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E-Commerce-Boom Die Schattenseiten des Online-Handels

Bücher, Stöckelschuhe, Medikamente: Bequemes Online-Shoppen ist für die Deutschen inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Doch der E-Commerce zeigt seine bösen Nebenwirkungen. Und es zieht ein Schatten über die Branche.
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Der Kult-Online-Händler Zalando lebt damit, dass jeder zweite Artikel wieder zurück geschickt wird. Quelle: DAVIDS/Darmer

Der Kult-Online-Händler Zalando lebt damit, dass jeder zweite Artikel wieder zurück geschickt wird.

(Foto: DAVIDS/Darmer)

Düsseldorf Sie heißen Lisa, Jenny, Pauline oder Julia und feiern einmal im Monat ihre Online-Shopping-Party im eigenen Wohnzimmer. Haufenweise ordert jedes Mädchen Schuhe und Kleider, um sich dann am kollektiven Aufmotzen zu berauschen. Bestellt wird immer nur dort, wo die Retoure der Fummel umsonst ist.

Für die Händler sind solche Exzesse, die als sogenannte „Zalando-Partys“ Furore machen, ein Graus. Die benutzten Sachen müssen zurück transportiert, inspiziert, gereinigt, manchmal sogar repariert und dann wieder neu verpackt werden. Dabei verlieren die Artikel erheblich an Wert, während die Lisas dieser Welt schon wieder die nächste Fashion-Party planen. Und zwar ohne sich weiter Gedanken zu machen. „Da bin ich in dem Moment egoistisch und dann ist mir das egal“, sagte neulich so ein Mädchen in eine Fernsehkamera der ARD.

Ein Wahnsinn, der gerade in Zeiten des Klimawandels weitreichende Folgen hat. Folgen, an denen der moderne Konsument nicht frei von Schuld ist, wie es der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff formuliert: „Wir machen uns zu Mittätern, solange wir weiterhin Waren bedenkenlos zu Billigtarifen ordern.“

Wenn immer mehr Waren im Internet geordert werden, hat das Nebenwirkungen. Spätestens seit den jüngsten Skandalen um Leiharbeiter beim Online-Giganten Amazon und Paketsklaven in der Logistik-Branche ist sichtbar geworden, wie sehr dieser Boom unser ganzes Leben verändert. Und, da ist sich der E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sicher: „Das ist alles erst der Anfang.“

Der Anfang sieht im Moment so aus: Während dem stationären Handel die Puste ausgeht, hat der E-Commerce allein von 2011 zu 2012 laut Bundesverband des Deutschen Versandhandels eine Umsatzsteigerung um 5,9 Milliarden Euro auf 27,6 Milliarden Euro hingelegt. Für 2013 gehen Experten von einem Wachstum von mehr als einem Fünftel aus. Ein Ende ist laut Heinemann, der 20 Jahre praktische Handelserfahrung bei Douglas und Kaufhof gesammelt hat, nicht abzusehen. „Selbst wenn man von den allerskeptischsten Prognosen ausgeht, haben wir in 2020 einen Online-Anteil bei Nicht-Lebensmitteln von 30 bis 40 Prozent. Das ist die unterste Messlatte.“

Shopping mit Nebenwirkungen

Die Deutschen kaufen immer mehr online. Lieferdienste bringen Paket um Paket an die Haustür. Nicht jeder hält das in dieser Form für sinnvoll. Quelle: dpa

Die Deutschen kaufen immer mehr online. Lieferdienste bringen Paket um Paket an die Haustür. Nicht jeder hält das in dieser Form für sinnvoll.

(Foto: dpa)

Die Nebenwirkungen dieses Booms sind vielfältig und komplex und treffen den traditionellen Handel ebenso wie reine Online-Player und die Logistik-Branche. Aber auch die Konsumenten tragen einen Teil der Verantwortung, während die Politik gefordert ist, entsprechende Rahmenbedingungen für den Handel der Zukunft zu schaffen.

