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E-Commerce Analysten geben Entwarnung bei Amazon

Harmlose Delle oder doch ein Ende des Ertragsbooms? Amazons Quartalsgewinn enttäuschte die Anleger. Doch Analysten warnen jetzt vor Übertreibung.
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Der Amazon-Gründer ist bekannt dafür, kurzfristigen Profit für langfristiges Wachstum zu opfern. Quelle: dpa
Jeff Bezos

Der Amazon-Gründer ist bekannt dafür, kurzfristigen Profit für langfristiges Wachstum zu opfern.

(Foto: dpa)

San Francisco Größer konnten die Unterschiede kaum sein. Während Google am Donnerstag fast eine Verdreifachung des Nettogewinns meldete, enttäuschte Amazon-Chef Jeff Bezos Aktionäre und Analysten für das zweite Quartal 2019 mit einem marginalen Anstieg des Nettoergebnisses von 2,5 Milliarden Dollar auf 2,6 Milliarden Dollar. Die Reaktionen waren vorhersehbar. Während die Google-Aktie um zehn Prozent anstieg, sackte die Amazon-Aktie nachbörslich um 1,5 Prozent durch.

Doch Analysten geben Entwarnung. Jedenfalls, was das Wachstum betrifft. Insgesamt lag der Amazon-Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal mit 63,4 Milliarden Dollar 20 Prozent im Plus. „Amazon bleibt eine Wachstumsgeschichte“, urteilen die Experten von JP Morgan.

Ein wichtiger Grund für die Ergebnisdelle: Der Konzern beschleunigte die Warenlieferungen an Amazon-Prime-Kunden, was hohe Kosten verursacht hat. Diese Kunden sollen ihre Waren einen Tag nach der Bestellung erhalten. Die Systemumstellung hat Amazon laut eigenen Angaben über 800 Millionen Dollar gekostet.

Das spiegelt sich im Ausblick auf das laufende Quartal wider. Die Nettoumsätze werden von Amazon auf 66 bis 70 Milliarden Dollar prognostiziert. Das wäre ein gesundes Plus von 17 bis 24 Prozent zum Vorjahr. Die Gewinnerosion soll dagegen anhalten. Der operative Gewinn wird zwischen 2,1 und 3,1 Milliarden Dollar geschätzt, nach noch 3,7 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal.

Was bekommt Amazon dafür als Gegenleistung? Neil Saunders, Einzelhandelsanalyst bei GlobalData Retail’s ist da optimistisch. Er verweist auf einen Anstieg der Produktverkäufe auf 35,8 Milliarden Dollar nach 31,8 Milliarden im Vorjahr. „Ein Teil des Anstiegs ist auf die Lieferbeschleunigung zurückzuführen“, führt er in einer Notiz an Kunden aus.

„Unsere Daten zeigen, dass das sehr beliebt ist und Amazon deswegen neue Prime-Mitglieder gewonnen hat.“ Er folgert: „Das sind keine vorübergehenden Erfolge, sondern sie dienen der langfristigen Marktanteilsgewinnung.“ Saunders erwartet zudem, dass mehr Automatisierung in der Logistik die Zusatzkosten kompensieren wird.

„Politische Regulierung ist aktuell das größte Risiko für die Tech-Riesen“

Schwierig ist die Situation auf der Gewinnseite aber auch aus anderen Gründen. Das internationale Geschäft wuchs um zwölf Prozent, doch das war teuer erkauft. Der operative Verlust erreichte 601 Millionen Dollar – nach einem Minus von 494 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Das Geschäft in Nordamerika legte um 20 Prozent zu, aber der operative Ertrag sank um 15 Prozent

„Es gibt im Moment Wachstumsschmerzen, aber damit hat Amazon Erfahrung“, erklärt Analyst Ron Josey von JMP Securities. Jeff Bezos sei bekannt dafür, kurzfristigen Profit für langfristiges Wachstum zu opfern.

Auch die Cloud-Tochter Amazon Web Services (AWS) wird anfälliger: Obwohl AWS noch immer unangefochtener Marktführer im Cloud-Computing ist, holen die Verfolger auf. So steht der Umsatzsteigerung von 36 Prozent bei AWS ein Anstieg von 64 Prozent bei der seit einigen Quartalen aufholenden Microsoft Cloud-Plattform Azure gegenüber.

AWS ist für Bezos besonders wichtig: Auf das Cloud-Geschäft entfallen zwar nur zwölf Prozent des Konzernumsatzes, aber fast 70 Prozent des operativen Konzernergebnisses.

Gefahr droht noch von anderer Seite: „Politische Regulierung ist aktuell das größte Risiko für die Tech-Riesen, auch für Amazon“, sagt Analyst Tom Forte von DA Davidson & Co. US-Finanzminister Steven Mnuchin erklärt rundheraus, Amazon habe „den US-Einzelhandel zerstört“ und den Wettbewerb eingeschränkt.

Das Justizministerium hatte vergangene Woche eine breite Untersuchung der großen Technologiekonzerne angekündigt. Die Wettbewerbshüter wollen prüfen, ob Online- Plattformen mit ihrer Marktmacht den Wettbewerb behindern, Innovationen verhindern oder Verbraucher geschädigt haben könnten. Er freue sich schon darauf, die Empfehlungen des Justizministers an den US-Präsidenten zu hören, sagte Finanzminister Mnuchin im US-Fernsehen.

Mehr: Amazon nimmt hohe Kosten in Kauf, um Waren schneller liefern zu können. Lesen Sie hier, was das für Kunden und Aktionäre bedeutet.

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