DHL, UPS, Fedex Das Expressgeschäft hebt ab

Der boomende Online-Handel hält die Logistikbranche unter Dampf. Dabei werden immer mehr Waren über Grenzen hinweg versendet. Konzerne wie DHL oder Fedex wittern darin große Wachstumschancen.
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Rund 250 Frachtmaschinen transportieren allein bei DHL rund 750.000 Sendungen pro Tag in alle Länder der Erde Quelle: picture alliance / ZB
DHL-Maschinen auf dem Flughafen Leipzig/Halle

Rund 250 Frachtmaschinen transportieren allein bei DHL rund 750.000 Sendungen pro Tag in alle Länder der Erde

(Foto: picture alliance / ZB)

Bonn„Wir sind Amazon Prime“ – Markus Reckling ist nicht gerade bescheiden, wenn er auf die Logistik-Ambitionen des US-Online-Riesen bei der Paket-Zustellung angesprochen wird. Der 48-jährige Manager führt seit Kurzem bei der Deutschen Post den Bereich DHL-Express Germany. Neben der Paketsparte gehört das Expressgeschäft, befeuert durch den boomenden Online-Handel, zu den großen Wachstumstreibern und Gewinnbringern des gelben Riesen. Amazon sei ein wichtiger Kunde und Wachstumstreiber der Branche, räumt Reckling ein, aber kein ernsthafter Konkurrent in der Zustellung.

Exklusives und Exzellentes liefern, das hat sich auch DHL Express auf die Fahnen geschrieben. Hinzu kommt das Ausliefern von Waren mit zeitgenauer internationaler Zustellung in einem Netz, das sich über alle Kontinente und Länder der Erde erstreckt. Rund 250 Frachtmaschinen transportieren allein bei DHL rund 750.000 Sendungen pro Tag in alle Länder der Erde. Reckling: „Nur in Turkmenistan sind wir nicht vertreten“.

Kein Wunder, dass die dynamische Entwicklung des E-Commerce die Phantasie der Logistiker beflügelt. Ausbau der Netze, neue Verteilzentren, die Erweiterung großer Drehkreuze und Übernahmen charakterisieren die Branche. Das Expressgeschäft gilt mit seinen Gewinnmargen als Goldesel der Logistiker. Allein bei der Deutschen Post ist Express mit 13,7 Milliarden Euro (2015) Umsatz zwar der kleinste, aber mit gut 10 Prozent Rendite der profitabelste Bereich. Ein großer Teil der Erlöse wird dabei außerhalb des Euro-Raumes erwirtschaftet, rund 5 Milliarden Euro allein in Asien.

Bevor der Postmann zwei Mal klingelt
Paketzusteller
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Wenn der Postmann zweimal klingelt, wohnt der Empfänger vermutlich einsam auf dem Lande. Zwar werben Paketdienste wie Hermes oder UPS damit, mindestens drei Zustellversuche an der Haustür zu unternehmen, falls sie beim ersten und zweiten Hausbesuch niemand antreffen. In städtischen Gebieten aber bauen sie längst auf andere Lösungen, um teure Extrafahrten zu vermeiden. Dass Nachbarn dabei unfreiwillig zu Hilfsboten werden, ist längst nicht die einzige Lösung.

Paketshops
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Ungefragt klingelt der Postmann kein zweites Mal. Bleibt der DHL-Bote an der Haustür erfolglos, hinterlässt er im Briefkasten eine Benachrichtigung. Auf Wunsch kann der Empfänger dann entscheiden, ob es einen zweiten Zustellversuch geben soll, oder ob er die Sendung bei einer der 28.000 Paketstellen selbst abholt. Wer will, kann Postfilialen oder DHL-Paketshops aber auch gleich als Zustelladresse angegeben.