Der Reihe nach. Für Einzelhändler und Einkaufszentren mit hohen Fixkosten ist der Online-Boom ein Desaster. „Wenn der stationäre Handel nicht wach wird, wird er sich mittelfristig nicht halten können“, sagt Heinemann und zeichnet für die Zukunft ein düsteres Szenario.

Von einer Verödung der Innenstädte spricht er und von Händlern, die gerade den Anschluss verpassen. „Ich bekomme regelmäßig Anrufe von Investoren aus der Immobilienbranche, die verunsichert fragen, ob es sich noch lohnt, ihr Geld in Einkaufszentren zu stecken.“ Seine Antwort? Nein. „In den letzten Jahren ist die Besucherzahl in kleinen und mittleren deutschen Städten um rund 20 Prozent zurückgegangen, bis zu 25 Prozent der Läden stehen dort leer.“

Auf der anderen Seite müssen reine Online-Shops wie Amazon oder Zalando in Zukunft ordentlich um ihr Image kämpfen, denn im Moment verändert sich das Verhalten der Konsumenten stark. „Verantwortung“, so heißt es in einer Untersuchung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, „ist inzwischen zu einem wichtigen Faktor des Konsums geworden. Immer mehr Verbraucher legen Wert auf nachhaltige Produkte, die Einhaltung von Sozialstandards und faire Handelsbeziehungen.“

Image-Krise nach Skandal-Berichten

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So hat das bislang gute Image von Amazon nach wochenlangen kritischen Berichten tiefe Kratzer abbekommen, heißt es bei dem Kölner Marktforschungsinstitut YouGov. Zählte der US-Händler hierzulande 2012 noch zu den beliebtesten Marken der Deutschen (mit durchschnittlich 87 von 100 möglichen „BrandIndex“-Punkten), sei der Index nach TV-Berichten über unerträgliche Bedingungen für Leiharbeiter zeitweise auf nur 32 Punkte abgesackt.

Am Pranger stehen auch Logistik-Konzerne wie DHL oder GLS, wenn sie ihre Paketzustellung teilweise oder ganz an Subunternehmer ausgliedern, die sich nicht um Tariflöhne kümmern. Von übelsten Arbeitsbedingungen berichtete Enthüllungsjournalist Wallraff, der sich unter GLS-Paketzulieferer mischte und mit gebeutelten Subunternehmern in 14-Stunden-Schichten bei einem Dumpinglohn von drei bis fünf Euro pro Stunde Päckchen transportierte.

Und dann gibt es noch die Konsumenten, die sich immer weniger im Einkaufstrubel von Kaufhaus zu Kaufhaus schieben wollen und per Mausklick dafür sorgen, dass pro Tag in Deutschland rund 10 Millionen Pakete mit Hosen, Büchern, Medikamenten oder Schuhen verschickt werden. Pakete, daran denkt man daheim am iPad nicht, die andere Menschen verpacken, sortieren und wieder austauschen – auch ein Knochenjob.

Bisher noch unerwähnt bei all dem Bestell-Fieber blieb die Umwelt. Denn wenn der Internet-Handel boomt, brummt es auch in den Frachtzentren der Logistiker, die mit ihren Zustellautos die Ware direkt an die Haustüren der Kunden bringen. Allein für den Platzhirschen Deutsche Post DHL sind über 50.000 Zusteller unterwegs. Ein Klick und die Räder rollen. Immerhin hat Internet-Shopping den Öko-Vorteil, dass man nicht mehr wegen jedem Schnickschnack durch die Stadt kurvt.

Zumindest, wenn man der Interpretation der Post folgt. Die hat ausgerechnet, dass ein Paket vom Lager des Händlers bis zur Haustür gut 500 Gramm klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen. Dafür, so heißt es, könne man etwa vier Kilometer selber fahren; was nur in wenigen Fällen ausreiche, um sein Wunschprodukt zu finden und zu kaufen. In einer anderen Studie heißt es, man müsse mit dem eigenen Auto pro Fahrt mindestens 24 Produkte kaufen, um umweltfreundlicher als der Paketdienst zu sein.

Online-Shopping: Ein Umwelt-Wahnsinn?

