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Diskos Tanzen verboten: Corona beschleunigt das Sterben der Klubszene

Die Pandemie zwingt Klubbetreiber, ihre Lokale zu schließen. Eine Aussicht auf Öffnung gibt es nicht. Die Branche fürchtet eine Insolvenzwelle.
09.12.2020 - 14:30 Uhr Kommentieren
Enge Räume, viele Menschen: Klubs müssen in der Coronapandemie schließen. Die Betreiber fürchten nun um ihre Existenz.
Diskokugel

Enge Räume, viele Menschen: Klubs müssen in der Coronapandemie schließen. Die Betreiber fürchten nun um ihre Existenz.

Düsseldorf Walid El Sheikh räumt die letzten Gläser ein und klappt die Tische zusammen. Dass in seiner Bar, dem Sir Walters, schon bald wieder fröhlich getrunken und getanzt wird, glaubt der Düsseldorfer Gastronom nicht mehr. Für seinen Nachtklub – eine der bekanntesten Lokalitäten für elektronische Musik im ganzen Bundesland NRW – ist die Zukunft ungewiss.

El Sheikh leidet gleich mehrfach: Neben dem Sir Walters betreibt er noch die Elephant Bar und einen weiteren Klub in der Landeshauptstadt, die im Volksmund als die längste Theke der Welt bekannt ist.

Der 42 Jahre alte, studierte Schauspieler hat sich in der Nachtszene einen Namen gemacht: El Sheikh avancierte von der einfachen Thekenkraft zum Düsseldorfer Partymogul. Bevor die Pandemie die Einnahmen wegbrechen ließ, nahm er jede Woche bis zu 200.000 Euro ein. Doch das alles ist Vergangenheit.

El Sheikhs Klub „Oh Baby Anna“ – nur wenige Minuten von der Bar entfernt – ist seit dem 16. März geschlossen. Gewinne hat El Sheikh also schon lange nicht mehr gemacht. Schlimmer noch: „Ab Mitte März hatten wir nur noch Kosten“, klagt der Gastronom.

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    Enge Räume, viele Menschen: Das Infektionsrisiko in Tanzlokalitäten ist hoch. Verschiedene Studien kamen zu dem Ergebnis, dass sich Klubs und Diskotheken zu Superspreading-Hotspots entwickelt hatten. Die Politik forderte die Betreiber im Frühjahr auf, ihre Lokale zu schließen – auf unbestimmte Zeit. Die Folge: Die gesamte Klubszene fürchtet um ihre Existenz.

    El Sheikh und allen anderen Klubbetreibern in der Bundesrepublik wird dadurch die Geschäftsgrundlage entzogen. Thorsten Hellwig, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) NRW, weiß, was das für die Branche bedeutet: „Wir werden viele Betriebe verlieren.“

    Eine Erhebung des Verbands zeigt, wie besorgt die Klubbesitzer in die Zukunft blicken: 96 Prozent der Betreiber fürchten um ihre Existenz. Seit Monaten generieren sie kaum Einnahmen. Im Oktober gingen die Umsätze laut Dehoga NRW um 96 Prozent zurück.

    „Wie ein Abend, der gerade beginnt“

    Dabei sind Diskotheken, Bars und Vergnügungslokale auch ein Wirtschaftsfaktor: Der Gesamtumsatz der Branche lag laut Statistischem Bundesamt 2018 bei 1,24 Milliarden Euro. Zwar macht die Gastronomie mit etwa 60 Milliarden Euro deutlich mehr, allerdings schätzt Hellwig, dass etwa ein Drittel aller Gastronomiebetreiber nach der Coronakrise Insolvenz anmelden muss. Diesen Wert prognostiziert er auch für die Diskobetreiber – mindestens.

    Die Politik stellt den Betrieben Hilfszahlungen zur Verfügung. Im November und Dezember bekommen vom Teil-Lockdown betroffene Unternehmen bis zu 75 Prozent ihrer Umsätze vom Staat erstattet.

    Doch die staatlichen Hilfsmaßnahmen seien nicht viel mehr als ein Obolus, moniert der Düsseldorfer Klubbetreiber El Sheikh. „Ich schätze, dass ich – wenn die Überbrückungshilfen wirklich so kommen wie angekündigt – bis zum August 2021 überleben kann“, berichtet er.

    Hinzu kommt, dass die Bundesregierung ein Ende der großzügigen Corona-Hilfen angekündigt hat. El Sheikh, dessen 200 Mitarbeiter zu großen Teilen in Kurzarbeit verharren, sieht die Politik in der Pflicht, den wirtschaftlichen Schaden zu kompensieren. Die Klubschließungen empfindet er als einen Tribut, den er und seine Branchenkollegen der Gesellschaft zollten.

    Der Gaststättenverband Dehoga kritisiert indes, dass die Politik keine Öffnungskonzepte für Klubs und Diskotheken vorbereite. Wenn die Zeit des harten Lockdowns vorbei sei, könne durchaus über Modelle für Corona-konformes Feiern nachgedacht werden – zum Beispiel mit Trennwänden auf den Tanzflächen und guter Durchlüftung.

    Klubbesitzer sucht nach Plan B

    Schon nach dem ersten Lockdown hatten die Gastronomiebetriebe in Hygienekonzepte investiert. El Sheikh etwa hat 30.000 Euro ausgegeben, um seine Klubs öffnen zu können – wenn auch mit deutlich reduzierter Personenzahl.

    An guten Abenden hielten sich in der Welt vor der Corona-Pandemie an einem Abend über 400 Gäste im Sir Walters auf – nach der Wiedereröffnung im Frühjahr konnte er nur noch maximal 180 Personen Platz bieten. Tanzen? Ging nicht mehr. „Der ganze Abend wirkte wie ein Abend, der gerade beginnt“, erinnert sich der Klubbetreiber an die Zeit zurück.

    Von solch einer Auslastung kann El Sheikh derzeit nur träumen – und hoffen, dass die Klubgänger nach der Pandemie wieder in seine Tanzpaläste strömen. Der Düsseldorfer hat schon längst mit der Hoffnung abgeschlossen, dass die Party im kommenden Jahr weitergeht. „Damit rechne ich frühestens Anfang 2022“, sagt er ernüchtert.

    In der Zwischenzeit forciert El Sheikh umso stärker seinen Plan B: Nach Jahren der Planung will er schon bald am Düsseldorfer Medienhafen ein Restaurant unter dem Namen „Paradise Now“ eröffnen. Vielleicht kann er das eher in Betrieb nehmen – und endlich wieder Einnahmen machen.

    Mehr: So wenige Insolvenzen wie seit Jahrzehnten nicht mehr – doch Hunderttausende Jobs betroffen.

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