegenheiten....

  • Bitte Leute, wehrt euch endlich dagegen!
    Hört auf bei solchen Unternehmen zu arbeiten, schickt dort keine Bewerbungen mehr hin.
    Diese Konzerne machen Milliardengewinne auf eure Kosten!

  • Ich rechne mal vor.
    12,02 € brutto die Stunde x 8 x 21 AT = 2019,36 brutto Monatsgehalt

    Bleiben dann bei Steuerklasse 1 genau 1373,88 € netto übrig.

    1373,88 :21 AT : 8 Std. = 8,18 € netto die Stunde verdient dann ein Paket- oder Briefzusteller

    Umgerechnet auf D-Mark Zeiten wären das dann genau 16,00 D-Mark.

    15,00 D-Mark hat man vor 20 Jahren bereits als Hilfsarbeiter bei der Post verdient.
    Heute kriegt man genau 1,00 D-Mark mehr.

    Asozial sowas!

  • Früher hat ein Brief ähnlich viel gekostet..... allerdings in Pfennig.

    Natürlich nennt man das nicht Geldentwertung.
    /Sarkasmus aus

  • „Vorstandschef Appel empfiehlt sich für einen neuen Vertrag.“

    Genau so ist das!

    Und auch die Paketzusteller-Streiks des vergangenen Jahres verursachten im dritten Quartal 2015 Schäden, die von Analysten der Royal Bank of Canada (RBC) mit 24 Millionen Euro beziffert werden. Unterm Strich kam damals lediglich ein Ebit von 197 Millionen Euro zusammen.

    Warum wohl, weil die Paketzusteller supoer zufrieden waren mit ihren Arbeitsbedingungen und ihren Löhnen?
    Lieber werden 24 Mio. in den Sand gesetzt, als den Mitarbeitern mehr zu bezahlen.
    Toll der Appel, absoluter Spitzenmanager!

  • Bei der Post können die ja dann die jungen männlichen Schutzsuchenden einstellen, die machen das dann bestimmt für noch weniger Lohn und längeren Arbeitszeiten. Auch gerne in Nachtschicht und am Wochenende.

    @ Vorstand Appel > bei 8,50 € Mindestlohn brutto die Stunde, wäre noch eine größere Gewinnspanne drin! Schon mal drüber nachgedacht?

  • Wobei ich nicht unerwähnt lassen will, das die Deutsche Post noch zu den besten Arbeitgebern unter den Schlechten zählt.

    Briefzusteller: 11,78 €/Std. brutto
    Paketzusteller: 12,02 €/Std. brutto

    Oftmals sind die JOBS auch nur noch Teilzeit oder befristet.
    Einfach dort nicht mehr bewerben, dann müssen zwanglläufig die Lohnangebote steigen, wenn diese Unternehmen weiterhin Mitarbeiter beschäftigen wollen.


  • Auf Kosten der Mitarbeiter, denen man zwischen 10-12 Euro die Stunde brutto im Schichtdienst (inkl. Nacht- und Wochenendarbeit) bezahlt.
    Dort massive Gewinnzunahmen, für die Beschäftigten Niedriglohn und Altersarmut.
    Nur weiter so, nur weiter so!

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