Zalandos-Logistikzentrum in Erfurt. Der Neubau ist nach Unternehmensangaben mit 120.000 Quadratmetern Fläche das größte Warenlager für Schuhe und Mode in Europa. Quelle: dpa

Zalandos-Logistikzentrum in Erfurt. Der Neubau ist nach Unternehmensangaben mit 120.000 Quadratmetern Fläche das größte Warenlager für Schuhe und Mode in Europa.

(Foto: dpa)

Leider sitzen die Deutschen aber nicht immer mit verwaschener Jogginghose zu Hause auf ihrem Sofa und der Bote muss das Paket erstmal wieder mitnehmen, weil auch der Nachbar nicht da ist. Das erzeugt wieder mehr Verkehr.

Und weil wir Weltmeister im Umtauschen sind, liegen die Retourenquoten im Online-Handel jenseits von Gut und Böse. Im Schnitt geht jede zehnte Bestellung wieder zurück zum Anbieter. Am schlimmsten trifft es die Modebranche. „Mindestens jedes zweite Paket geht bei Bekleidungskäufen im Internet zurück. Für die Umweltauswirkungen ist das eine Katastrophe“, sagt Moritz Mottschall vom Freiburger Öko-Institut.

Tag für Tag, das hat das Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ ausgerechnet, gehen 800.000 Pakete zurück. Das mache 400 Tonnen CO2. Täglich. Die gleiche Menge würden 255 Auto-Fahrten von Frankfurt nach Peking verursachen. Und über das Thema Verpackungsmüll bei Web-Shopping von Lebensmitteln, die im Styropormantel stecken oder auf Plastikpolstern liegen, haben wir noch gar nicht gesprochen!

Gerit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sieht noch einiges auf uns zukommen. Denn: Im Kampf um Marktanteile peilen immer mehr Online-Händler eine Zustellung noch am selben Tag an. „Außerdem können Sie sich schon heute in Großstädten Ihren Einkauf innerhalb von einer Stunde nach Hause fahren lassen“, so der Experte. So fahren etliche Bringdienste und Logistiker parallel durch die Gegend und nicht immer sind die Fahrten optimiert. Vor allem beim Express-Versand warten die Lieferfahrzeuge nicht immer, bis sie richtig voll sind.

Müssen die Menschen jetzt völlig schwarz in die Zukunft schauen? Nein, gerade in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften lässt sich einiges bewirken. So sollte man sich als Kunde immer fragen, ob es beispielsweise notwendig ist, sich 10 verschiedene Paar Schuhe zu bestellen, um danach wieder 9 Stück zurück zu schicken. Die Zeitschrift Öko-Test rät: „Bestellen Sie nur das, was Sie wirklich brauchen und was Sie vor Ort nicht bekommen und vermeiden Sie es, Waren zurückzuschicken. Dann ist gegen Online-Shopping eigentlich nichts einzuwenden.“

Umwelt-Experten raten außerdem davon ab, im Laden in der Stadt ein Kleidungsstück anzuprobieren, um es dann doch im Internet zu bestellen, weil es dort ein paar Euro billiger ist. Das sei nicht nur unfair gegenüber den Ladenbesitzern, sondern verursache auch doppelt so viele Emissionen. Und beim Versand sollte man lieber die Standard-Version wählen, weil dann die Paketautos besser ausgelastet werden.

E-Commerce und Moral

Diese Eigenmarken stecken hinter Zalando
ZALANDO eroeffnet einen Laden
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Sie sind längst nicht mehr nur für Supermärkte und Discounter, sondern auch für Fashion-Händler wie den Berliner Kult-Shop Zalando das Salz in der Suppe: Eigenmarken. Der Vorteil im extrem wettbewerbsintensiven E-Commerce: Mit den eigenen Labels, die bei Zalando als Eigenmarke gar nicht zu erkennen sind, ist die Marge viel höher als bei externen Markenprodukten. Auch die Abhängigkeit von Markenherstellern lässt sich reduzieren. Der Berliner haben mindestens zwölf Eigenmarken in ihrem Portfolio. Ein Überblick.

