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Dieter Müller Motel-One-Gründer wechselt nach Verlustjahr in Aufsichtsrat

Die bislang hochprofitable Budget-Motelkette erleidet in der Pandemie den ersten Jahresverlust ihrer Geschichte. Dennoch übergibt der Gründer nun planmäßig an den Sohn.
24.03.2021 - 15:08 Uhr Kommentieren
Schwerer Rückschlag in der Coronakrise. Quelle: dpa
Motel-One-Gründer Dieter Müller

Schwerer Rückschlag in der Coronakrise.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die sanfte Stimme will an diesem Mittwochmorgen nicht so recht zu den Schreckensnachrichten passen, die Motel-One-Gründer Dieter Müller zu verkünden hat. „2020 gab es bei uns einen katastrophalen Einbruch“, berichtet der 67-Jährige, „und das erste Verlustjahr in unserer Firmengeschichte.“ Das Pandemie-Management in Deutschland lasse ihn „entsetzt und sprachlos“ sein, erklärt der Hotelier. „Die Politik verliert sich in Details, die uns nicht weiterbringen.“ Nun sei 2021 mit ähnlichen Verlusten zu rechnen wie im vergangenen Jahr.

Wie schwer die Shutdowns in der Corona-Pandemie die Budget-Hotelkette trafen, belegen die Geschäftszahlen für 2020. So ging es mit der Zimmerauslastung 2020 von zuvor 77 Prozent auf 28 Prozent steil nach unten. Im Weihnachtsquartal waren die Unterkünfte sogar nur noch zu knapp 14 Prozent belegt.

In der Folge sackte der Umsatz im vergangenen Jahr um 63 Prozent auf 209 Millionen Euro ab – und das, obwohl mit 75 Häusern sogar eines mehr geöffnet war als im Vorjahr. Vor Zinsen und Steuern führte dies zu einem Verlust von 95 Millionen Euro, wobei allein die Mietverpflichtungen mit 105 Millionen Euro zu Buche schlugen. 2019 hatte Motel One noch einen Betriebsgewinn von 116 Millionen Euro erzielt.

Allein im vierten Quartal verbrannte Motel One 45 Millionen Euro durch den zweiten Lockdown, im Gesamtjahr sogar rund 100 Millionen. Dass sich die noch Anfang 2020 mit 183 Millionen Euro gefüllte Kasse weit weniger bedenklich leerte, verdankte die Hotelkette dem energischen Eingreifen ihres Gründers. So verzichtete Motel One komplett auf die Ausschüttung von Dividenden, die sich 2019 noch auf 70 Millionen Euro summiert hatten. Zudem versilberte der Münchener Herbergskonzern eine Immobilie, was rund zehn Millionen Euro in die Kasse spülte.

Auch den Expansionsdrang bremste das Virus. Bei den Projekten in der Planungs- und Bauphase – aktuell sind 27 neue Standorte in der Entwicklung – sah Motel One durch die Pandemie Verzögerungen von durchschnittlich einem Quartal. Für eines der Projekte musste der Vertrag sogar aufgelöst werden.

Staatshilfen bisher nur in Österreich

Dennoch sollen im laufenden Jahr insgesamt sechs neue Hotels mit 2300 Zimmern aus der Pipeline fertiggestellt werden und laut Müller mit den dann jeweils gegebenen staatlichen Einschränkungen in Betrieb gehen. Neben Häusern in Köln-Deutz, Nürnberg, Hamburg, Stuttgart und Aachen schickt Müller 2021 ein weiteres Motel One im britischen Manchester an den Start.

Die Münchener Beratungsfirma Treugast, die jährlich die Betreiberkompetenz großer Hotelketten bewertet, sieht den Geschäftseinbruch von Motel One nur als ein vorübergehendes Übel. „Das Unternehmen zeigt eine hohe Krisenresistenz und besitzt hohe Kapitalreserven“, sagt Geschäftsführer Moritz Dietl. „Den Umständen entsprechend ist es immer noch gesund.“

Staatliche Hilfe erhielt Motel One, abgesehen von Kurzarbeitergeld, bislang nur aus Österreich. Die Alpenrepublik, in der die Kette sieben Häuser betreibt, überwies in der Pandemie vier Millionen Euro.