Hermes
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Auch Wettbewerber DPD hält zu diesem Zweck gut 6.000 Paketshops in Deutschland vor – was sich für Online-Händler außerdem positiv auf die Versandkosten auswirken kann. Der DPD-Service „Shop2Shop“ erlaubt es ihnen, Lieferungen günstiger an einen Paketshop in der Nähe ihres Kunden zu senden.
Ähnliches gilt für Hermes mit seinen etwa 14.000 deutschen Pakethops. Ausgewählten Versandhändlern gestatten die Hamburger, eigene Paketshops als Lieferadresse zu nutzen. Dort liegen die Pakete dann, statt sie an die Haustür zu liefern, zur Abholung bereit.

UPS-Paketshop
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Zu diesem Zweck unterhält ebenso GLS, eine Tochter der britischen Royal Mail, hierzulande 5.000 Paketstellen per Shop-in-Shop-System. Wettbewerber UPS zieht seit 2013 nach. 2.000 Paketshops hat der amerikanische Expressdienst deutschlandweit eingerichtet. 4500 sollen es werden.

DHL-Packstation
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Die Post-Pakettochter DHL setzt außerdem seit 2001 auf Automaten. Wer sich ein entsprechendes Onlinekonto einrichtet, kann sich seine Pakete ohne Zusatzkosten in die gelben Schrankfächer liefern lassen. Sie öffnen sich nach Eingabe einer per Mail oder SMS verschickten TAN. Standen 2011 rund zwei Millionen registrierten Nutzern 2.450 Automaten zur Verfügung, sind es inzwischen 3.000 mit mehr als 300.000 Fächern. Und das in 1.600 deutschen Städten und Gemeinden. Damit können 90 Prozent der Bundesbürger eine der DHL-Packstationen innerhalb von zehn Minuten erreichen. Für dieses Jahr plant die Post nach eigener Auskunft 500 weitere Standorte.

Amazon Packstation
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Seit August 2016 testet auch Amazon in Deutschland Packstationen, und zwar auf dem Gelände von Shell-Tankstellen. Jeweils zehn Standorte in München und Berlin betreibt das Internetkaufhaus, das vor knapp anderthalb Jahren selbst in den Paketzustelldienst eingestiegen ist. Im Anschluss an die Testphase will Amazon mit den Paketautomaten deutschlandweit expandieren.

Paketkästen
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Als „größte Erfindung seit dem Briefkasten“ bezeichnet Post-Vorstand Jürgen Gerdes den „Paketkasten“, den die Deutsche Post im Frühjahr 2014 an den Start gebracht hat. Er soll jeweils im Vorgarten aufgebaut werden und öffnet sich DHL-Paketboten mit einer TAN. Sein Preis liegt bei 100 bis 500 Euro, ab 1,99 Euro im Monat können ihn Nutzer zudem mieten. Obwohl die Post ihre Kästen zu einem „vollen Erfolg“ erklärt: Nutzerzahlen hält Gerdes unter Verschluss.

In dem lukrativen Geschäft mischen aber auch andere mit – zum Beispiel der US-Gigant Fedex. Das Unternehmen gibt in den USA mit UPS den Ton an, DHL Express ist vor allem in Europa und Asien stark. Seit der Übernahme der niederländischen TNT im vergangenen Jahr macht sich Fedex in Europa zunehmend breit.

Durch den Erwerb „können wir ein äußerst bemerkenswertes europäisches Straßennetzwerk zu dem bereits bestehenden Flugnetzwerk in Europa und rund um die Welt hinzufügen“, heißt es im dem erst vor wenigen Tagen veröffentlichten FedEx Report zu den Exportaktivitäten von kleinen und mittleren Unternehmen. Und auf diese hat es der Logistikkonzern besonders abgesehen.

Zwar hat in der Expresssparte in den vergangenen Jahren das Geschäft mit Endkunden deutlich zugelegt - von 2013 bis 2016 beziffert DHL die Zunahme des Anteils von 10 auf mehr als 20 Prozent - doch bleibt das Geschäft zwischen Unternehmen wichtigstes Standbein. Immer mehr Betriebe erkennen die Vorteile des Online-Handels. Einige Bereiche wie Autozulieferung, Energiebereich, Gesundheit und Pharmazie seien schon heute vom Expressversand abhängig.