(Foto: DAVIDS/Darmer)
Zign
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Zign

Unter dem Label Zign verkauft Zalando Schuhe und Accessoires; es ist das größte eigene Label im Unternehmen. Hergestellt beziehungsweise kreiert werden die Produkte – laut Zalando etwa 170 Styles pro Saison – von einem jungen Designer-Team unter dem Dach der Berliner zLabels GmbH, die zum Zalando-Imperium gehört.

(Quelle: Screenshot Zalando.de)

mintBerry
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mint&berry

Mit dem Label mint&berry zielt Zalando auf „selbstbewusste junge Frauen, die wissen wo es lang geht.“ Praktisch: Der Chef von zLabels ist gleichzeitig auch einer der Zalando-Geschäftsführer: Robert Gentz.

(Quelle: Screenshot Zalando.de)

Pier One
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Pier One

Auch das etablierte Schuh-Label Pier One wird unter eigener Flagge für Zalando kreiert. Im Handel sind Eigenmarken nicht neu und schon länger ein Kernelement vieler Geschäftsmodelle. Der insolvente Versandriese Neckermann hatte unzählige davon, der Quelle-Versand war bekannt für seine Labels Privileg und Universum und auch die Elektronik-Riesen Media Markt und Saturn, die zum Metro-Konzern gehören, produzieren Fernseher und Blueray-Player unter der Marke PEAQ in Eigenregie.

(Quelle: Screenshot Zalando.de)

Stups
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Stups

Der große Vorteil dieser Strategie ist, dass Zalando im Endeffekt an jedem eigenen Produkt, dass verkauft wird, mehr verdient, als wenn es ein Produkt der etablierten Markenanbieter ist.

Eine ausgedachte Beispielrechnung: Bei einem Marken-Snowboot, der 100 Euro kostet und für 50 Euro eingekauft wird, beträgt die Marge 50 Euro. Wenn ein Anbieter wie Zalando nun ein ähnliches Produkt als Eigenmarke für 90 Euro verkauft und die Erstellungs- und Produktionskosten nur bei 15 Euro liegen, ist die Marge wesentlich höher und beträgt satte 75 Euro.

Unter dem Label Stups kreiert Zalando Schuhe für Kinder und junge Teenager.

(Quelle: Screenshot Zalando.de)

MiuPiuSenza
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Mai Piu Senza

Ein weiterer Vorteil, der sich Zalando durch die Eigenmarken bietet: Im Online-Store werden z.B. Schuhe von Mai Piu Senza als „das könnte Ihnen auch gefallen“ angeboten, wenn Kunden zum Beispiel nach Schuhen von Hugo Boss suchen. Unter dem italienisch klingenden Label Mai Piu Senza präsentiert Zalando „aufregende Silhouetten, hohe Absätze und gewagte Plateaus“.

(Quelle: Screenshot Zalando.de)

Twintip
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Twintip

Besonders clever: Für ihre eigenen Labels können die Zalando-Maketer Anzeigen im hauseigenen Zalando-Fashion-Magazin schalten und sie in einem hochwertigen Umfeld direkt vor der Nase ihrer Zielgruppe platzieren.

Das Zalando-Label Twintip versammelt sportliche Bekleidung von Beachwear bis hin zu robusten Snowboardoutfits.

(Quelle: Screenshot Zalando.de)

„Wichtig ist bei all den Problemen die Frage, welche Steuerungsmöglichkeit man als Verbraucher hat“, sagt der Wirtschaftsethiker Josef Wieland. „Daher ist es nicht richtig zu sagen, dass man sich schuldig macht.“ Vor allem deswegen, weil es so viele Ursachen für Missstände gibt. „Unter diesen Bedingungen ist es sehr schwer, seiner Verantwortung nachzukommen.“

