Dixiklos In der Freiluftsaison boomt das Geschäft mit dem Geschäft

Festivals, Sportsevents, Baustellen: Überall sind mobile Toiletten gefragt. Das simple Plumpsklo tut es aber oft nicht mehr.
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1973 wurde das erste mobile Klo von einem US-Soldaten in Deutschland erfunden. Quelle: dpa
Mobile Toiletten beim Kölner Karneval

1973 wurde das erste mobile Klo von einem US-Soldaten in Deutschland erfunden.

(Foto: dpa)

NürburgOb Festival-Fans oder Rockstars – sie alle müssen einmal. Während die einen an ganz normalen Kabinen-Klos anstehen, bekommen die anderen mobile Luxusvarianten aus teurer Keramik und mit Bildschirmen. So auch bei den großen Festivals „Rock am Ring“ in der Eifel und „Rock im Park“ in Nürnberg an diesem Wochenende. Das Geschäft mit dem Geschäft ist ein Millionengeschäft - gerade in der Freiluft-Saison.

„Zwei Drittel des deutschen Mietmarkts mit Kabinen ist bei uns organisiert“, sagt der Sprecher des zuständigen Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), Bernhard Schodrowski, in Berlin. „Damit wird ein Jahresumsatz von mehr als 120 Millionen Euro erzielt.“ Das entspreche über 140.000 Kabinen-Klos.

Inklusive der nicht im BDE vertretenen Anbieter „wird es vermutlich mehr als 200.000 Kabinen in Deutschland geben“. Der Gesamtumsatz der Branche inklusive Container mit Spül-Klos und Toilettenwagen ist laut Schodrowski statistisch nicht erfasst.

Komfort und hygienischer Standard seien über die Jahre gestiegen, meint der BDE-Sprecher. Die Zeiten der Bretterbuden seien vorbei. Extremes Beispiel: die Luxus-Sanitärcontainer für die Stars bei „Rock am Ring“ ab Freitag im VIP-Bereich am Nürburgring.

Für die Bands „Foo Fighters“ und „Thirty Seconds To Mars“ etwa sollten der verantwortlichen Firma Sani zufolge teure Keramikanlagen zur Verfügung stehen - neben Duschabtrennungen aus Glas und Bildschirmen mit der Live-Übertragung des Festivals über den Waschbecken.

Für die Festivalbesucher am Nürburgring sollte es laut Sani-Abteilungsleiter Soenke Jessen rund 800 mobile Toiletten geben, plus zahlreiche Sanitärstationen mit je bis zu 100 Spültoiletten und Urinalen. „Wir sind der Dienstleister, der den ersten und letzten Kontakt zum Besucher hat“, betont Jessen. „Natürlich sind die Headliner am wichtigsten - aber was bringt das, wenn die Besucher nicht richtig untergebracht sind?“ Immerhin kosteten die Tickets für „Rock am Ring“ um die 200 Euro.

Sani-Sprecher Sören Gütschow weiß: „Die Ansprüche der Kids bei Festivals sind gestiegen.“ Sie stünden lieber für eine Spültoilette im Container in einer Schlange an, als in ein freies Kabinen-Plumpsklo daneben zu gehen. Ein älterer Spruch der Musikbranche lautet: „Bei Rockfestivals ist ein Klogang wie eine Bergwanderung: Nur nicht in die Tiefe schauen.“

Sani mit Sitz im schleswig-holsteinischen Borgstedt versorgt neben großen Festivals auch große Sportevents sowie Schulen und Kitas im Umbau mit provisorischen Toiletten. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von rund 25 Millionen Euro erzielt, hat unter anderem am Nürburgring eine eigene Filiale. Es kümmere sich in diesem Jahr um rund 50 Wochenendveranstaltungen an der legendären Rennstrecke.

Medienberichten zufolge hat der US-Soldat Fred Edwards 1973 in Deutschland das erste moderne mobile Klo in Europa gebastelt und es Dixi genannt. Zehn Jahre später kam die Konkurrenz Toi Toi auf den Markt. 1997 fusionierten beide Marken zur Adco-Unternehmensgruppe.

Das sind die größten Festivals der Welt
Platz 20: Chiemsee Summer (Deutschland)
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Das Festival findet jedes Jahr im August in Übersee in Bayern statt. Im Jahr 2015 erlöste die Veranstaltung mit Ticketverkäufen knapp 4,4 Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro). In diesem Jahr begeisterten unter anderem Limp Bizkit die Massen.

