Deutsche Post startet Pilotprojekt Briefzustellung nur noch an ausgewählten Tagen

Noch ist die Deutsche Post gesetzlich verpflichtet, an jedem Tag Briefe auszutragen. Doch die Digitalisierung könnte das unnötig machen. Die Post testet nun, ob die Zustellung an einigen wenigen Tagen möglich ist.
Update: 02.09.2017 - 14:47 Uhr Kommentieren

„Roboter werden den Menschen nie ersetzen, nur unterstützen“

BonnDie Deutsche Post experimentiert damit, einigen Kunden Briefe nicht mehr jeden Werktag zuzustellen. Anfang Juli startete das Unternehmen unbemerkt von der Öffentlichkeit ein Pilotprojekt, das die bisherige Formen der Briefzustellung grundlegend verändern könnte. Ausgewählte Kunden können wählen, ob sie Briefe als Sammelzustellung an einem Wochentag, an drei Wochentagen oder an fünf Tagen, dann aber an den Arbeitsplatz, geliefert bekommen wollen.

„Wir testen neue Zustelloptionen, um Kundenbedürfnisse zu erforschen“, sagte ein Postsprecher am Samstag auf Anfrage. Er bestätigte damit einen Bericht des „Bonner Generalanzeigers“. Schon vor einem Jahr war das Unternehmen wegen angeblicher Pläne, die Montagszustellung zu streichen, in die Schlagzeilen geraten.

Wie Post und Ford E-Transporter auf die Straße bringen
Rekordverdächtig
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Gefühlt war es erst gestern, dass die Deutsche Post zur Produktion von Elektrofahrzeugen eine Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Autobauer Ford ankündigte. Nach einer Entwicklungszeit von nur zwei Monaten wurde nun ein erstes Ergebnis präsentiert: Der StreetScooter Work XL. Nicht nur Post-Vorstand Jürgen Gerdes (r.) ist sichtlich zufrieden mit dem E-Transporter, auch Ford-Europachef Steven Armstrong ist von dem Ergebnis „begeistert“ – und wünscht sich prompt eine Vertiefung des Bündnisses mit der Post. „Wir würden gerne eine engere Kooperation prüfen“, sagte Armstrong bei der Vorstellung des neuen Gefährts.

Groß wie nie
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Nach zwei kleineren Modellen ist nun auch der posttypische Transporter elektrifiziert. Basierend auf dem Fahrgestell des Ford Transit umfasst das Fahrzeug ein Ladevolumen von 1350 Kilogramm (oder rund 200 Paketen) und schafft eine Reichweite von 200 Kilometern.

Klare Aufteilung
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Der US-amerikanische Autobauer ist verantwortlich für das Chassis, um die Technik kümmert sich die Post. Sowohl der batterieelektrische Antriebsstrang als auch der Karosserieaufbau entstand nach Vorgabe des Logistikkonzerns.

Die Umwelt dankt
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Nach Post-Vorstand Gerdes könne das neue Modell pro Jahr bis zu 5 Tonnen CO2 oder 1900 Liter Diesel einsparen. Die während des Diesel-Skandals aufgekeimte Diskussion füllt zudem die Auftragsbücher der Post. Es bestehe eine „gewaltige“ Nachfrage.

Ziel
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Noch in diesem Jahr sollen 150 Work XL als Vorserienfahrzeuge ihren Dienst aufnehmen. Im Laufe des kommenden Jahres soll der Fuhrpark dann auf 2500 Transporter anwachsen. Zudem plant der Elektrofahrzeug-Hersteller der Post bereits den Bau einer neuen Fabrik. Dort sollen dann bis zu 30.000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band rollen.

Erfolgreicher Vertrieb
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Der Transporter ist bereits das dritte Model der E-Fahrzeug-Reihe der Post. Während der Work XL vorerst auf absehbare Zeit von der Post selbst beansprucht wird, vertreibt die Post die beiden kleineren Modelle auch an Dritte – zurzeit vor allem an Gewerbetreibende. Und das Geschäft mit den kleineren Scootern läuft ausgezeichnet. „Wir sind quasi ausverkauft“, sagte StreetScooter-Chef Achim Kampker.

50.000 Elektro-Wagen
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Die Deutsche Post will nach den Worten von Post-Chef Frank Appel bis 2050 die komplette Brief- und Paketzustellflotte von knapp 50.000 Fahrzeugen durch Elektro-Wagen ersetzen. Dem aktuellen Tempo der Produktion nach zu urteilen, scheint das Ziel „Null CO2“ im Rahmen des Möglichen zu liegen. In den Städten und auf dem Land müssen sich die Bewohner künftig wohl auf leise surrende, sonnengelbe Flitzer und Transporter einstellen.

Die Post möchte herausfinden, ob die drei neuen Formen der Zustellung bei den Postkunden auf fruchtbaren Boden fallen. Dazu hätten 18 geschulte Briefträger in den vergangenen Wochen Kunden bundesweit angeworben, die bereit seien, in einer Testphase auf eine tägliche Zustellung zu verzichten und eine andere Form zu wählen, sagte der Sprecher. Ausgeschlossen sind dabei Einschreiben, der Versand von Dokumenten oder auch Eilbriefe, die sofort ausgetragen werden.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi reagierte mit Empörung. Sie befürchtet, dass sich die Deutsche Post, die gesetzlich zu einer flächendeckenden Grundversorgung verpflichtet ist, aus ihrer Pflicht Schritt für Schritt verabschieden wolle. „Bei uns brennt die Hütte“, zitierte die Zeitung die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. Sollte die Briefzustellung künftig seltener werden, könnten auch zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen.

