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Discounter Führungskrise bremst Wachstum bei Lidl und Kaufland nicht

Die Supermarktketten der Schwarz-Gruppe haben von den Kaufgewohnheiten während Corona profitiert. Allgemein sind die Discounter weniger stark gewachsen.
15.07.2021 - 16:05 Uhr Kommentieren
Der Discounter hat seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich gesteigert. Quelle: ddp/Aviation Stock
Lidl-Filiale

Der Discounter hat seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich gesteigert.

(Foto: ddp/Aviation Stock)

Düsseldorf Im Grunde wird die Schwarz-Gruppe, Europas größter Handelskonzern, von einer Frage beherrscht: Wer wird neuer Chef der wichtigsten Tochter Lidl? Erst wenn diese Frage geklärt ist, kann der bisherige Lidl-Chef Gerd Chrzanowski die Nachfolge von Schwarz-Chef Klaus Gehrig antreten, der nach einem Streit mit dem Inhaber Dieter Schwarz das Unternehmen verlassen hat.

Jetzt zeigt sich immerhin: Das operative Geschäft ist von den Querelen in der Führungsetage noch nicht beeinträchtigt worden. Sowohl Lidl als auch die Konzernschwester Kaufland haben im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz deutlich gesteigert.

Beide Handelsketten haben massiv vom Boom des Lebensmittelhandels in der Coronakrise profitiert: So ist der Umsatz von Kaufland um 7,5 Prozent auf 25,5 Milliarden Euro gewachsen. Lidl hat beim Umsatz sogar um 9,9 Prozent auf 96,3 Milliarden Euro zugelegt.

Die Schwarz-Gruppe konnte damit ihre Stellung als größtes Handelsunternehmen Europas weiter ausbauen. Sie hat im abgelaufenen Jahr den Gesamtumsatz um 9,6 Prozent auf 125,3 Milliarden Euro gesteigert. Im Jahr zuvor lag er erst bei 114,3 Milliarden Euro.

Damit war das Wachstumstempo noch höher als im Jahr zuvor, als der Umsatz auch schon um 8,6 Prozent zulegte. Die Zahl der Filialen gibt die Gruppe mit 12.900 an. Das bedeutet, dass 2020 erneut 400 neue Standorte dazugekommen sind.

Zahlen für den deutschen Markt teilte die Schwarz-Gruppe auch auf Nachfrage nicht mit. Die „Lebensmittelzeitung jedoch will erfahren haben, dass das Wachstum von Lidl Deutschland sogar noch höher lag. So soll der Discounter hierzulande seinen Umsatz um rund elf Prozent auf 25 Milliarden Euro gesteigert haben. Damit würde allein dieser Markt, der von Matthias Oppitz geleitet wird, ein Fünftel des Gesamtumsatzes der Schwarz-Gruppe ausmachen.

Eine solche Entwicklung wäre durchaus überraschend. Denn in Deutschland haben Studien zufolge die Supermärkte viel stärker von den veränderten Einkaufsgewohnheiten in der Pandemie profitiert als die Discounter.

Rewe und Edeka wachsen stark in der Pandemie

So sind nach Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI im vergangenen Jahr die Umsätze bei den Supermärkten um 13,8 Prozent gewachsen. Die Discounter dagegen konnten in Deutschland nur um 5,5 Prozent zulegen. Lidl ist mit einem Marktanteil von 27 Prozent Marktführer im deutschen Discountmarkt.

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Das deutlich stärkere Wachstum der Supermärkte hat nach Einschätzung der Experten vom EHI einen einfachen Grund: So sind viele Kunden in der Pandemie aus Angst vor Infektionen seltener in die Geschäfte gegangen, haben dann aber alles auf einmal gekauft. Dafür waren die Vollsortimenter wie Rewe und Edeka mit ihrem breiten Angebot dann meist der Anlaufpunkt der Wahl.

Zum Wachstum der Schwarz-Gruppe beigetragen hat auch die relativ neue Entsorgungssparte. Die Tochter Prezero ist im Geschäftsjahr 2020 um 33,7 Prozent gewachsen und erzielte im Abfall- und Recyclingmanagement einen Umsatz in Höhe von rund 700 Millionen Euro. Grundlage dieses neuen Geschäftsbereichs war die Übernahme des Entsorgungsunternehmens Tönsmeier Ende 2018.

Wichtiges Motiv dahinter ist das Ziel des Unternehmens, die Verpackungen seiner Eigenmarken weitgehend zu recyceln. Mit dem Aufbau eines eigenen dualen Systems hat Schwarz viel besseren Zugriff auf das begehrte Kunststoffrecyclat. So konnte das Unternehmen jetzt verkünden, dass die selbst produzierten PET-Einwegpfandflaschen von Lidl und Kaufland seit Juni zu 100 Prozent aus recyceltem PET bestehen.

Und in diesen neuen Geschäftsbereich will die Schwarz-Gruppe massiv weiter investieren. So hat sie gerade erst Teile des Entsorgungsgeschäfts des französischen Unternehmens Suez in Deutschland, Polen, Luxemburg und den Niederlanden für 1,1 Milliarden Euro übernommen. Zuvor schon hatte sie Suez das Geschäft in Schweden abgekauft.

Dadurch hat sich der Umsatz in der Entsorgungssparte auf zwei Milliarden Euro mehr als verdoppelt. „Durch organisches und anorganisches Wachstum wird Prezero seine Position als international tätiger Umweltdienstleister weiter festigen“, kündigte das Unternehmen in einer Mitteilung an.

Treibende Kraft hinter dieser Expansion in ein neues Geschäftsfeld ist Gerd Chrzanowski, der jahrelang die zentrale Verwaltung der Schwarz-Gruppe geleitet hatte, bevor er im vergangenen Jahr kommissarisch die Lidl-Führung übernahm. Offenbar hat er sich auch mit dem erfolgreichen Aufbau von Prezero bei Inhaber Dieter Schwarz für noch höhere Aufgaben empfohlen.

Nun muss Chrzanowski nur noch einen Lidl-Chef finden, um den nächsten Schritt gehen zu können. Doch vielleicht ist die Wahl gar nicht so schwer, und es hat sich angesichts der überraschend guten Entwicklung im deutschen Markt ja Deutschlandchef Oppitz für dieses Amt qualifiziert.

Mehr: Aufräumen bei der Lidl-Mutter geht weiter: Auch Vorständin Annabel Ehm muss gehen

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