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Deutsche Post Streetscooter – Die Last mit dem Laster

Mit ihren flinken Elektro-Kleintransportern führte die Post lange die traditionellen Autobauer vor. Doch der Streetscooter wird finanziell zur Belastung.
2 Kommentare
Der Streetscooter wird für die Deutsche Post zur Last Quelle: dpa
Elektro-Kleintransporter bei der Deutschen Post

Mit 4000 Neuzulassungen im vergangenen Jahr, die pro Stück rund 35.000 Euro in die Streetscooter-Kasse brachten, lag der Umsatz bei gerade einmal 140 Millionen Euro.

(Foto: dpa)

Bonn Mit 1,8 Milliarden Dollar griff der US-Konzern UPS 2015 nach dem Internet-Frachtportal Coyote, um das konzerneigene Speditionsgeschäft in Schwung zu bringen. Kaum ein Jahr später schluckte der US-Rivale Fedex den niederländischen Express-Riesen TNT für 4,4 Milliarden Euro. Auch er setzte damit auf Wachstum. Der Zusammenschluss, so lautete die Absicht der Transportfirma aus Memphis/Tennessee, sollte das Netz für eilige Sendungen vor allem in Europa verdichten.

Und die Deutsche Post? Statt mutiger Zukäufe muss bei ihr als Zukunftsvision ein branchenfremdes Projekt herhalten: die Entwicklung des Elektro-Kleinlasters Streetscooter. Geschaffen von Ingenieuren der Aachener Uni RWTH, übernahm der Dax-Konzern im Dezember 2014 die Produktion des schlichten Transporters ins eigene Portfolio. „Die Transaktionskosten lagen unter einer Million Euro“, verriet der Geschäftsbericht 2014.

Seither aber beherrscht kaum ein anderes Thema aus dem Posttower die Schlagzeilen so sehr wie der batteriebetriebene Kastenwagen. Nahezu jeder Verkauf an externe Interessenten ist dem Konzern eine Pressemeldung wert. Selbst der Abgang des Mitentwicklers und Streetscooter-Geschäftsführers Achim Kampker, der neulich die Post angeblich im Streit verließ, fand erheblich mehr Beachtung als sonst ein Wechsel im Konzernvorstand.

Doch wirtschaftlich ist das Vehikel im Post-Konzern genau das, was es im Fuhrpark einer gewöhnlichen Spedition wäre: ein Zwerg. Mit 4000 Neuzulassungen im vergangenen Jahr, die pro Stück rund 35.000 Euro in die Streetscooter-Kasse brachten, lag der Umsatz bei gerade einmal 140 Millionen Euro. Gerechnet auf die Erlöse des Post-Konzerns entsprach das gerade einmal 0,2 Prozent.

Auch zum Ertrag tragen die Stromer bislang nichts bei, weil der Aufbau der Produktionsanlagen – im Frühjahr 2018 öffnete nach Aachen ein zweites Werk in Düren – deutlich ins Geld geht. Wie viel Verlust der Streetscooter den Bonnern bringt, lässt der Geschäftsbericht offen. Einen Anhalt aber gibt es dennoch: Nach der Umgliederung aus der Brief- und Paketsparte unter das Dach der Konzernzentrale notierte bei Letzterer der Ebit-Verlust um 64 Millionen Euro höher.

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Auch die Produktionszahlen erscheinen von außen betrachtet enttäuschend. 9000 dieser Fahrzeuge fahren inzwischen auf den Straßen, wie Postchef Frank Appel Mitte März in einer Analystenrunde berichtete, 4 000 von ihnen wurden laut Geschäftsbericht 2018 in Dienst gestellt.

Für eine solche Stückzahl hätte das Werk in Aachen genügt, in dem jährlich 10.000 Streetscooter vom Band laufen können. Zusammen mit dem neuen Betrieb in Düren besitzt die Deutsche Post nun jedoch eine – offenbar nur mäßig ausgelastete – Produktionskapazität von 20.000 Stück pro Jahr.

Anlaufkosten steigen weiter

Doch die Anlaufkosten laufen im aktuellen Geschäftsjahr weiter. Zusammen mit dem Start-up „Smartrucking“, das in Indien ein digitalisiertes Lkw-Netz aufbaut, werde der Streetscooter 2019 voraussichtlich 100 Millionen Euro benötigen, erklärte Appel.

Ob es überhaupt so weit kommt, ist fraglich. „Wir wollen keine Autobauer bleiben“, sagte Finanzchefin Melanie Kreis in einer Telefonkonferenz mit Analysten. „Wir werden dazu mehr Klarheit schaffen im Laufe des Jahres 2019“, kündigte sie an.

Was das konkret heißt, ist offen. Angeblich prüfte bereits der Volkswagen-Konzern den Kauf der Streetscooter-Produktion – und winkte später ab. Ähnliches wird über den Automobilzulieferer Schaeffler und Konsortium um Goldman Sachs berichtet. Doch alle Genannten halten sich dazu bedeckt. Klar ist aber, dass ein Börsengang der Kleinlaster-Schmiede, wie er noch vor einem Jahr in einigen Magazinen angekündigt wurde, angesichts der mageren Ertragszahlen eher unwahrscheinlich erscheint.

Ärgerlich zudem für die Deutsche Post: Zwei der Elektro-Lieferwagen vom Typ „Work L“, beide Baujahr 2018, fingen im vergangenen November Feuer. Als Ursache nannte ein Sprecher fehlerhafte Verschweißungen im Bereich der Batterien. 460 Fahrzeuge musste die Post vorläufig aus dem Verkehr ziehen, um sie nach ähnlichen Fehlern zu untersuchen. Werbung sieht anders aus.

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2 Kommentare zu "Deutsche Post: Streetscooter – Die Last mit dem Laster"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Schade, das ist schon wieder die typisch deutsche Mentalität, neue Technologien kleinzureden. Auch die Finanzpresse sollte nicht nur nach Zahlen, sondern nach den zugrunde liegenden Visionen und Strategien bewerten - auch wenn dies Invest und das Überwinden hoher Marktbarrieren erfordert.

    Wie hier in Deutschland über die Elektromobilität hergezogen wird, ist schon unglaublich - das grenzt an Glaubenskrieg. Tesla hätte es in Deutschland niemals so weit gebracht - und ja, auch diese Firma ist noch längst nicht solide aufgestellt.

    Die Streetscooter sind aus meiner Sicht der absolut richtige Schritt in die Zukunft und Konzepte wie dieses sind auch im Ausland gefragt - Städte wie Singapur zeigen, wo die Reise hin geht. DHL tut sich eher schwer mit der Vermarktung in einem für sie neuem Segment.

    Ich wünsche der Firma den nötigen langen Atem, hier weiter Flagge zu zeigen.

  • Ich glaube nicht, daß man die beiden Brandfälle überbewerten sollte. Auch Teslas brennen ab und an. Die Post hat Mut bewiesen.

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