Quelle: Pollstar/Statista. Das Ranking berücksichtigt ausschließlich Ticketverkäufe, die an Pollstar berichtet wurden, und ist damit nicht notwendigerweise vollständig.

Platz 17: Deichbrand (Deutschland)
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Das Deichbrand-Festival steigt jedes Jahr im Juli bei Cuxhaven. Im vergangenen Jahr wurden hier knapp 5,3 Millionen (4,7 Millionen Euro) Dollar umgesetzt. 2016 sorgte unter anderem die Band Seeed für Stimmung.

Platz 11: Hurricane Festival (Deutschland)
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Die Elite aus Rock, Alternative und Pop trifft sich jeweils im Juni auf dem Eichenring bei Scheeßel. 2015 machten die Veranstalter rund 8,4 Millionen Dollar (7,5 Millionen Euro) Umsatz. In diesem Jahr zählte der Auftritt von Bosse zu den Highlights.

Platz 10: Southside (Deutschland)
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Southside ist das Schwesterfestival des Hurricane und findet alljährlich auf einem ehemaligen Militärflugplatz in Neuhausen ob Eck statt. Auch hier stehen vor allem Rock und Alternative auf dem Programm. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz knapp 8,9 Millionen Dollar (7,9 Millionen Euro). Wegen eines schweren Unwetters musste das Southside 2016 vorzeitig abgebrochen werden.

Platz 8: Bluesfest (Australien)
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Das Bluesfest steigt seit 1990 jeweils über Ostern in der Nähe der Stadt Byron Bay im Südwesten Australiens. Der Name ist hier Programm: Es treten vor allem Künstler aus den Bereichen Blues und Roots auf. 2015 brachte das einen Umsatz von rund 9,8 Millionen Dollar (8,7 Millionen Euro).

Platz 7: Electric Daisy Carnival (USA)
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Unter dem Namen findet mittlerweile eine ganze Serie von Events rund um die Welt statt. Der Ursprung des Elektro-Festivals liegt in Las Vegas. Allein der Ableger in New York machte aber 2015 einen Umsatz von 11,2 Millionen Dollar (knapp zehn Millionen Euro).

Platz 6: Rock im Park (Deutschland)
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Das Parallelfestival zu „Rock am Ring“ kann mittlerweile auf eine 23-jährige Geschichte zurückblicken. 2015 kamen 75.000 Besucher auf das Nürnberger Zeppelinfeld – den Veranstaltern brachte das einen Umsatz von 12,8 Millionen Dollar (11,4 Millionen Euro).

Diese ist heute nach eigenen Angaben Weltmarktführerin für mobile Sanitärlösungen, mit Sitz in Ratingen bei Düsseldorf. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, dem „Sommermärchen“ in Deutschland, etwa hatte Adco nach eigener Auskunft mehr als 10.000 mobile Klos im Einsatz. Viele verwenden die Bezeichnung Dixi für mobile Toiletten aller Hersteller, was an Tempo-Taschentücher und Tesa-Film erinnert.

Für Adco ist das Geschäft mit der Notdurft ein lohnendes: 2016 verbuchte Adco laut Bundesanzeiger einen Umsatz von gut 317 Millionen Euro und einen Gewinn von 23,8 Millionen Euro. Es tummeln sich aber auch sehr viele kleine Anbieter in der Branche. In St. Sebastian bei Koblenz beispielsweise sitzt ein Unternehmen mit dem sprechenden Namen „Latrinen Willi“, mit Toilettenwagen für Veranstaltungen der Region. Und in Mainz war kürzlich ein kleiner Lastwagen voller mobiler Toiletten unterwegs - mit der sinnigen lateinischen Aufschrift „Pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht).

Größter Geschäftsbereich der Branche bleiben aber Baustellen. Der Immobilienmarkt boomt, das beflügelt die Anbieter mobiler Toiletten. Ein Sondereffekt war auch die Flüchtlingskrise. Weil vor allem Deutschland in kurzer Zeit sehr viele Asylbewerber unterbringen musste, sei die Nachfrage nach mobilen Toilettenhäuschen rasch gestiegen, schrieb Adco in einem früheren Lagebericht im Bundesanzeiger. Weitere Einsatzgebiete für mobile Toiletten: Militärgebiete. Auch Soldaten müssen mal.

  • dpa
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