Im Grunde gehe es darum, zu erkennen, dass wir eine gemeinsame Verantwortung haben, wenn wir miteinander in eine Wirtschaftsbeziehung eintreten. Und dass es auch für jeden einzelnen Möglichkeiten gibt, diese wahr zu nehmen. Wieland: „Globalisierung heißt, dass wir kooperieren müssen, weil wir aufeinander treffen und weil wir uns sehen und voneinander abhängen.“ Sein Appell an die Verbraucher: „Überlegen Sie sich beim Einkauf ob das, was Sie gerade gekauft haben, unter Bedingungen hergestellt wurde, die Sie auch für sich selbst akzeptieren würden.“ Und wenn man die Bedingungen nicht kennt? „Dann müssen Sie darauf drängen, die Informationen zu bekommen. Es ist dieser Stachel der Neugier, der uns weiter bringt.“

Der Journalist Günter Wallraff nimmt aber nicht nur den Konsumenten, sondern in einem Interview mit dem Fachmagazin „Der Handel“ auch den Versand- und Onlinehandel in die Pflicht, der in der Lage sei, Druck auf die Logistiker auszuüben. Die höheren Logistik-Kosten, die sich daraus ergeben, müssten allerdings letztlich vom Konsumenten getragen werden, ist sich E-Commerce-Experte Peter Höschl sicher. „Nicht zuletzt, da die Versandkosten oftmals einen wichtigen Beitrag zur Marge darstellen“, schreibt er in einem Fachbeitrag.

Höschel versucht derzeit per Online-Umfrage unter Händlern herauszufinden, ob diese bereit sind, etwas mehr für den Warenversand zu bezahlen. Zwar gibt es erst ein Zwischenergebnis, aber die Tendenz ist doch eindeutig: So sind 35 Prozent der Befragten der Meinung, dass es nicht ihre Aufgabe sein kann, die Arbeitsbedingungen bei Logistikern zu verändern und nur 8 Prozent wären bereit, 2 Euro mehr zu bezahlen, auch wenn sie dann befürchten müssen, dass die Kunden künftig woanders – mit günstigeren Versandkosten – einkaufen.

Fragt man den Berliner Online-Händler Zalando, heißt es, Nachhaltigkeit und Umweltschutz liege dem Konzern am Herzen. „Nicht zuletzt, weil wir heute in dieser Generation selbst aufwachsen“, so ein Sprecher gegenüber Handelsblatt Online. Trotzdem sieht sich Zalando, eine Gründung der Samwer-Brüder, nicht recht in der Pflicht. „Grundsätzlich sind wir überzeugt, dass unsere Logistik-Partner mit dem Entgelt, was sie erhalten, dazu in der Lage sind, wettbewerbsfähig und klimaschonend zu arbeiten.“

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50 Kommentare zu "E-Commerce-Boom: Die Schattenseiten des Online-Handels"

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  • Ja, ich bestelle im Internet. Nein, ich schicke nichts zurück, außer es ist defekt oder passt trotz vorheriger Information nicht. Allenfalls, wenn ich gar nicht entscheiden kann, ob jetzt doch das Teil mehr oder weniger sein muß. Ich benötige ein Auto, um die nächste Kleinstadt zu erreichen. Auswahl Fehlanzeige. Preise teils unverschämt. Man würde Tage benötigen, um das Angebot einigermassen vergleichen zu können, wie man es online kann. Patzige "Verkäuferinnen" - haben wir nicht da in der Größe, kommt erst nächste Woche wieder. Von echter Beratung keine Spur. Dazu die Abzocke beim Parken. Ja, das müssen wir erst bestellen...schnauf (macht uns Arbeit). Wenn man Wünsche oder Vorstellungen äußert, was man sucht, wird man angeglotzt, als würde man unmögliches verlangen. Überall in den Geschäften nur "Massenware". Shopping ist definitiv KEIN Erlebnis, wie man es den Kunden so oft einreden will. Ich geh zweimal im jahr zum Klamottenkauf. Im Frühjahr und im Herbst. Da wird alles eingepackt, was gefällt, passt und preislich in Ordnung ist, dann probiert udn aussortiert. 5 Teile mitgenommen und fertig. In die Innenstadt geh ich, wenn was erledigt werden muss und Samstag vormittag im Sommer auf den Wochenmarkt. Ansonsten 1-2 mal Lebensmittel in der Woche und fertig. Im Sommer sind genau 2 mal, mit Glück, Artischocken zu bekommen, die man essen kann (nicht vertrocknet) und das zu horrenden Preisen. Ich arbeite und hab in meiner Freizeit besseres zu tun, als durch irgendwelche Geschäfte zu hopsen. Die Zusteller sollten tatsächlich besser bezahlt werden, genau wie auch die Leute, die im Versand arbeiten.