Der Briefmarkt in Deutschland sei ausgesprochen stabil. „Wenn die Deutsche Post nun Kunden anbietet, auf diese Dienstleistung verzichten zu wollen, untergräbt sie die Auflagen einer flächendeckenden Grundversorgung und sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt“, kritisierte die Gewerkschafterin, die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Post ist. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass eine Verringerung der Zustellfrequenz und damit längere Laufzeiten postalische Dienstleistungen unattraktiv machten.

Bevor der Postmann zwei Mal klingelt
Paketzusteller
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Wenn der Postmann zweimal klingelt, wohnt der Empfänger vermutlich einsam auf dem Lande. Zwar werben Paketdienste wie Hermes oder UPS damit, mindestens drei Zustellversuche an der Haustür zu unternehmen, falls sie beim ersten und zweiten Hausbesuch niemand antreffen. In städtischen Gebieten aber bauen sie längst auf andere Lösungen, um teure Extrafahrten zu vermeiden. Dass Nachbarn dabei unfreiwillig zu Hilfsboten werden, ist längst nicht die einzige Lösung.

Paketshops
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Ungefragt klingelt der Postmann kein zweites Mal. Bleibt der DHL-Bote an der Haustür erfolglos, hinterlässt er im Briefkasten eine Benachrichtigung. Auf Wunsch kann der Empfänger dann entscheiden, ob es einen zweiten Zustellversuch geben soll, oder ob er die Sendung bei einer der 28.000 Paketstellen selbst abholt. Wer will, kann Postfilialen oder DHL-Paketshops aber auch gleich als Zustelladresse angegeben.

Hermes
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Auch Wettbewerber DPD hält zu diesem Zweck gut 6.000 Paketshops in Deutschland vor – was sich für Online-Händler außerdem positiv auf die Versandkosten auswirken kann. Der DPD-Service „Shop2Shop“ erlaubt es ihnen, Lieferungen günstiger an einen Paketshop in der Nähe ihres Kunden zu senden.
Ähnliches gilt für Hermes mit seinen etwa 14.000 deutschen Pakethops. Ausgewählten Versandhändlern gestatten die Hamburger, eigene Paketshops als Lieferadresse zu nutzen. Dort liegen die Pakete dann, statt sie an die Haustür zu liefern, zur Abholung bereit.

UPS-Paketshop
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Zu diesem Zweck unterhält ebenso GLS, eine Tochter der britischen Royal Mail, hierzulande 5.000 Paketstellen per Shop-in-Shop-System. Wettbewerber UPS zieht seit 2013 nach. 2.000 Paketshops hat der amerikanische Expressdienst deutschlandweit eingerichtet. 4500 sollen es werden.

DHL-Packstation
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Die Post-Pakettochter DHL setzt außerdem seit 2001 auf Automaten. Wer sich ein entsprechendes Onlinekonto einrichtet, kann sich seine Pakete ohne Zusatzkosten in die gelben Schrankfächer liefern lassen. Sie öffnen sich nach Eingabe einer per Mail oder SMS verschickten TAN. Standen 2011 rund zwei Millionen registrierten Nutzern 2.450 Automaten zur Verfügung, sind es inzwischen 3.000 mit mehr als 300.000 Fächern. Und das in 1.600 deutschen Städten und Gemeinden. Damit können 90 Prozent der Bundesbürger eine der DHL-Packstationen innerhalb von zehn Minuten erreichen. Für dieses Jahr plant die Post nach eigener Auskunft 500 weitere Standorte.

Amazon Packstation
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Seit August 2016 testet auch Amazon in Deutschland Packstationen, und zwar auf dem Gelände von Shell-Tankstellen. Jeweils zehn Standorte in München und Berlin betreibt das Internetkaufhaus, das vor knapp anderthalb Jahren selbst in den Paketzustelldienst eingestiegen ist. Im Anschluss an die Testphase will Amazon mit den Paketautomaten deutschlandweit expandieren.

Paketkästen
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Als „größte Erfindung seit dem Briefkasten“ bezeichnet Post-Vorstand Jürgen Gerdes den „Paketkasten“, den die Deutsche Post im Frühjahr 2014 an den Start gebracht hat. Er soll jeweils im Vorgarten aufgebaut werden und öffnet sich DHL-Paketboten mit einer TAN. Sein Preis liegt bei 100 bis 500 Euro, ab 1,99 Euro im Monat können ihn Nutzer zudem mieten. Obwohl die Post ihre Kästen zu einem „vollen Erfolg“ erklärt: Nutzerzahlen hält Gerdes unter Verschluss.

Hintergrund der Pläne ist das seit Jahren schrumpfende Briefgeschäft. Die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft mit E-Mail und Messangerdiensten wie Whatsapp, Facebook, Twitter & Co verdrängen den traditionellen Brief. Im Geschäftsjahr 2006 wurden noch im Schnitt 70 Millionen Briefe pro Werktag zugestellt, zehn Jahre später waren es noch 59 Millionen. Die reine Briefkommunikation schrumpfte 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent auf 8,2 Milliarden Stück.

Trotz aller Kritik gibt sich die Post gelassen: Der Test, der noch bis Ende September laufe, sei ergebnisoffen und eine Entscheidung noch lange nicht gefallen. Auch die Bundesnetzagentur sei über den Testlauf vorab unterrichtet worden. Es sei überhaupt unklar, ob ein Kundenbedarf vorhanden sei und ob sich neue Formen der Zustellung betrieblich einsetzen ließen. Die Post werde sich auf keinen Fall aus ihrem Versorgungsauftrag mogeln, bekräftigte der Sprecher.

  • dpa
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