Digitaler Lebensmittelhandel Asien hängt Europa beim Lebensmittel-Onlinekauf ab

Dinge des täglichen Bedarfs kaufen Asiaten deutlich lieber im Netz, Europäer sind dagegen eher zurückhaltend. Das liegt auch an der guten Infrastruktur in Europa – und dem einfachen Zugang zu Schokolade.
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Der Online-Lebensmittelmarkt befindet sich in Deutschland noch im Aufbau. In Asien ist diese Art von Shopping weiter fortgeschritten. Quelle: dpa
Einkaufswagen mit Lebensmitteln

Der Online-Lebensmittelmarkt befindet sich in Deutschland noch im Aufbau. In Asien ist diese Art von Shopping weiter fortgeschritten.

(Foto: dpa)

HamburgDie Europäer sind im weltweiten Vergleich zurückhaltend beim Einsatz neuer Technologien beim Shopping. Das zeigt eine aktuelle Studie, die der Marktforscher Nielsen auch in Deutschland veröffentlichen wird.

Demnach nutzen 37 Prozent der online befragten Konsumenten in Asien bereits Bestellungen nach Hause von Lebensmitteln und Drogerieartikeln. In Europa sind es nur 13 Prozent – ähnlich wenig wie in Nord- und Lateinamerika. Und: Nirgendwo sonst nutzt so ein geringer Anteil der Menschen Online-Abos von Dingen des täglichen Bedarfs – nämlich nur fünf Prozent der Europäer, verglichen mit 22 Prozent der Asiaten.

Allerdings: Die 30.000 befragten in 60 Ländern mussten über Online-Fragebögen antworten. Erfasst sind also vor allem online-affine Menschen.

Die Experten von Nielsen nennen die rasche Urbanisierung in Asien als eine Ursache für die Abneigung der Kunden in Asien, zum Supermarkt zu fahren. Staus und die damit verbundene lange Anfahrt ins Einkaufszentrum machen den physischen Einkauf unattraktiver. Zugleich steigt die Verbreitung von Smartphones. Vor allem in China kommen Lebensmittelskandale dazu – so ordern viele Eltern Babymilch aus Europa. Auch Spezialitäten sind gefragt: Allein 17 Prozent der asiatischen lebensmittel-Bestellungen im Netz entfielen laut Nielsen auf Schokolade.

Allerdings ist der Online-Lebensmittelmarkt noch im Aufbau. „Die letzte Meile im eCommerce bringt deutliche Logistik- und Kostenprobleme mit sich, die noch nicht gelöst sind“, lässt sich Nielsen-Experte Patrick Dodd zitieren. Weitere Experimente seien notwendig. In Frankreich und Italien lösten viele Händler das Problem, indem sie zwar die Warenkörbe zusammenstellen, die Kunden den Einkauf jedoch vor Ort abholen. In Deutschland ist dieses Modell bislang wenig erfolgreich.

Dodd erklärt die Läden somit auch nicht für überflüssig: „Technik wird nie ein Ersatz für die Basis-Elemente eines gutes Shopping-Erlebnisses wie ein innovativer Ladenbau, eine überzeugende Auswahl, gute Prozesse und ein außergewöhnlicher Service“, sagte er.

Doch auch im Laden nutzen die Europäer seltener neue Technik: Die Bereitschaft, mobile Gutscheine zu nutzen, ist mit 69 Prozent vergleichsweise noch recht zurückhaltend ausgeprägt. Darauf setzen Anbieter wie Payback und Shopkick. In Asien wollen mehr als 90 Prozent der Konsumenten diese Gutscheine nutzen. Und: Nur fünf Prozent der Europäer nutzen Computer-Terminals in Läden, sieben Prozent scannen QR-Codes auf Produkten. Darüber informieren Hersteller wie Nestlé und Iglo etwa über Nährwerte und Nachhaltigkeit. In den anderen Weltregionen liegt die Quote etwas höher.

Diese Händler machen Deutschland satt
Platz 10: Globus
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Die Supermarktkette aus dem Saarland entwickelte bereits 1966 ein Konzept, das einem modernen Supermarkt ähnelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 18.500 Mitarbeiter in 46 SB-Warenhäusern. Im Jahr 2015 erreichte die Globus-Gruppe einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.

Quelle: TradeDimensions

Platz 9: Rossmann
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Die Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Waren es 2014 noch 5,41 Milliarden Euro, machte Rossmann im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Euro Umsatz. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein.

Platz 8 : dm
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Der erste dm-Markt eröffnete 1973 in Karlsruhe. Heute ist dm in zwölf europäischen Ländern mit über 3.200 Marken präsent. Mit 7,03 Milliarden Euro Umsatz dürfte der Drogeriekonzern durchaus zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.

Platz 7: Tengelmann
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2015 gehörte die Handelskette aus Mühlheim an der Ruhr noch zu den größten Lebensmittelhändlern der Republik mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Im März 2016 wurde allerdings die Übernahme durch den Konkurrenten Edeka von Wirtschaftsminister Gabriel genehmigt.

Platz 6: Lekkerland
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Der Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler mit einem Umsatz von 9,08 Milliarden Euro.

Platz 5: Metro-Gruppe
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Zum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Dennoch büßte die Gruppe im Vergleich zu 2014 mehr als drei Milliarden Euro ein und brachte es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 26,13 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist der Verkauf der Warenhaussparte Galeria Kaufhof.

Platz 4: Aldi
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Beim Lebensmittelabsatz landet der Discounter auch in diesem Jahr nicht auf dem Treppchen – überholt aber Metro und landet auf Platz vier. Der Umsatz stieg 2015 auf 27,8 Milliarden Euro. Aldi Nord und Aldi Süd legten gemeinsam um 1,5 Prozent zu.

Dennoch wird in Deutschland der Einkauf per Smartphone beliebter: 64 Prozent der Besitzer eines solchen Geräts kaufen damit auch ein – sieben Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Das berichtet der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel aufgrund einer aktuellen Untersuchung.

„Die anhaltenden Zuwachsraten zeigen, dass Mobile Commerce sich immer weiter etabliert und bei den Kunden durch alle Gesellschaftsgruppen hinweg zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist“, meinte Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Verbands.

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