Discounter Penny Ein Herz für krumme Möhren

In den Handel kommen vor allem Obst und Gemüse ohne Makel. Krumme Gurken und zweibeinige Möhren werden meist aussortiert, selbst wenn sie Bio-Qualität haben. Der Discounter Penny will da nicht mehr mitmachen.
Penny will künftig in seinem Bio-Sortiment dauch Obst und Gemüse verkaufen, das bislang wegen Farb- oder Formfehlern nicht den Weg in die Regale schaffte. Quelle: Andreas Krämer/Rewe-Group/dpa
Krumm gewachsenes Gemüse

Penny will künftig in seinem Bio-Sortiment dauch Obst und Gemüse verkaufen, das bislang wegen Farb- oder Formfehlern nicht den Weg in die Regale schaffte.

(Foto: Andreas Krämer/Rewe-Group/dpa)

DüsseldorfZweibeinige Möhren, krumme Gurken, Zitronen mit grünen Flecken: Das waren lange Produkte, um die der deutsche Handel einen Bogen machte. Doch das scheint sich jetzt zu ändern. Das jüngste Beispiel gibt der Discounter Penny, der von Montag kommender Woche (25. April) an deutschlandweit in seinem Bio-Sortiment der Eigenmarke Naturgut auch Obst und Gemüse verkaufen will, das bislang wegen Farb- oder Formfehlern nicht den Weg in die Regale schaffte.

„Bio-Landwirte sollen auch äußerlich nicht perfekte Erzeugnisse in den Handel bringen können, statt sie unter ihrem Wert in die industrielle Weiterverarbeitung geben zu müssen“, begründet Penny-Chef Jan Kunath den Vorstoß.

Was bemerkenswert dabei ist: Einen Preisnachlass für die als „Bio-Helden“ vermarkteten „nicht normgerechten“ Produkte soll es nicht geben. Sie werden ganz einfach zusammen mit den „normalen“ Produkten verpackt. Schließlich seien sie qualitativ und geschmacklich einwandfrei, heißt es. Es werde einfach nicht mehr alles aussortiert, was nicht dem gängigen Schönheitsideal in Größe und Form entspreche.

Axel Altenweger, Betriebsleiter auf dem Klostergut Wiebrechtshausen, betont die Vorteile für die Landwirte: „Jetzt kann ich größere Mengen zu angemesseneren Preisen in den Handel bringen“, meint er. Ökologischer Anbau werde dadurch lohnender.

Das sind die Discounter der Zukunft
Lidl mit neuem Filialkonzept
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In Verona in Norditalien betreibt Lidl zwei Filialen, die zum Vorbild für neue Märkte auch in Deutschland werden sollen. Lidl-Chef Sven Seidel betonte im Handelsblatt-Interview, dass das Unternehmen sehr viel von den Erfahrungen im Ausland lernen kann: „Die Innovation kommt daher, dass sich die Zentrale mit den Ländern reibt und die Essenz dessen, was an neuen Erfahrungen gesammelt wird, für das gesamte Unternehmen nutzbar macht.“

Der Eingang
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Allein schon auf der Fläche des großzügigen Eingangsbereichs der italienischen Pilot-Märkte hätte man früher fast einen gesamten Discounter gebaut.

Der Verkaufsraum
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Breite Gänge, der Verzicht auf die abgehängte Decke, warme Farbtöne: In der Filiale will Lidl den Kunden künftig ein „großzügiges Raumgefühl“ geben. Das ist in deutschen Märkten meist noch anders. „Wenn Sie sich so manche Filialen älteren Baujahrs anschauen, dann ist vielerorts schon alles sehr kleinteilig“, räumt auch Lidl-Chef Seidel ein.

Die Präsentation
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Auch bei der Präsentation der Waren erinnert nicht mehr viel an alte Zeiten, wo Artikel in Kartons auf Paletten standen. Die Kunden erwarten bald noch mehr Markenartikel und hochwertige Frischwaren. Trotzdem wird die Zahl der Artikel auch in Zukunft deutlich unter der der Supermärkte liegen.

Die Backstationen
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Noch mehr Wert wird künftig auf frische Backwaren gelegt. Nur die Bedientheken wird man auch in Zukunft in einem Lidl vergeblich suchen. In irgendeiner Form muss sich Discount ja noch vom Supermarkt unterscheiden.

Die Kunden-WC
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Eine überraschende Neuerung: Bei Neu- und größeren Umbauten will Lidl bald auch in deutschen Märkten Toiletten für Kunden anbieten.

Die Wickeltische
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Erleichterung für junge Mütter und Väter: Sogar einen Wickeltisch für die jüngsten Kunden soll es in Zukunft im Discounter geben.

Doch auch bei Verbraucherschützern stößt die Idee auf Zustimmung. „Biobauern haben so viel Aufwand“, sagt Silke Schwartau, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei einer Umfrage der Verbraucherzentrale auf ihrer Facebook-Seite zeigten die allermeisten Kommentare eine große Bereitschaft, die Optik von Obst und Gemüse weniger wichtig zu nehmen. Eine Antwort lautete kurz und knapp: „Ich habe noch nie verstanden, warum es bei Gemüse und Obst um's Aussehen und nicht um den Geschmack geht.“

Bis zu 40 Millionen Packungen mit den qualitativ einwandfreien, aber vom Aussehen her gewöhnungsbedürftigen Produkten will Penny binnen eines Jahres unter die Leute bringen.

Auch andere Ketten testen
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