Deutscher Luxushändler Mytheresa „Das gibt uns eine große Gelassenheit“

Luxusausstieg: Der deutsche Onlinehändler Mytheresa wechselt für 150 Millionen Euro den Besitzer. Geschäftsführer Thomas Müller erklärt, warum diese Entscheidung Luxus war und was eine Ehe auf Zeit damit zu tun hat.
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Ein Paar beim Luxusshopping: Der deutsche Einzelhändler Theresa betreibt nicht nur zwei Standorte in München, sondern ist auch mit seiner Onlineplattform Mytheresa eine Größe im Luxusgeschäft. Quelle: dpa

Ein Paar beim Luxusshopping: Der deutsche Einzelhändler Theresa betreibt nicht nur zwei Standorte in München, sondern ist auch mit seiner Onlineplattform Mytheresa eine Größe im Luxusgeschäft.

(Foto: dpa)

Trotz guter Zahlen und eines Umsatzes von etwa 100 Millionen Euro jährlich wird der deutsche Luxushändler Mytheresa verkauft. Das haben die Gründer Christoph und Susanne Botschen entschieden, wie das Unternehmen am Montag bekanntgab. Der neue Eigentümer, der US-Nobelkonzern Neiman Marcus Group (NMG), wird nach eigenen Angaben rund 150 Millionen Euro für das Unternehmen zahlen. Erfolgsabhängig können dazu in Zukunft noch weitere 50 Millionen Euro kommen. Mytheresa zählt zu einem der größten Luxushändler im Onlinebereich und arbeitet mit 170 Designern zusammen. Das Münchner Unternehmen ist besonders in Europa, im Mittleren Osten und in Asien aktiv. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Geschäftsführer Thomas Müller, warum der Verkauf nicht von vorneherein geplant war und was Mytheresa von NMG lernen kann.

Herr Müller, die Gründer des Luxushändlers Mytheresa, Christoph und Susanne Botschen, verkaufen die Onlineplattform und das stationäre Geschäft an die Neiman Marcus Group. Ist das eine Luxussituation oder eine Notlösung?
Ganz klar eine Luxussituation.

Warum das?
Wir zählen zu den wenigen E-Commerce-Seiten, die das Wachstum selbstständig finanzieren konnten. Wenn Sie die Finanzierungsrunden bei uns anschauen, sehen Sie, dass es da genau eine einzige gab.

Thomas Müller ist Geschäftsführer des Luxusonlinehändlers Mytheresa. Quelle: PR

Thomas Müller ist Geschäftsführer des Luxusonlinehändlers Mytheresa.

(Foto: PR)

Der Risikokapitalgeber Acton Capital hatte 2010 in Mytheresa investiert.
Genau. Wir unterscheiden uns damit von den anderen E-Commerce-Unternehmen gewaltig, weil wir nicht alle sechs oder zwölf Monate Finanzierungsrunden durchführen. Als Acton Capital bei uns investiert hat, haben sie, aber insbesondere die Alteigentümer, uns mit auf den Weg gegeben: „Das ist das Kapital, das in das Unternehmen fließen wird. Macht was draus.“ Mit dem Kapital haben wir Mytheresa zu einer Firma aufgebaut, die aus unserer Sicht komplett auf eigenen Beinen steht. Deswegen war der Verkauf auch nicht aus der Not heraus geboren.

Wenn das Unternehmen profitabel ist, warum haben die Gründer dann verkauft?
Das geht auf die Inhaberstruktur zurück. Wir haben, wie gesagt, den Venture Capitalist Acton Capital vor vier Jahren mitaufgenommen. Die haben immer einen gewissen zeitlichen Horizont, in dem sie investieren. Deswegen haben die Eigentümer von vorneherein gesagt: Das ist nur eine Ehe auf Zeit. Die Zeit war nun um.

Die umsatzstärksten Online-Händler in Deutschland
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Platz 10: H&M

Mit ihrem Internetshop eröffnet die Modekette Hennes & Mauritz den Reigen der Online-Riesen. Immerhin 303,7 Millionen Euro setzte das Unternehmen 2013 online um – trotz der starken Konkurrenz im Bereich Mode.

Quelle: Statista / EHI

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Platz 9: Alternate.de

Mit einem Umsatz von 366,9 Millionen Euro zählt alternate.de zu den Aufsteigern des Jahres 2013. Der Onlinehändler wurde 1992 gegründet und konzentrierte sich zunächst auf den Versand von Atari und Commodore-Rechnern. Inzwischen ist der Onlinehandel mit Heimcomputern das Hauptstandbein.

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Platz 8: Conrad

Werkzeug, TV-Geräte, Glühbirnen – Conrad ist das Technik-Dorado der Schrauber und Bastler. Filialen, Katalog und Onlineportal führen tausende Produkte. Die Conrad-Gruppe geht zurück auf Max Conrad, der 1923 das „Radio Conrad“ gründete. Umsatz 2013: 389,6 Millionen Euro.

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Platz 7: Tchibo.de

Früher reines Kaffee-Unternehmen, heute eines von Deutschlands größten Einzelhandelsunternehmen. Seine Produkte vertreibt Tchibo sowohl in Supermärkten, als auch in eigenen Läden. Und das Unternehmen verkauft auch im eigenen Online-Shop. Dort gibt es neben Kaffee auch Mode, Reisen und Blumen. Im E-Commerce-Bereich setzt der Händler mittlerweile 400 Millionen Euro um.

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Platz 6: Cyberport.de

Der 1998 gegründete Onlineshop hat mehr als 40.000 Produkte aus dem Elektronikbereich im Angebot. Zudem verfügt der einstige reine Onlinehändler mittlerweile über mehrere eigene Filialen, unter anderem in Berlin, Köln und Wien. 2013 setzte Cyberport.de 404,4 Millionen Euro um.

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Platz 5: bonprix.de

Die Otto-Tochter Bonprix ist seit 1986 am Markt. Sie wirbt mit günstigen Preisen für junge Mode und spricht in erster Linie Frauen an. Umsatz 2013: 410,5 Millionen Euro.

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Platz 4: notebooksbilliger.de

Der auf Notebooks, Smartphones, Tablets, PCs und Unterhaltungselektronik spezialisierte Versandhändler wurde 2004 gegründet und machte 2013 einen Umsatz von 498,9 Millionen Euro. Seit dem Oktober 2012 kooperiert Notebooksbilliger.de mit der Verbundgruppe ElectronicPartner, die eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen erwarb.

Aber warum sind Christoph und Susanne Botschen komplett ausgestiegen? Sie hätten sich ja auch einen neuen strategischen Investor suchen können.
Das kommt darauf an, was Sie unter strategischem Investor verstehen. Für uns ist die Neiman Marcus Group ein strategischer Investor. Wir haben von Anfang an jemanden gesucht, der mytheresa.com auf seinem weiteren Wachstumsweg begleitet.

Die Botschens verkaufen Mytheresa ja nun komplett. Sie hätten aber auch nur eine weitere Beteiligung verkaufen können.
Soweit ich informiert bin, war das Ergebnis am Anfang des Prozesses offen. Da stand sowohl eine Beteiligung als auch ein Verkauf zur Diskussion. Aber die Neiman Marcus Group hatte andere Vorstellungen, sie wollte unser Unternehmen gerne zu 100 Prozent übernehmen.

„Schon die nächsten fünf Jahre sind schwer planbar“
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