  • Sorry, aber der Artikel provoziert mich nun doch zu einer politisch unkorrekten Feststellung: Mal abgesehen davon, dass immer mehr Kommunen durch ihre Jagd auf Autofahrer einem das Einkaufen in der Innenstadt verleiden, möchte ich hier mal fest stellen, dass das Einkaufsverhalten von Frauen generell deutlich unökologischer als das von Männern ist. Wenn ein Mann etwas braucht, prüft er erst, welches Produkt er wo kaufen möchte (meist online). Dann fährt er los, nachdem er vielleicht sogar im Laden telefonisch die Verfügbarkeit geklärt hat, kauft das Produkt und fährt wieder nach Hause. Und nun gehen sie doch mal mit einer Frau Shoppen ;-)

  • 400 Tonnen CO2. Täglich - klingt viel, ist es aber nicht!!!
    => 400.000.000 Gramm CO2
    > bei 40 Mio zugelassenen PKW in Deutschland macht das bei 159g/km = 125 METER pro Tag, die jedes Auto zusätzlich zurücklegen könnte bei KOMPLETTER Einsparung ALLER DHL-Autos (also auch keine Briefe mehr).
    Ich finde, da sollte man alle Anstrengungen mehr in die:
    -Vermeidung von Privat-Autofahrten (mal aufs Rad steigen zum Einkaufen),
    -Verbesserung von Verkehrsleitsystemen (Vermeidung von Umwegen/Staus),
    -bessere Filteranlagen in Industriebetrieben,
    -verstärkte internationale Bemühungen damit in Brasilien der Regenwald nicht wegen Palmöl/Biosprit abgeholzt wird,
    und und und......
    stecken, als sich um die "paar" Tonnen CO2 aufregen.
    Klingt viel, aber bei einem Ausstoß von 2,2 MILLIONEN Tonnen CO2 TÄGLICH in Deutschland sind die 400 Tonnen der DHL sehr sehr wenig.

    Ich finde es auch nicht gut, aber man sollte nicht mit der falschen Keule schwingen und die CO2 Keule ist völliger Nonsens.

    Und wenn hier einer mit der Verpackung in den Paketen anfängt, dann geht mal Arbeiten in einem Verpackungsherstellungsbetrieb.
    DA sind die Probleme zig mal größer und es stehen einem die Haare zu Berge, wenn man nen Karton aus Wellpappe herstellt und mit dem UNICEF Logo bedruckt und das Blau auf dem Karton nicht zu 100% mit dem UNICEF-Blau übereinstimmt und die gesamte Charge (85.000 Kartons) in den Zerhäcksler geht.
    Als wenn es hilfsbedürftige afrikanische Kinder interessiert, ob das Blau so oder so ausschaut.
    DAS ist CO2 Verschwendung!!! Den Aufwand aus bedruckter Pappe wieder saubere Papierrollen zu bekommen will ich gar nicht wissen

  • Diejenigen, die damals die "Tante Emma"-Läden kaputtgemacht hatten, weil es im Supermarkt billiger war, heulten mir, als sie alt und gebrechlich waren, mir was vor, daß sie es so weit zum Kaufmann hätten. (Der Supermarkt war nämlich längst von dem Einkaufscenter auf der grünen Wiese verdrängt worden.)
    Merke: Es ist NICHTS umsonst ! Wir wissen nur selten, wie die Quittung aussehen wird ...

  • Was bitte ist an Videos wertvoll außer der Zeitvernichtung?

    Videos sind langsam, gehen nicht auf meine Aufnahmegeschwindigkeit ein und müllen mich mit 50-60 Bildern pro Sekunde zu, die mein Gehirn mühsam wieder entsorgen muss!

  • Gerne!

