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Discounter Aldi und Lidl experimentieren mit Onlinekonzepten – aber nur im Ausland

Deutschlands Discounter wagen sich nicht an die Zukunft des Lebensmittelhandels. Zumindest hierzulande. Im Ausland geben sich Aldi und Lidl experimentierfreudiger.
1 Kommentar
Aldi und Lidl experimentieren mit Apps, aber nur im Ausland Quelle: action press
Discounter in Berlin

Zuletzt beendete Gehrig bei Lidl den Verkauf von Waren über die chinesische Onlineplattform T-Mall.

(Foto: action press)

Düsseldorf Für Klaus Gehrig, den Chef der Schwarz-Gruppe, sind Digitalexperten Nerds, die „zum Lachen in den Keller gehen“ und die am liebsten ein Putting-Green in ihrem Büro haben. Diese Fachleute brauche man natürlich, aber man müsse sie von der Organisation getrennt halten, damit sie die anderen Mitarbeiter nicht mit ihren verrückten Ideen infizieren.

Gehrig selbst, der über den Discounter Lidl und die Verbrauchermarktkette Kaufland herrscht, habe zwar ein Handy, aber einen Computer benutze er nicht. Diese Einblicke in sein Verständnis von der digitalen Zukunft gab er jüngst bei den „Retail Innovation Days“ an der Hochschule in Heilbronn.

Entsprechend skeptisch reagiert der mächtigste Mann im deutschen Handel, wenn diese Nerds mit ihren Ideen das traditionelle Geschäftsmodell seines Unternehmens verändern wollen. So hat er den Onlinelieferdienst von Kaufland nach kurzer Zeit wieder beendet, obwohl der extern durchaus als Benchmark galt.

Bei Lidl stoppte er das E-Commerce-Experiment „Lidl Express“, bei dem Kunden online bestellen und sich die Waren im Geschäft abholen sollten, bereits vor dem Start. Zuletzt beendete er bei Lidl den Verkauf von Waren über die chinesische Onlineplattform T-Mall.

Davon profitieren indirekt andere Discounter. Denn nach einem Streit über den richtigen Weg in die digitale Zukunft verließ nicht nur der damalige Lidl-Chef Sven Seidel Deutschlands größten Handelskonzern. Auch zahlreiche Digitalexperten kehrten dem Unternehmen frustriert den Rücken – und wurden bei der Konkurrenz mit Kusshand aufgenommen

Digitale Experimente nur im Ausland

Philipp Götting beispielsweise, ein Fachmann mit Start-up-Erfahrung, hatte als „Head of Digital“ für Lidl in Berlin ein Team von Digitalexperten aufgebaut. Heute verantwortet er die Digitalstrategie ausgerechnet beim direkten Konkurrenten Netto, einer Tochter des Marktführers Edeka.

Netto soll für Edeka-Chef Markus Mosa zur digitalen Spielwiese werden. Denn im Kerngeschäft bremsen ihn die Genossen, die selbstständigen Edeka-Kaufleute, bei seinen Versuchen aus, das Onlinegeschäft weiter auszubauen. So hatte Mosa mit den Resten von Tengelmann auch den Lieferdienst Bringmeister übernommen. Doch ein Ausbau dieses Start-ups, das bislang nur in Berlin und München ausliefert, ist nicht in Sicht. So soll nun Götting bei Netto Konzepte für die Zukunft entwerfen.

Bei der Konkurrenz kann er sich dafür nicht viel abgucken. Die verkauft allenfalls ihre Aktionsartikel übers Netz, wie beispielsweise die Rewe-Tochter Penny. An den Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln traut sich kein deutscher Discounter ran.

Zumindest im Heimatmarkt. Aldi Süd, das sich in Deutschland jeglicher Onlineexperimente enthält, testet im Ausland fleißig Digitalkonzepte. So hat sich Aldi Süd in den USA mit Instacart verbündet, einem Start-up, das seinen Onlinekunden die Waren aus den Läden an die Haustür liefert. Über eine Aldi-App können die Kunden ordern und bekommen die Waren gegen eine Liefergebühr noch am gleichen Tag. Und ein ähnliches Modell hat Aldi Süd testweise in Großbritannien eingeführt. Dort erledigt das Start-up Home Run die Auslieferung.

Die Discounter sind überzeugt davon, auch in Deutschland noch nachziehen zu können, wenn sich das Onlinegeschäft mit Lebensmitteln etablieren sollte. Fachleute sind da skeptisch. „Das ist ein Bereich, in den ein Händler sehr langfristig investieren muss“, warnt Michel Gerling, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts EHI.

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1 Kommentar zu "Discounter: Aldi und Lidl experimentieren mit Onlinekonzepten – aber nur im Ausland"

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  • Wenn ich solche Sätze lese, frage ich mich, wie diese Unternehmen sich für die Zukunft (oder Gegenwart?) fit machen wollen: "Für Klaus Gehrig, den Chef der Schwarz-Gruppe, sind Digitalexperten Nerds, die 'zum Lachen in den Keller gehen' und die am liebsten ein Putting-Green in ihrem Büro haben. Diese Fachleute brauche man natürlich, aber man müsse sie von der Organisation getrennt halten, damit sie die anderen Mitarbeiter nicht mit ihren verrückten Ideen infizieren."

    Wir haben zum Thema "Retail" gerade ein Whitepaper veröffentlicht, dass einen Einblick gibt, worüber weltweit gerade im Handel nachgedacht wird, oder was bereits umgesetzt wird. Und das hat ganz viel mit "digital" zu tun! Ich habe dazu einen Beitrag auf LinkedIn geschrieben: https://www.linkedin.com/pulse/innovation-driver-better-customer-experience-oliver-t-hellriegel/

    Oliver T. Hellriegel

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