In Deutschland sei Motel One zunächst nicht antragsberechtigt gewesen, berichtet Müller. „Erst im März 2021 konnten nachträglich Anträge für die sogenannten erweiterten November- und Dezemberhilfen gestellt werden“, sagt er und erwartet nun rund 20 Millionen Euro. „Eine Auszahlung ist bis heute nicht erfolgt.“

Müller nennt „Motel One“ sein Lebenswerk. Doch sein Plan, im Mai 2021 vom Vorstand in den Aufsichtsrat zu wechseln, werde die Krise nicht verändern. Zwölf Jahre lang hatte der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann ab Mitte der 70er-Jahre für den französischen Accor-Konzern dessen Billigketten Ibis und Etap betreut, um sich 1987 mit einer Handvoll ehemaliger Accor-Häuser selbstständig zu machen. Ihnen gab er den Namen „Astron“, verkaufte sie aber 2002 an den spanischen NH-Konzern. Für die bis dahin auf 54 Standorte angewachsene Kette zahlte dieser angeblich fast 100 Millionen Euro.

„Grandhotel der Budgethotellerie“

Das Geld steckte Müller in sein neu entwickeltes, bis dahin fast einzigartiges Hotelkonzept „Motel One“, dessen erstes Haus in Offenbach im Jahr 2000 eröffnete.

Ein „Grandhotel der Budgethotellerie“ sollte es werden, formulierte Ehefrau Ursula Schelle-Müller die Vision. Am Strand von Mallorca war es die schimmernde Brandung, die das Ehepaar in Sachen Firmenfarbe inspirierte: Türkis sind nicht nur Logo und die Bezugsstoffe auf Betten und Möbeln, selbst die Eisbonbons an der Rezeption tragen die Farbe.

Wenig später wählte man zusätzlich den Egg Chair des Designers Arne Jacobsen zum durchgängigen Stilelement, das bis heute in keinem der Häuser fehlen darf. Schon früh schmückte Müller seine Unterkünfte außerdem, um sich von anderen Billigunterkünften abzuheben, mit Flachbildfernsehern von Löwe.

Den Rest hielt man puritanisch. Für die Zimmergröße müssen 16 Quadratmeter reichen, einen Schrank gibt es nicht, und auch Minibar und Telefon suchen Gäste vergeblich. Den Service schränkte die Zentrale derart ein, dass die Häuser bereits bei einer durchschnittlichen Belegung von 45 Prozent profitabel arbeiten.

Anders als Wettbewerber wie Ibis oder B&B Hotels, die auf Franchisenehmer oder selbstständige Hotelbetreiber setzen, führt Motel One den Betrieb mit angestellten Managern zentral aus München. Müllers Motel One GmbH ist nicht nur Eigentümerin der Marke und Hotelbetreiberin, sondern in vielen Fällen auch Besitzerin der Immobilien. Die Marge muss sich die Hotelfirma deshalb nicht mit anderen teilen.

Obwohl Müller an der Firma durchgerechnet gerade einmal 22,7 Prozent besitzt, behielt die Familie seit Gründung das Sagen. Ehefrau Ursula, 56, ist im Vorstand für das Marketing verantwortlich, Sohn Daniel, 42, leitet als Co-CEO das operative Tagesgeschäft gemeinsam mit Stefan Lenze. So soll es auch nach Ausscheiden des Seniors aus dem Führungsgremium bleiben.

Durch ein ausgeklügeltes Beteiligungssystem hat sich Müller zudem die Mehrheit in der Gesellschafterversammlung der Motel One GmbH gesichert. Zwar hält ein Fonds des Finanzinvestors Proprium Capital Partners – eine Abspaltung von Morgan Stanley – mit 35 Prozent einen größeren Anteil als der Gründer, doch Müller sicherte sich die Position als größter Aktionär des 65-Prozent-Gesellschafters One Hotels & Resorts AG.

Hier ist – neben mehreren Hotellieferanten – auch der SAP-Gründersohn Daniel Hopp mit seinen zwei Söhnen Jonas und David investiert. Deren Firma „JoDa“ hält annähernd dieselben Geschäftsanteile wie Müller selbst. Aber eben nur annähernd.

Mehr: B&B Hotels übernimmt deutschen Wettbewerber – trotz überbordender Schulden

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