  • Es ist schon erstaunlich. Sonst propagiert das Handelsblatt immer den eigennützigen Homo oeconomicus und wenn sich statt Unternehmen mal die Kunden so verhalten ist es auch wieder nicht richtig. Heuchler!

  • Als Online-Händler sollten Sie eigentlich wissen, dass Retouren bei einem Warenwert unter EUR 40,00 vom Kunden zu bezahlen sind.....

  • Wenn man schon selbst beim Thema Onlinehandel nicht mehr sicher davor ist, irgendeine Debatte zu Öko und Nachhaltigkeit ertragen zu müssen (vor Wallraff bleibt man wohl nirgendwo verschont), dann sollte man aber zumindest auch alle Ursache/Wirkung Ketten ansprechen. Wie zum Bsp:
    Ein Grund dafür, daß viele derjenigen, die arbeiten und ihre freie Zeit sinnvoll einteilen müssen, keine Lust mehr haben, für Einkäufe und Besorgungen in "die Stadt" zu fahren, ist doch gerade, daß - politisch forciert - diese Option immer unattraktiver wird! In den großen Städten wird allerorts durch künstliche und bewußte Parkplatzverknappung, Fahrbahnverringerung, Straßensperrung, Straßenbahnsteigbau (früher ging es doch auch ohne Bauwerk an jeder Tramstation) ein Verkehrschaos erzeugt, das selbst hartgesottenen die Lust nimmt, für einen Einkauf, der bei Amazon innert 5 Minuten erledigt ist, zwei Stunden unterwegs zu sein. Tut mir leid, da fehlt mir ein bißchen das Verständnis für das Gejammer der Ökos, die zum einen am liebsten die autofreie Stadt wünschen und sich dann aber auch noch über zunehmenden Onlinehandel beklagen.

  • Wallraf liegt völlig falsch, wenn er Zalando Partys mit Billigproduktion und Verbraucherverantwortung zusammenbringt.
    Und zwar deshalb weil er damit zwar eine nachvollziehbare Schuldzuweisung generiert, aber eine lösung des Problems damit auch unmöglich macht.
    Die Verbraucher als große Masse, werden niemals moralisch handeln, das ist völlig unmöglich und kann jeder halbwegs kompetente Sozialwissenschaftler bestätigen. Dafür gibt es viele rationale gruppendynamische und auch individuelle Gründe.
    Märkte können nur Bestimmungsgemäß funktionieren, wenn man Spielregeln schafft, die schon auf Anbieterseite gar nicht erst ein missbrauchbares Angebot schaffen. das ist primäre Aufgabe des Staates, der eine Marktwirtschaft als Wirtschaftssystem betreibt.
    Das hat aber Folgen hinsichtlich der Verantwortlichkeit und des maximalen sozialen Schutzes, ebenso wie für die diesbezügliche Einflussnahme des Staates auf diesen Gebieten.
    Zalandoparties, Mietnomaden etc. zeigen doch nur, das der Schutz, den manche Gruppen und Individuen als Vertragspartner genießen überzogen wurde.
    Mit Billigproduktion hat das dann aber immer noch nichts zu tun, denn hier hat der Gesetzgeber ebenfalls versagt.
    Wenn Qualität von Waren letztlich bedeutungslos wird, weil Ware ohnehin zur Wegwerfware wird, die nur kurze Zeit (eine Saison?) überlebt, dann sinkt auch die Bereitschaft entsprechende Preise dafür zu zahlen, Marke hin, Marke her.
    Geringe Preise aber und letztlich ja auch geringe Qualität macht so höherer Qualität unlautere Konkurrenz.
    Der Staat begünstigt dies durch Verhinderung entsprechender Auszeichnung. Wenn der Marke, außer ein bißchen vergänglichem Design jegliche für dne Verbraucher massgebliche Qualität fehlt, darf man sich auch nicht wundern, wenn Plagiate reißenden Absatz finden.
    Der Kampf ist nicht zu gewinnen. Es geht eben nicht, wenn nur der Anbieter letztlich betrügen darf, der Konsument jedoch nicht.

    H.

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