Wo das Paket schon mit der Drohne kommt
DHL-Paketkopter 1.0
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Ihren Jungfernflug absolvierte die Paketdrohne der Deutschen Post am 9. Dezember 2013, allerdings ausschließlich mit Sichtkontakt. Bei einer Nutzlast von 1,2 Kilogramm ging es mit 43 Stundenkilometern bei Bonn über den Rhein. Nach einer Strecke von gerade einmal einem Kilometer war Schluss.

DHL-Paketkopter 2.0
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Im vierten Quartal 2014 testete die Deutsche Post eine verbesserte Drohne auf der Strecke zwischen der Nordseeinsel Juist und der Festlandstation Norddeich. Drei Monate lang beförderte das Fluggerät regelmäßig Arzneimittel über das Wattenmeer. Bei einer Maximalgeschwindigkeit von 43 Stundenkilometern legte der Paketkopter jeweils zwölf Kilometer zurück und transportierte dabei 1,2 Kilogramm.

DHL-Paketkopter 3.0
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Die dritte Generation ihres Paketkopters testete die Post-Tochter DHL von Januar bis März 2016 im bayerischen Reit im Winkl. Mittels einer speziell entwickelten Packstation, dem Parcelcopter SkyPort, konnten Privatkunden in Reit im Winkl und auf der Winklmoosalm ihre Pakete direkt per Paketkopter versenden und empfangen. Insgesamt wurden 130 autonome Be- und Entladungen bei diesem Projekt unternommen. Mit einer Nutzlast von zwei Kilogramm flog die Drohne bis zu 70 Stundenkilometer und überwand eine Flughöhe von 500 Metern.

UPS
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Der US-Paket- und Expressdienst UPS startete im September 2016 Tests für den kommerziellen Einsatz von Drohnen bei der Auslieferung. Ein erster Testflug brachte Medikamente mit einem Gewicht von 900 Gramm aus dem Großraum Boston auf die knapp fünf Kilometer vor der Küste liegende Insel Children‘s Island.

Amazon
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Das US-Internetkaufhaus Amazon arbeitet eigenen Angaben zufolge seit Ende 2013 an Plänen, rund zwei Kilogramm schwere Waren binnen einer halben Stunde mithilfe von Drohnen zu liefern. Mehrere Prototypen wurden präsentiert, Tests oftmals angekündigt, wie zuletzt in Großbritannien.

JD.com
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Der chinesische Online-Händler testet die Lieferung per Drohne derzeit in der Stadt Xi'an. Der Alibaba-Rivale hat ambitionierte Pläne: Ende 2017 sollen Drohnen die Pakete bereits auf 100 regulären Routen innerhalb Chinas ausliefern.

Zipline
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Mit Hilfe von Drohnen Leben retten will das Start-up Zipline. Seit August versorgen 15 Drohnen abgelegene Krankenhäuser in Ruanda mit Blutkonserven. Die Gründer testen das System in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium des afrikanische Landes.

Dabei stellen auch Unternehmen die Zustellerbranche auf eine harte Probe: Sie fordern vor allem einen schnelleren Lieferservice. Nicht wenige würden dafür auch mehr zahlen, heißt es in dem FedEx-Bericht. Und die überragenden Rolle des Online-Handels fasst der Bericht wie folgt zusammen: „Die Verschmelzung digitaler mit physischen Netzwerken bedeutet, dass die Welt noch stärker verbunden ist und noch mehr Exportmöglichkeiten bietet“.

In einer eigenen Studie mit dem Titel „Der Gewürzhandel des 21. Jahrhunderts“ sagt die Deutsche Post DHL ein weltweites Wachstum im dem Bereich bis 2020 von jährlich 16 Prozent auf 4,5 Billionen Dollar voraus. Dabei soll der grenzüberschreitende elektronische Handel in dem Zeitraum diesen Zuwachs mit einem Plus von 25 Prozent jährlich auf rund 1 Billion Dollar deutlich übersteigen. „Alles deutet darauf hin“, schlussfolgern die Autoren, „dass die Nachfrage nach ausländischen Produkten auch nach 2020 nicht nachlassen wird“.

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  • dpa
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